Q-Sand

Die ersten Kritiker werden in Dietzenbach laut

  • schließen

Der geplante Quarzsandabbau auf einer 760.000 Quadratmeter großen Fläche im Osten von Dietzenbach stößt auf erste Einwände der Grünen und der Naturschützer.

Der Pachtvertragsentwurf mit der Stadt Dietzenbach ist noch nicht verhandelt, da treten schon die ersten Gegner des geplanten Quarzsand-Abbaus im Osten der Kreisstadt auf den Plan. Die Dietzenbacher Grünen, die NABU-Ortsgruppe und die Bürgermeisterkandidatin von AL/Grünen im benachbarten Rödermark üben Kritik an den Plänen der Firma Q-Sand, den sogenannten Eulerwald, ein Mischwaldgebiet, auf einer Fläche von 76 Hektar zu roden und dort bis zu 20 Meter tief nach Sand zu schürfen.

In einem Vogelschutzgebiet würde eine Fläche von mehr als 90 Fußballfeldern abgeholzt, ärgert sich NABU-Vorsitzender Ludwig Schneefeld. Geschützte Arten wie Ziegenmelker, Grauspecht, Schwarzspecht und Neuntöter würden ihre Brutplätze verlieren. Auch die riesige Laubfroschkolonie am Hofgut Patershausen, die jährlich durch den Kaupenwiesengraben wandert, sieht er bedroht. Der Graben liegt am Rand des geplanten Abbaugebiets.

Q-Sand sei extra für den Abbau als eine GmbH mit nur 25 000 Euro Haftung gegründet worden, sagt Schneefeld. Dahinter stehe die Omlor GmbH, die Bauschutt und Abbruchmassen entsorge und somit ein doppeltes Geschäft mache. „Wenn Q-Sand pleite geht, sitzt die Stadt auf den Nachfolgekosten“, so der Naturschützer. Er erinnert an die angrenzende Willersinn’sche Grube, eine ehemalige Kiesabbaugrube, die seit 1987 Naturschutzgebiet ist. Die Stadt schaffe es erst seit kurzem „mit Müh und Not“, dort den Aufwuchs zu beseitigen und Sträucher klein zu halten. „Die jetzt ins Auge gefasste Fläche ist achtmal größer. Wie kann die permanent klamme Stadt ihrer Verpflichtung nachkommen, dieses dann verfüllte und aufgeforstete Gebiet über Jahrzehnte zu pflegen?“, fragt er.

Das Verfüllen sieht Schneefeld sowieso kritisch. „Tausende Tonnen Schüttmaterial werden mit Lkw in den Wald gefahren. Wer weiß, was da drin ist?“ Es werde sicher nicht jede Wagenladung kontrolliert. Außerdem falle dann die Filterfunktion des Sandes weg, Regenwasser werde beim Versickern nicht mehr gesäubert.

Die Dietzenbacher Grünen schlagen in die gleiche Kerbe. Fragen zur Beeinträchtigung des Grundwassers seien in der Bauausschusssitzung, in der das Projekt vorgestellt wurde, ebenso vage beantwortet worden wie die Frage nach möglichen Lärmschutzmaßnahmen, erklären sie in einer Pressemitteilung. „Ob das vermeintliche Schatzkästlein hält, was es verspricht, ist fraglich“, sagt Andrea Wacker-Hempel. Aktuell erinnere es eher an die Büchse der Pandora.

Andrea Schülner, Bürgermeisterkandidatin der Rödermarker Grünen, fordert, die Pläne schnellstmöglich zu beerdigen. Sie rechnet beim Abbau mit jährlich mindestens 24 000 Schwerlast-Fahrten, und zwar „gerade mal rund 200 Meter angrenzend an die nördliche Stadtgrenze von Rödermark“. Hinzu kämen noch Laster, die für die Verfüllung eingesetzt werden müssten. „Und dies über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahrzehnten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare