A49

Ermittlungen gegen Polizisten nach Absturz einer Autobahn-Gegnerin

  • Peter Hanack
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Ein Beamter soll den Absturz einer 20-Jährigen im Dannenröder Forst verursacht haben. Die Frau liegt noch im Krankenhaus.

Nach dem Absturz einer 20 Jahre alten Frau im Dannenröder Forst ermittelt die Staatsanwaltschaft Gießen gegen einen Polizeibeamten wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Der Mann soll ein Sicherungsseil gekappt haben.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage bestätigte, hat der Mann sich selbst wegen des Vorfalls gemeldet. Er soll das Seil etwa 30 Meter entfernt von der Frau durchgeschnitten haben, ohne zu bemerken, dass es sich dabei um ein Sicherungsseil handelte. Die Frau war daraufhin aus etwa drei bis vier Metern Höhe von einem so genannten Tripod auf den Waldboden gestürzt und hatte sich schwer verletzt.

Wie der Sprecher weiter mitteilte, wurde die junge Frau zunächst auf der Intensivstation behandelt. Inzwischen habe sie diese verlassen können. Möglicherweise sollte sie noch am Montag befragt werden.

Zunächst hatte es geheißen, die Polizei habe nichts mit dem Unglück zu tun. Man habe sich gar nicht in der Nähe des Tripods, einem dreibeinigen Gestell aus Holz, befunden. Deshalb sei auch der Absturz nicht unmittelbar mit dem Polizeieinsatz in Verbindung gebracht worden.

Der Zusammenhang zwischen Seil und der 20-Jährigen sei nicht offensichtlich gewesen, das gekappte Seil sei mehrfach verschlungen gewesen. Es lägen keine Hinweise auf ein vorsätzliches Handeln vor. Beamte, die etwas näher an dem Tripod standen, waren der Frau zu Hilfe gekommen und hatten Rettungskräfte alarmiert. Der Bereich sei dann als möglicher Tatort abgesperrt worden.

Bereits vergangene Woche hatte sich ein junger Mann am Kopf verletzt, der beim Versuch abgestürzt war, eine Baumaschine zu erklimmen.

Die Linke-Fraktion im hessischen Landtag fordert einen sofortigen Stopp der Räumung des Dannenröder Forstes. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jan Schalauske sagte, von einem Polizeieinsatz dürfe keine Gefährdung von Menschen ausgehen. Man erwarte, dass die Vorfälle aufgeklärt würden.

Die durch einen Rodungsstopp entstehende Atempause könne von der Landesregierung genutzt werden, um sich auf Bundesebene für ein sofortiges Bau-Moratorium der Autobahn 49 einzusetzen, so Schalauske.

Nach den bisherigen Erkenntnissen habe der 40-jährige Beamte, der sich etwa 30 Meter von dem Tripod entfernt aufhielt, ein Seil auf Kopfhöhe entdeckt. „Dieses Seil war weder gekennzeichnet noch hatte es augenscheinlich eine erkennbare Verbindung mit dem besetzten Gebilde“, hieß es in der gemeinsamen Mitteilung von Staatsanwaltschaft und Polizei. „Nach jetzigem Erkenntnisstand bestand jedoch tatsächlich eine Verknüpfung zwischen dem Seil und dem Tripod.“ Aktivist:innen hatten am Sonntag mitgeteilt, dass alle Sicherheitsseile im Dannenröder Wald entsprechend markiert seien.

In den vergangenen Tagen seien mehrfach „Fallen“ etwa in Form von Nagelbrettern, Nageleimern, aber auch Drahtseilen in Kopfhöhe festgestellt worden seien. „Zur Verhinderung von solchen Risiken für sämtliche im Wald anwesenden Personen“ habe der Beamte am frühen Sonntagmorgen während eines Patrouillengangs das Seil durchtrennt.

Im Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis werden Bäume für den Weiterbau der A49 gerodet. Die Autobahn soll nach der Fertigstellung Kassel und Gießen direkter miteinander verbinden. Umwelt- und Klimaschützer:innen protestieren dagegen. Sie halten Teile des Waldes seit mehr als einem Jahr besetzt und haben dort zahlreiche Baumhäuser errichtet. Die Polizei hatte am Dienstag vergangener Woche damit begonnen, das Waldstück zu räumen. mit dpa

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