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Mustermanns können arbeiten gehen: das Angebot an Ganztagsplätzen wächst in Rüsselsheim, Kelsterbach und Mörfelden-Walldorf.

OFFENBACH

In den Kitas ist Platz von früh bis spät

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Das Angebot wächst / Köchinnen bereiten das Mittagessen zu / Sprachkurse und Integration Behinderter nehmen zuFamilie Mustermann möchte in den nordöstlichen Kreis Groß-Gerau ziehen. Sie steht mit ihrer Entscheidung nicht alleine. Der Landkreis ist ein Zuzugsgebiet. Betreuungsplätze für die Kinder gibt es genug, allerdings zu unterschiedlichen Preisen.

Kreis Groß-Gerau · 20. Juli · Die Stadt Kelsterbach betreibt keine eigenen Kindergärten. Für sie erledigen die beiden Kirchen in sieben Einrichtungen das Geschäft der Kinderbetreuung. Die Stadt zahlt den kirchlichen Trägern 85 bis 100 Prozent der Kosten, je nachdem, wann die Kindergärten gegründet wurden. Offenbar fährt die Stadt gut damit, denn die Einrichtungen verfügen über einen hohen Standard. "Die Stadt hat in einzelnen Bereichen mit den Einrichtungen Vereinbarungen getroffen, die über das normale Maß hinausgehen", sagt Monika Fuchsberger, in der Kelsterbacher Verwaltung zuständig für die Kitas. Die evangelische Kindertagesstätte St. Martin etwa ist in einem Gebäude untergebracht, in dem alleine die 20 Hortkinder 90 Quadratmeter im Obergeschoss nutzen. Im Hort der Christuskirche betreuen drei Fachkräfte 25 Kinder. In Rüsselsheim und Mörfelden-Walldorf kümmern sich jeweils 1,5 Fachkräfte um eine Hortgruppe.

"Das Hessische Sozialministerium verfügt über keine Vergleichskriterien", sagt der Rüsselsheimer Sozialdezernent Jo Dreiseitel zu den Richtlinien für die Kindergärten. Es gebe nur Vorgaben zur Gruppenstärke und zum Betreuungsschlüssel: Höchstens 25 Kinder pro Gruppe, sollen von 1,5 Fachkräften betreut werden. Bei einem Ausländeranteil von mehr als 40 Prozent sollen nur noch 20 Kinder in der Gruppe spielen. Diese Kriterien werden in der Regel auch eingehalten. Aber wie viel Zeit der Träger den Erzieherinnen etwa für Vor- und Nachbereitungszeit einräumt, liegt ganz alleine in seinem Ermessen. Gesetzlich vorgeschrieben ist die Bereitstellung eines Vormittagplatzes für jedes Kind über drei Jahren, also von 8 bis 12 Uhr. Wie lange die Kitas darüber hinaus öffnen, ob es ein warmes Mittagessen gibt und welche Qualität das haben soll, legen die Träger fest.

Familie Mustermann hat Glück. Ganztagesplätze gibt es in allen drei Städten, Rüsselsheim, Mörfelden-Walldorf und Kelsterbach. Rüsselsheim kann das ganze Jahr über eine Betreuung von 7 bis 17 Uhr in einer der 20 städtischen und vier kirchlichen Kindergärten bereit stellen; in Kelsterbach sind immer Ganztagsplätze (bis 16.30 Uhr) frei. Mörfelden-Walldorf kann den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz bislang nicht erfüllen. Eine neue Kita, die im September eröffnet, soll die Engpässe beseitigen. Aber für ein fünf Jahre altes Kind, das zuzieht, ermöglicht die Stadt den Kindergartenbesuch in jedem Fall, sagt Peter Stein, Leiter des Amtes für Soziales. Mit einem flexiblen Modul-Angebot können Eltern demnächst die Aufenthaltsdauer ihrer Kinder in der Kita ihren Bedürfnissen anpassen.

Allerdings variieren die Preise. Für die beiden Kinder Jan (5) und Paula (10) müssen Mustermanns für die Ganztagesbetreuung im Kindergarten und Hort inklusive Mittagessen in Rüsselsheim 311,88 Euro, in Kelsterbach 361 Euro und in Mörfelden-Walldorf 393,50 Euro zahlen. Preiserlass beim zweiten Kind gewährt Kelsterbach nur, wenn beide Kinder in einer Einrichtung sind. Trotzdem sind die Kita- und Hortgebühren für unsere Modellfamilie niedriger als in Mörfelden-Walldorf. Dort und in Rüsselsheim bezahlen die Eltern für das zweite Kind die Hälfte, egal, ob beide gleichzeitig in Hort oder Kita oder eines da, das andere dort ist.

Auf das frisch zubereitete Mittagessen durch eigene Hauswirtschafterinnen legen die drei Städte gleichermaßen Wert. Sprachförderung betreiben Rüsselsheim und Kelsterbach seit Jahren mit speziell ausgebildeten Honorarkräften, die in Kleingruppen mit den Kindern Deutsch lernen. Mörfelden-Walldorf beginnt erst mit der Sprachförderung. Einige Erzieherinnen werden gerade geschult.

Für behinderte Kinder haben die drei Städte Betreuungsplätze in ihren Kindergärten zur Verfügung gestellt.

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