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Tarek Al-Wazir ist um seine Rolle als Vermittler nicht zu beneiden.

Öffentlicher Nahverkehr

Eschborn blamiert sich

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Ist die Lobby der Landwirte in der mit ihren Bürohäusern so fortschrittlich wirkenden Stadt wirklich so mächtig, dass die Vernunft unter die Räder ihrer Traktoren zu geraten droht? Ein Kommentar.

Es ist zum Aus-der-Haut-fahren: Seit Jahrzehnten wird die Regionaltangente West (RTW) diskutiert. Endlich sind auch die größten Skeptiker von ihrer Notwendigkeit überzeugt, hat eine Planungsgesellschaft die Arbeit aufgenommen. Und jetzt spielt einer der Gesellschafter den Zampano und blamiert sich vor der gesamten Rhein-Main-Region.

Was ist los in Eschborn? Ist die Lobby der Landwirte in der mit ihren Bürohäusern so fortschrittlich wirkenden Stadt wirklich so mächtig, dass die Vernunft unter die Räder ihrer Traktoren zu geraten droht?

Das Interesse der Allgemeinheit muss vor dem des Einzelnen Priorität genießen. Dass ein Schienenring um Frankfurt viele Verkehrsprobleme der Rhein-Main-Region löst, ist unumstritten. Die S-Bahn-Führung mit Zentrierung auf Frankfurt samt Nadelöhr Tunnel ist ein Modell von vorgestern. Die Pendler-Strecken ziehen sich durch die gesamte Region. 

Prognosen zufolge wären rund 30 Prozent der künftigen RTW-Fahrgäste Leute, die derzeit mit ihren Fahrzeugen die Autobahnen und Stadtstraßen verstopfen. Rund 67,7 Millionen Auto-Kilometer würden jährlich vermieden werden und damit 12.000 Tonnen CO2-Ausstoß. Die Menschen könnten im wahren Wortsinn aufatmen. Erst recht, wenn aus der Tangente ein Ring geworden ist. Die Pläne dafür hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) bereits in der Schublade liegen. 

Planerisch steht einem Ja aus Eschborn nun nichts mehr im Wege. Doch eine Zustimmung am 7. Februar ist bei Weitem noch nicht sicher. Die Bürgermeisterwahl ist zwar erst im Herbst, die Kandidaten sind noch nicht nominiert. Aber hinter den Kulissen laufen sich die Parteien offenkundig schon warm. Da passt es gut ins Konzept, den aktuellen Rathauschef Geiger vorzuführen. 

In seiner Rolle als Moderator ist Al-Wazir nicht zu beneiden. Drücken wir ihm die Daumen. 

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