1. Startseite
  2. Rhein-Main

Es kommt Bewegung in die Sportentwicklung

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Stadt will Fitness-Angebot fit für die Zukunft machen

BAD HOMBURG - Sie geht zur Gymnastik, er zum Kicken, beides im Verein des Stadtteils, in dem dann auch die Kinder einsteigen - so einfach ist das Leben nicht mehr, auch nicht in sportlicher Hinsicht. Das Bewegungsverhalten der Menschen in Bad Homburg unterliegt wie überall Modeerscheinungen und Trends. Und durch die Pandemie hat es sich in den vergangenen drei Jahren noch mal verändert. Im Jubiläumspark sieht man Yogagruppen, und viele gehen noch immer zusammen wandern, statt sich drinnen zu treffen.

Sich fit zu halten, ob allein oder mit anderen, das geht in Bad Homburg gut. Hier gibt es die Parks und den Stadtwald zum Joggen, den Trimm-dich-Pfad im Hardtwald, die Schwimmbäder und natürlich die Hallen und Sportplätze. Mit ihrem breiten Sportangebot, auch von den Vereinen, könne die Kurstadt zurecht mit dem Wort „Sportstadt“ werben. Doch ist dieses Angebot noch zeitgemäß? Das soll jetzt unter wissenschaftlicher Begleitung genau erforscht werden.

„Sport fördert die Gesundheit und bringt die Menschen zusammen“, erklärt OB Alexander Hetjes (CDU). „Wir wollen den Aktiven die bestmögliche Infrastruktur geben.“ Die Stadt wolle den heutigen Ansprüchen gerecht werden, ergänzt Sportdezernent Dr. Oliver Jedynak (CDU).

Neuauflage nach 15 Jahren

15 Jahre alt ist der aktuelle „Integrierte Sportentwicklungsplan“ der Stadt. Er soll neu aufgelegt werden. Zuvor ist eine aufwendige Bestands- und Bedarfanalyse geplant. Sind die Sportstätten noch zeitgemäß? Werden die Bedarfe aller Generationen und der verschiedener Sportarten gleichermaßen berücksichtigt? Hier gibt es offenbar „laute“ und „leise“ Nutzergruppen - die lauten melden sich mit ihren Wünschen des öfteren im Rathaus.

Um alle zu berücksichtigen, wird noch im Frühjahr zunächst eine „repräsentative Befragung“ der Stadtbevölkerung zum Thema durchgeführt. Wie Julia Morgenroth, im Rathaus für Stadtentwicklung zuständig, berichtet, werden dabei 6000 per Zufallsziehung ausgewählte Personen zu ihrem Sportverhalten befragt - wie sie sich bewegen, wo sie das tun und was sie dazu motiviert. Zudem werden alle Sportvereine zu ihren Angeboten und der Nachfrage danach konsultiert. „Die Bewegungsräume haben wir“, so Morgenroth, die auch schon am ISEK-Stadtplanungsprozess beteiligt war. Und hiervon habe die Kurstadt mehr als andere Städte. Nun gehe es darum, wie und von wem diese genutzt werden. Multicodierung ist hier das Stichwort: Der Kurpark etwa wird auf verschiedene Weise für Bewegung genutzt. Aber auch die Sporthallen in der Stadt bieten wechselnd dem Vereins-, Schul- oder Betriebssport Platz.

Wenn die Erkenntnisse aus diesen Befragungen da sind - mit ersten Ergebnissen wird im Frühsommer gerechnet -, werden sich Experten damit befassen, diese zu bewerten. Hierzu wird sich die „AG Sportentwicklung“ bilden: ein Gremium, in dem Vertreter aus Politik, Stadtverwaltung, Kur und Sportverbänden sitzen. Die AG, so Morgenroth, sei das Kernstück des Planungsprozesses: Die Fachleute schauen, welche Handlungspielräume es gibt. Auf Grundlage der Analyse halten sie die sportpolitischen Ziele fest.

Besonders berücksichtigt werden müssen dabei sich verändernde Gegebenheiten etwa beim Schulsport, betont Sportdezernent Jedynak: „Heute besuchen mehr Kinder eine Ganztagsschule; sie haben einen anderen Tagesablauf und vermutlich auch andere Bedürfnisse.“ Bei den Erwachsenen hat der Trend zum Homeoffice neue Gewohnheiten hervorgebracht, die ihren Raum suchen: „Vielleicht möchten sie gern in der Mittagspause laufen gehen oder finden neue Zeiträume, um das Fitness- oder Yogastudio zu besuchen.“

Auch in diesen Studios hat sich die Besucherstruktur verändert. In der früheren „Muckibude“ sieht man keineswegs nur junge Kraftprotze; vielmehr besuchen viele, gerade aus der Generation 50+, Fitnessstudios heute vor allem, um dort Reha-Sport zu machen. Und Yoga-Räume, gerade auch kleinere, haben sich in den vergangenen 15 Jahren etliche etabliert, erklärt Morgenroth. „Die sollten als wohnungsnahes Angebot eigentlich allen zur Verfügung stehen“, sagt sie mit Blick gerade auf ältere Leute, die nicht mehr unbedingt Mitglied im Sportverein sind.

Von rund 60 Sportvereinen in Bad Homburg ist im derzeit noch gültigen Sportentwicklungsplan von 2008 die Rede; die Mitgliederzahl liegt seit 2019 konstant bei gut 34 000 mit einer kleinen Corona-Delle 2021, die aber wieder ausgeglichen wurde.

Diese Datenlage sei veraltet, sagt Süleyman Karaduman, neuer Leiter des städtischen Sportbüros. Viele Vereine seien auch gar nicht beim Landessportbund gelistet. Jetzt will die Stadt aktuelle Zahlen ergründen. Auch die Zahl der möglichen Nutzer stieg: „2008 gingen wir noch davon aus, dass wir 52 000 Einwohner bleiben“, sagt Morgenroth. „Heute sind wir schon rund 56 000.“

Die Ergebnisse für den neuen Sportentwicklungsplan sollen in etwa einem Jahr vorliegen - also dann, wenn auch die neue Albin-Göhring-Halle eröffnet werden soll. Ob die Analyse zur Planung weiterer Hallen führen könnte - dazu möchte die Stadtspitze derzeit überhaupt nichts sagen. Nicht direkt vor Einbringung des defizitären Haushalts.

Auch interessant

Kommentare