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Pädagogin Sangita Pausewang schult Maliha, Tamana und Josephine - mit Förderung der EU.

Mäk’M

Wo Europa in Hessen Frauen fördert

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Der Mädchentreff Wiesbaden hilft auf dem Weg zum Schulabschluss – mit Geld von der EU.  

Es dauert ein bisschen, bis sich die jungen Frauen trauen, Staatssekretärin Anne Janz aus ihrem Leben zu erzählen. Aber dann lassen sie keinen Zweifel daran, wie viel ihnen der Wiesbadener Mädchentreff und das „Mäk’M“-Programm bedeuten.

„Man ist hier aufgehoben. Hier ist es wie Familie“, sagt die 22-jährige Angelina. Ein junge Frau neben ihr erzählt, sie habe „viele psychische Probleme gehabt“. In der Mädchengruppe sei ihr Selbstbewusstsein viel größer geworden, fügt sie mit einem Strahlen hinzu.

Und Maliha berichtet, sie sei immer „sehr nervös“ und oft krank gewesen, seit sie vor sechs Jahren nach Deutschland kam. „Hier bin ich nicht mehr nervös“, sagt die 20-Jährige. „Ich bin so glücklich.“

Acht junge Frauen sitzen um den Tisch und berichten der grünen Sozialstaatssekretärin vom Scheitern in ihrer früheren Schule und vom Anlauf, mit Hilfe des Mädchentreffs den Hauptschulabschluss zu machen, handwerkliche Erfahrungen und Computerkenntnisse zu sammeln und einen Platz im Leben zu finden. Janz hört es mit Freude und ermuntert die Frauen, „weil ich weiß, dass junge Frauen ganz viel Power und Energie haben“.

Der Grund, der die Staatssekretärin in die Räume des Mädchentreffs geführt hat, ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Er heißt: Europa. Denn das Programm zur Qualifizierung und Beschäftigung junger Menschen, an dem insgesamt 16 junge Frauen in Wiesbaden teilnehmen, wird mit Geld aus Brüssel gefördert. Insgesamt fließen 190 000 Euro pro Jahr in das Vorhaben, davon stammen 75 000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), die restlichen 115 000 Euro steuert das Land Hessen bei.

Die Leiterin des Mädchentreffs, Anke Schwalm, ist froh über die Konstruktion. Zum einen wickeln das Land und die Wirtschafts- und Investitionsbank des Landes die Formalitäten mit der EU ab. Zum anderen können die Mädchen nicht nur für ein Jahr, wie es bei vielen anderen Projekten üblich ist, sondern bis zu zwei Jahre lang teilnehmen – und für den Fall, dass sie scheitern, auch einen weiteren Anlauf nehmen.

Insgesamt stehen in Hessen 950 Plätze in solchen Qualifizierungsprogrammen zur Verfügung, gefördert mit 9,5 Millionen Euro aus dem ESF und vom Land. „Mäk’M“ aber – die Abkürzung stand einmal für „Mädchen können mehr“ – unterscheidet sich von den anderen 46 Projekten darin, dass hier keine Jungs den Lernerfolg stören.

Für die jungen Frauen ist das nach eigenen Worten ein entscheidender Faktor, um Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich auch nach Niederschlägen wieder aufzurappeln. „Hier ist es gut, weil alles nur Mädchen sind“, urteilt Tamana (22). Und Jasmina erfreut sich vor allem an der Arbeit in der Metallwerkstatt. „Es ist einfach cool, dass wir mal mit solchen Maschinen umgehen, nicht nur die Männer“, findet die 21-Jährige.

Dass die Teilnehmerinnen den Schulabschluss im ersten Anlauf nicht geschafft haben, hat viele Gründe. Junge Mütter sind darunter, Frauen mit psychischen und anderen gesundheitlichen Problemen, Frauen mit Lernschwächen.

Nun sind sie – auch dank der EU – dabei, ihren Weg zu finden. Jasmina möchte Hauswirtschaft lernen, Josephine schwankt zwischen Altenpflege und der Arbeit in einer Kfz-Werkstatt. Gerade haben mehrere von ihnen Präsentation für den Hauptschulabschluss absolviert und durchgehend gute bis sehr gute Noten bekommen. „Es ist schön, zu sehen, dass das Geld genau an der richtigen Stelle ankommt“, sagt Anne Janz.

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