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Der Zugang zum Haus des Jugendrechts im Kaiserpalais erfolgt über den Hof.

Jugendrecht in Offenbach

Erstmals auch Richter vor Ort

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Offenbachs Haus des Jugendrechts hat den Betrieb aufgenommen.  Demnächst steht die offizielle Eröffnung an.

Das Haus des Jugendrechts in Offenbach hat Mitte Januar still und leise seinen Betrieb aufgenommen. Die offizielle Eröffnung soll möglichst noch in diesem Monat sein, vorausgesetzt, die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und Innenminister Peter Beuth (beide CDU) sowie Behördenvertreter finden einen gemeinsamen Termin. Um der Eröffnungsfeier nicht vorzugreifen, reagierten die Akteure vor Ort wie auch die Pressestelle des Ministeriums sehr zurückhaltend auf eine FR-Anfrage.

Das Haus des Jugendrechts in Offenbach ist die vierte derartige Einrichtung in Hessen nach Wiesbaden und Frankfurt (dort gibt es zwei Häuser). Angesiedelt ist das Offenbacher Haus im Kaiserpalais, dem Goldpfeil-Gebäude der ehemaligen Lederwarenfabrik an der Kaiserstraße 39.

Das Offenbacher Modell unterscheidet sich in zwei wichtigen Punkten von den anderen Einrichtungen. Zum einen werden im Gegensatz zu Frankfurt und Wiesbaden erstmals auch Jugendrichter mit eigenem Büro vor Ort tätig sein. Der Vorteil der behördenübergreifenden Zusammenarbeit von Justiz, Staatsanwaltschaft, Polizei, Jugendgerichtshilfe und Diakonie liegt auf der Hand: Es soll zeitnah und passgenau auf die Verfehlungen der jungen Straftäter reagiert und die Jugendgerichtsverfahren sollen weiter beschleunigt werden. Es wird mit monatlich 100 bis 200 Verfahren gerechnet.

Offenbachs Amtsgerichtspräsident Stefan Mohr sagte, der Vorteil des Modells sei eine Erweiterung der Grundidee der „kurzen Wege“ zwischen allen Beteiligten im Jugendstrafverfahren. Nach seinen Worten ist eine schnelle Reaktion wichtig, um Jugendlichen zu zeigen, dass es einen direkten Bezug zwischen Fehlverhalten und Bestrafung gebe.

Das zweite Merkmal, das Offenbach von den anderen Städten unterscheidet, sind die zentrale Lage in der Innenstadt sowie die Nähe zum Bürgerbüro und anderen städtischen Ämtern, die im selben Komplex untergebracht sind. Der Standort soll helfen, eine Stigmatisierung der straffällig gewordenen Jugendlichen zu vermeiden, und zudem die Hemmschwelle senken, das Angebot wahrzunehmen. In Frankfurt befinden sich die Häuser des Jugendrechts im Mertonviertel im Norden der Stadt sowie im Stadtteil Höchst, in Wiesbaden ist es auf dem Gelände des Polizeipräsidiums untergebracht.

Nach FR-Informationen wurden im Kaiserpalais für das Haus des Jugendrechts 1900 Quadratmeter angemietet. Die Fläche ist so groß, weil die Polizei die Räumlichkeiten für weitere Zwecke nutzen möchte. Die Stadt zahlt im selben Komplex für das Bürgerbüro 10,50 Euro Miete je Quadratmeter.

Auf eine frühere FR-Anfrage hatte der Sprecher des Justizministeriums, René Brosius, mitgeteilt, dass die Staatsanwaltschaft im Haus des Jugendrechts 5,5 Stellen einrichten werde. Die Polizei sei mit rund 20 Beamten dort vertreten. Die Kosten für Ausstattung und Miete trägt das Land. Die halbe Stelle der Täter-Opfer-Vermittlungsstelle der Diakonie Darmstadt, die in geeigneten Fällen zur Beendigung der Verfahren angewendet werden soll, übernimmt die Stadt. Leiter der Anklagebehörde im Haus des Jugendrechts ist Oberstaatsanwalt Alexander Homm.

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