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Erste Hilfe für verletzte Seelen

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Stephanie Limberg und die beiden „Sprung Chance“-Mitarbeiterinnen Carolin Stothut und Anna Lena Bohr (von rechts) haben für Heranwachsende in psychischen Krisen ein offenes Ohr. Koberg
Stephanie Limberg und die beiden „Sprung Chance“-Mitarbeiterinnen Carolin Stothut und Anna Lena Bohr (von rechts) haben für Heranwachsende in psychischen Krisen ein offenes Ohr. Koberg © Ulrike Koberg

Projekt „Sprung Chance“ hilft jungen Menschen mit psychischen Problemen

HOCHTAUNUS - Es ist eine traurige Tatsache: Immer mehr junge Leute leiden heute unter Depressionen und anderen psychischen Problemen. Viele haben das Gefühl, in einem Loch zu stecken, aus dem sie nicht mehr herauskommen. Familie und Freunde scheinen einen nicht mehr zu verstehen. Der Alltag ist kaum mehr zu bewältigen, Schule oder Ausbildung werden abgebrochen, selbst das morgendliche Aufstehen wird zu einem Problem.

Um jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 27 Jahren, die sich in einer solchen Krisensituation befinden, helfend und beratend zur Seite zu stehen, hat das Diakonische Werk Hochtaunus vor einiger Zeit das Projekt „Sprung Chance“ ins Leben gerufen. „Unser Ziel ist es, eine psychische Beeinträchtigung zu vermeiden beziehungsweise zu verhindern, dass sie sich manifestiert“, erläutert Stephanie Limberg, Leiterin des Diakonischen Werks Hochtaunus. Und so richtet sich das Angebot zum Einen an junge Menschen, die sich bereits in therapeutischer Behandlung befinden und im Anschluss an den Aufenthalt in einer psychiatrischen (Tages-) Klinik weiter betreut werden sollen.

Individuelle Betreuung durch Fachleute

Darüber hinaus steht es vor allem aber auch allen anderen jungen Menschen zur Verfügung, die sich selbst an diese Hilfestelle wenden, wenn sie Unterstützung bei psychischen Problemen oder anderen Notlagen benötigen. „Eine Überweisung oder eine ärztliche Diagnose ist nicht notwendig, um den Kontakt mit uns aufzunehmen“, betont Sozialpädagogin Anna Lena Bohr, die zusammen mit ihrer Kollegin Carolin Stothut die Arbeit der „Sprung Chance“ organisiert und betreut. Die Alterseingrenzung von 18 bis 27 Jahren hängt mit einer finanziellen Leistungsvereinbarung zwischen dem Jugendamt des Kreises und der Stadt zusammen. Hat ein betroffener junger Mensch den Entschluss gefasst, Hilfe zu suchen und den Kontakt zu dem „Sprung Chance“-Team aufgenommen, wird zunächst in einem ersten unverbindlichen und vertraulichen Gespräch gemeinsam der persönliche Hilfebedarf ermittelt. Im nächsten Schritt werden dann individuelle Unterstützungsmöglichkeiten entwickelt. Um sich ein genaues Bild machen zu können, führen die beiden „Sprung Chance“-Mitarbeiterinnen das Erstgespräch immer zu zweit, anschließend ist nur noch eine von ihnen für den jeweiligen Klienten zuständig.

Sich Hilfe zu suchen ist allerdings nur ein erster Schritt und bedeutet nicht, dass man dadurch auch automatisch gesund wird. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich junge Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen auch immer wieder von Hilfsangeboten zurückziehen und in alte Verhaltensmuster fallen. Um das möglichst zu verhindern, bleiben die Sozial- und Sonderpädagoginnen auch von sich aus mit ihren Klienten in Kontakt und versuchen, sie in diesen Notfällen immer wieder zu ermutigen und zu motivieren, erneut die Hilfsangebote von „Sprung Chance“ in Anspruch zu nehmen.

Neben der persönlichen Beratung gehört gleichermaßen die Unterstützung im Lebensalltag und den damit verbundenen Herausforderungen zu den Hilfsangeboten der „Sprung Chance“. „Durch Corona haben beispielsweise viele junge Erwachsene ihre Perspektive verloren. Sie haben ihren Abschluss gemacht und wussten nicht, wie es weitergeht“, erklärt Carolin Stothut. Andere seien wegen der sozialen Isolation erkrankt, die sie zum Beispiel in einem neuen Studienort erleben mussten, weil sie aufgrund der Corona-Situation nicht zur Universität gehen, keine neuen Freunde finden konnten und damit der komplette soziale Austausch gefehlt habe.

Für eine erste Kontaktaufnahme oder nähere Auskünfte stehen die beiden Mitarbeiterinnen von „Sprung Chance“ telefonisch und per Mail zur Verfügung: Anna Lena Bohr unter der Mobilnummer 0175 8 07 76 17, per E-Mail an anna-lena.bohr@diakonie-htk.de, und Carolin Stothut unter 0160 96 36 28 06, per E-Mail an carolin.stothut@diakonie-htk.de.

Menschen, die älter sind als 27 Jahre, können sich an die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle des Diakonischen Werks Hochtaunus wenden unter der Nummer 0 61 72 / 59 76 60.

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