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Sekt oder Selters? In diesem Museum stellt sich die Frage nicht.

Hessen

Selters: Mineralwasser für Europa

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In Selters wurden der Brunnen und ein Museum mit Geld aus einem EU-Fonds saniert.

Wer in Deutschland nach „Sekt oder Selters“ fragt, hat zumindest eines deutlich gemacht: Er weiß, wo der Ursprung der Mineralwasserkultur zu finden ist. Im Taunusort Selters, genauer: im Ortsteil Niederselters, steht der Brunnen, aus dem schon vor 300 Jahren gesundes Wasser in die ganze Welt und natürlich in die europäischen Metropolen geliefert wurde. Nach London, Florenz oder St. Petersburg.

Heute sind der Seltersbrunnen und der umgebende „Tempel“, der Anfang des 20. Jahrhunderts im Jugendstil erbaut wurde, wieder ansehnlich hergerichtet, ein Stück europäischen Kulturguts – saniert mit Hilfe aus Europa. Die Europäische Union (EU) hat 250 000 Euro beigetragen, um die Gebäude aufzumöbeln und ein Mineralwassermuseum einzurichten. „Wir sind dankbar, dass es diese Mittel gab“, sagt der ehemalige Bürgermeister von Selters, Norbert Zabel (CDU), der die Sanierung anschob und begleitete – auch wenn aus dem EU-Topf nur ein kleiner Anteil der Sanierungskosten von rund 6,7 Millionen Euro floss.

Seit 2011 ist das Gebäude wieder eröffnet. Das Museum hat von April bis Ende Oktober sonntagsnachmittags geöffnet, zudem gibt es Veranstaltungssäle für Goldene Hochzeiten, Tagungen der Landfrauen und andere Interessenten.

Haustrunk für 24 Euro

Zwei Mal in der Woche können die Bürgerinnen und Bürger aus Selters und der Umgebung sich den „Haustrunk“ vom Mineralwasser abfüllen, gegen eine Jahresgebühr von 24 Euro. 200 Menschen nutzen das Angebot. Mehr als 1500 Liter pro Jahr dürfen aber nicht abgezapft werden. Die EU-Vertreterin, die das Projekt begleitete, kannte diese Tradition nicht, wie sich Zabel erinnert: Sie habe „Haustrunk“ nur mit Brauereien verbunden.

Die Wiederherstellung der historischen Anlage kam mit Hilfe der EU-Mittel aus dem Landwirtschaftsfonds ELER zustande, aus dem die Entwicklung ländlicher Räume gefördert wird, also auch die Steigerung der touristischen Attraktivität. In der aktuellen Siebenjahresperiode umfasst der Fonds insgesamt 100 Milliarden Euro und soll weitere Investitionen in Milliardenhöhe auslösen. Nach Deutschland gehen knapp zehn Milliarden Euro.

Neben der Europäischen Union gaben der Bund, das Land Hessen, der Kreis Limburg-Weilburg und private Spender Geld für den Seltersbrunnen. Dadurch ist ein attraktiver Ort entstanden, dem ein Münchner Sammler die weltgrößte Sammlung von Mineralwasserflaschen anvertraute. Von den Flaschen aus 119 Ländern, die noch mit dem jeweiligen Originalwasser gefüllt sind, kann jeweils nur ein kleiner Teil im Museum von Selters gezeigt werden.

Dabei ist das Wasser gerade in Niederselters historisch erst spät in die Flasche gekommen, nämlich seit 1894. Vorher wurde das prickelnde Nass in Tonkrügen ausgeliefert. Häufig bekommt Fachmann Zabel heute noch Hinweise aus fernen Ländern, dass sich dort alte Krüge mit dem Selters-Aufdruck gefunden hätten. Das Selterswasser hat sich weit über die deutschen Grenzen einen Namen gemacht – und ist damit ein Stück Europas in Hessen.

Hessen und Europa

In ganz Hessen wird die Bedeutung der Europäischen Union in vielerlei Form sichtbar. In einer Serie stellt die Frankfurter Rundschau Beispiele dafür vor – pünktlich vor der Wahl zum Europäischen Parlament am 26. Mai.

Die Europawoche beginnt in diesen Tagen mit vielen Veranstaltungen rund um den alljährlichen Europatag am 9. Mai. Im Internet findet sich die Liste der Veranstaltungen in Hessen unter https://europanetzwerk.hessen.de/veranstaltungen. 

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