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An der östlichen Ecke der Burgkirche wurde die neue, 50 Quadratmeter große Sakristei angebaut.

Dreieich

Burgkirche Dreieichenhain wird 300 Jahre alt

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Zum Jubiläum gibt es einen Festgottesdienst. Eine Sakristei wurde an das denkmalgeschützte Gebäude, das nun barrierefrei ist, angebaut.

Noch ist die Orgel eingehaust, ein bunt bemaltes Tuch verdeckt sie. Auch die Bestuhlung ist improvisiert, die alten Kirchenbänke sind noch eingelagert und werden restauriert. Ein Tisch ersetzt den Altar, der abgebrochen wurde. Ansonsten aber ist der Innenraum der evangelischen Burgkirche komplett überholt worden und bereit für das große Geburtstagsfest: Am Sonntag hat die Gemeinde das 300-jährigen Bestehen der Kirche mit einem Festgottesdienst mit dem Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, gefeiert.

Seit im September vergangenen Jahres Kerbburschen und Feuerwehr den Innenraum freigeräumt haben, hat sich viel an dem denkmalgeschützten Gebäude getan. „Eine große Renovierung war schon seit Jahren nötig“, sagt Pfarrer Markus Buss. Der Innenraum wurde komplett überarbeitet, die Kassettendecke saniert und der Boden mit 514 Sandsteinplatten neu verlegt. Die Bemalung orientiert sich an den ältesten freigelegten Farbfunden.

Verschwunden ist auch der Bretterverschlag, der zuvor den Altarraum dominierte. „Wir hatten ja vorher keine Sakristei, daher blieb zum Umziehen nur der Bretterverschlag – und in Ermangelung von Lagermöglichkeiten wurde dort alles untergebracht“, sagt Buss. „Rumpelig“ sei es zuvor gewesen, fügt er hinzu.

Das hat sich nun geändert, denn die Gemeinde hat in Absprache mit dem Geschichts- und Heimatverein, dem das Burggelände gehört, einen Anbau realisiert. Nur wer die östliche Treppe von der Burg zur Kirche nimmt, sieht diesen, vom Hauptzugang aus ist er nicht zu erkennen. „Es ist ein Rundbau, der gut 50 Quadratmeter mehr Fläche ergibt“, sagt der Frankfurter Architekt Benjamin Jourdan. Mit der Burgkirche sei er vertraut, betont er, hier wurde er getauft und konfirmiert.

Noch ist der Anbau, der die neue Sakristei beherbergt, nicht ganz fertig. Von außen soll er mit Sandstein verkleidet werden. Außerdem gibt es eine gemauerte Sitzbank rund um den Anbau, davor soll im kommenden Jahr ein kleiner Sakristeigarten angelegt werden. Steine, die etwa von nicht mehr benötigten Stützpfeilern der ehemaligen Außenmauer der Kirche übrig blieben, sind ebenfalls in die Sakristeimauer eingearbeitet. „Das ist ein richtiges Archiv der Steine“, sagt Jourdan.

Im Anbau ist neben einem Besprechungsraum auch eine Behindertentoilette untergebracht. Da vor und in der Kirche auf Stufen verzichtet wurde, ist die Kirche nun barrierefrei begehbar. Das Gemeindehaus wurde bereits 2014 barrierefrei umgebaut. „Die Barrierefreiheit war ein großes Anliegen von uns“, sagt Buss.

Eine neue Tonanlage werde im kommenden Jahr eingebaut, die veraltete Elektrik der Kirche hatte in der Vergangenheit immer wieder für kostspielige Reparaturen gesorgt. Jourdan will im kommenden Jahr auch einen neuen, mobilen Altar fertigstellen. „Damit sind wir flexibel und können den Raum je nach Bedarf einrichten“, sagt Buss. In den vergangenen Monaten hatte die Gemeinde ihre Gottesdienste an unterschiedlichsten Orten, etwa bei Vereinen oder in Veranstaltungsräumen gefeiert. „An diesem Konzept der aufsuchenden Kirche werden wir festhalten“, sagt der Pfarrer.

Die komplette Renovierung und Erneuerung hat jedoch ihren Preis: Rechnete die Gemeinde zunächst mit Kosten in Höhe von 800 000 Euro, sind nun knapp 900 000 Euro veranschlagt. 296 000 Euro steuert die EKHN bei, den Rest muss die Gemeinde aufbringen. Dank der Stiftung Burgkirche und verschiedenen Fundraising-Aktivitäten seien bereits rund 300 000 Euro gesammelt worden.

„So können für 50 Euro etwa Patenschaften für eine der Bodenplatten übernommen werden“, sagt Jourdan. 150 Platten hätten bereits Paten gefunden. „Für die nächsten Jahre heißt das natürlich, dass wir gezielt um Spenden bitten werden“, sagt Buss, „in der Gemeinde gibt es bereits einige Ideen dafür.“

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