Hier sollen evangelische Eltern den Vortriitt bekommen.

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Evangelische Kinder zuerst

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Kirchenpräsident Volker Jung will junge Eltern mit einem Kita-Platz in der Kirche halten. Grund für den Vorschlag ist der erwartete starke Rückgang an Kirchenmitgliedern, gerade in der Altergruppe der 20- bis 35-Jährigen.

Der zu erwartende dramatische Rückgang an Kirchenmitgliedern und die Konsequenzen für die Bedeutung der Kirche selbst ist eines der prägenden Themen der Synode, zu der die Mitglieder der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in Frankfurt zusammengekommen sind. Gleichzeitig drängen die dramatischen Entwicklungen in der Welt mit der Zunahme an Populismus und Gewalt die Kirchenvertreter dazu, Position zu beziehen. Öffentliche Aufmerksamkeit aber erregt ein ganz anderes Thema.

Kirchenpräsident Volker Jung hat nämlich vorgeschlagen, evangelische Familien bei der Platzvergabe in Kitas der Kirche zu bevorzugen. Er zielt damit auf die Gruppe der 20- bis 35-Jährigen. Denn gerade in dieser Altersgruppe ist der Mitgliederrückgang besonders stark, wie die Studie der Universität Freiburg „Kirche im Umbruch“ gezeigt hat.

Umbruch Die Evangelische Kirchein Hessen und Nassau (EKHN) hat 1,55 Millionen Mitglieder. 2017 verließen rund 15 000 Gläubige die Kirche, das ist eine Austrittsquote von einem Prozent. Bis 2060 könnte die Zahl der Mitglieder auf 800 000 sinken.

Ein Rückgangvon rund 20 Prozent ist auf die demographische Entwicklung zurückzuführen. 30 Prozent aber haben ihre Ursache in „anderen Faktoren“, etwa Kirchenaustritten oder weniger Taufen.

Die Studie„Kirche im Umbruch“ gibt es auf www.ekhn.de pgh

„Menschen, die ihre Kinder evangelisch sozialisieren wollen, haben oft die Erwartung, dass sie auch einen Platz in einer Kindertagesstätte bekommen, die von ihrer Kirche betrieben wird“, sagte Jung. Gerade in Ballungsräumen wie dem Rhein-Main-Gebiet seien die Austritte besonders häufig. Dies habe, so vermutet Jung, auch damit zu tun, dass junge Familien eine Kosten-Nutzen-Abwägung träfen. „Wo setzen wir unsere Geld ein, was bringt es uns, in der Kirche zu sein“, laute dann vielleicht die Frage. Das Angebot einer Kinderbetreuung könne da Teil einer Antwort sein.

Jung betonte, die Kitas in evangelischer Trägerschaft sollten auch weiterhin für alle geöffnet sein, „daran wird sich nichts ändern“, versicherte der Kirchenpräsident. Dies sei so gewollt und auch rechtlich geboten. Die stellvertretende Vorsitzende der Synode, Susanne Bei der Wieden, sagte, es gebe einen großen Willen der Kirchenvertreter zur Offenheit und heterogenen Zusammensetzung in den Kitas. „Sie sollen unsere Nahtstelle zur Welt bleiben“, so Bei der Wieden. Die EKHN unterhält rund 600 Kindertagesstätten.

Die Studie „Kirche im Umbruch“ hatte einen Mitgliederrückgang auf die Hälfte bis zum Jahr 2060 prognostiziert. Wie dem zu begegnen sei, soll in der EKHN in den nächsten Wochen und Monaten beraten werden. Jung geht davon aus, dass es immer wichtiger werde, dass Gemeinden sich für ihr Umfeld öffneten. Zudem müsse der Kontakt mit den eigenen Mitgliedern und Menschen außerhalb der Kirche gestärkt werden.

Angesichts zunehmender Judenfeindlichkeit verabschiedete die Synode eine Resolution, die sich gegen jede Form von Antisemitismus wendet. „Wir stehen an der Seite unserer jüdischen Geschwister“, sagte Synoden-Präses Ulrich Oelschläger. Einen weiteren Schwerpunkt der Beratungen bildeten die Themen Menschenrechte und Glaubensfreiheit.

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