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Ganz schön leise ist der Brennstoffzellenbus, der am Dienstag auf dem Luisenplatz vorgestellt wurde.

Darmstadt

In Darmstadt fährt Hessens erster Wasserstoffbus

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Der Rhein-Main-Verkehrsverbund testet zwischen Darmstadt, Babenhausen und Groß-Umstadt die Brennstoffzellentechnik im Linienverkehr.  

Premiere in Hessen: Erstmals wird in Darmstadt und im Landkreis Darmstadt-Dieburg ein mit Wasserstoff betriebener Brennstoffzellenbus im regulären öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) eingesetzt. Frankfurt und Wiesbaden planen ab Sommer ebenfalls den Einsatz solcher Fahrzeuge. Der zwölf Meter lange Bus von Mercedes-Benz, der am Dienstag auf dem Darmstädter Luisenplatz präsentiert wurde, stammt aus dem Fuhrpark des Omnibusbetreibers Winzenhöler. Der setzt seit 2017 acht Brennstoffzellenbusse im Industriepark Frankfurt-Höchst ein.

Der sogenannte Wasserstoffbus soll ab sofort auf der Regionalbuslinie 671 zwischen Darmstadt und Babenhausen sowie auf der Expressbuslinie X71 zwischen Darmstadt und Groß-Umstadt-Wiebelsbach zum Einsatz kommen. Start- und Endpunkt ist der Darmstädter Hauptbahnhof. Darmstadts Umweltdezernentin Barbara Akdeniz und der Erste Kreisbeigeordnete Christel Fleischmann (beide Grüne) begrüßten das Projekt als wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung.

Die Strecke, die teilweise über die autobahnähnliche Bundesstraße 26 sowie über verschiedene Steigungen führe, sei bestens geeignet, um herauszufinden, ob Brennstoffzellenbusse den Anforderungen des Regionalverkehrs gewachsen sind, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. „Für die Fahrgäste ändert sich erst mal nichts, außer, dass der neue Bus viel leiser ist und eine ordentliche Beschleunigung hat.“ Dass die Zukunft des ÖPNV in der Elektromobilität liegt, daran hat Ringat keinen Zweifel. Die Frage sei, woher die Energie dafür stamme. Beim Brennstoffzellenbus wird Wasserstoff aus einem Tank auf dem Dach in elektrische Energie umgewandelt. Die Reichweite des Busses ist mit 440 Kilometern höher als der von batteriebetriebenen Elektrobussen. Ein weiterer Vorteil liegt laut Ringat darin, dass Wasserstoffbusse schneller aufgetankt werden könnten.

Während des Testbetriebs soll der Bus im Industriepark Höchst betankt werden; dort ist Wasserstoff ein chemisches Abfallprodukt. Die Firma Winzenhöler, die dem RMV den Bus für den Test zur Verfügung stellt, verfügt nach eigenen Angaben über die größte Flotte in Hessen. „Wir haben mit dem Einsatz von Brennstoffzellenbussen gute Erfahrungen gemacht“, sagte Unternehmenschef Christian Winzenhöler. Jetzt wolle man einen Beitrag leisten, um die Technik im anspruchsvollen Regionalbusverkehr zu erproben.

Kaum Angebote auf dem Markt

Der Einsatz von Brennstoffzellenbussen passt laut Ringat gut zur Gesamtstrategie Mobilität 2030, die der RMV vor einem halben Jahr beschlossen hat und die den Ausbau der Infrastruktur, der Digitalisierung und den vermehrten Einsatz klimaneutraler Fahrzeuge vorsieht. Zudem dürften aufgrund der EU-Richtlinie „Clean Vehicle“ (saubere Fahrzeuge) ab 2025 keine Dieselbusse neu angeschafft werden.

Doch selbst wenn sich der Bus im Test bewährt, gibt es einige Probleme, die den Einsatz in größerem Umfang erschweren: Kurzfristig bestünde keine Chance, alle Fahrzeuge zu ersetzen, da es kaum Angebote auf dem Markt gebe, sagte Winzenhöler. Auch Hamburg, das seit 2010 vier Brennstoffzellenbusse testete, musste trotz erfolgreichen Einsatzes jetzt zurückrudern: Hersteller Daimler konnte keine serienreifen Busse liefern, wie der Hamburger Verkehrsbetrieb Hochbahn mitteilte. Deswegen werde die Flotte auf batteriebetriebene Antriebe umgestellt.

Mit Anschaffungskosten von 620 000 Euro, doppelt so viel wie für einen Diesel, seien die Busse kaum finanzierbar, fügte Ringat hinzu. Der Bund zahle derzeit zwar 40 Prozent der Mehrkosten, „doch das ist zu wenig“. Man könne die Kosten nicht über die Fahrpreise finanzieren. Ein weiteres Problem seien fehlende Tankstellen; eine Anlieferung des Wasserstoffs über einen dieselbetriebenen Tanklaster ergebe wenig Sinn. Dennoch glaubt man beim RMV fest an Wasserstoff: In den nächsten Wochen soll der Zuschlag für die Umstellung von 27 Dieselzügen der Taunusbahn auf Brennstoffzellentechnik erfolgen.

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