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Gesundheit

Ermittlungen gegen Kerckhoff Herzklinik

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Die Klinik soll Wartelisten manipuliert haben. Dazu soll sie Patienten kränker gemacht haben, als sie sind.

Wegen des Anfangsverdachts der Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Transplantationsgesetz in zwölf Fällen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Bad Nauheimer Kerckhoff-Klinik aufgenommen. Dort sollen Patienten mit Medikamenten kränker gemacht worden sein, damit sie auf der Warteliste für Herztransplantationen nach oben rücken. Der Vorwurf war am Donnerstag bekanntgeworden. Bisher werde gegen unbekannt ermittelt, sagte der Gießener Staatsanwalt Rouven Spieler. Die Prüfungs- und Überwachungskommission der Transplantationsmedizin habe routinemäßig Herztransplantationen zwischen 2013 und 2015 untersucht und sei auf zwölf Verdachtsfälle gestoßen. Daraufhin habe die Bundesärztekammer im vergangenen April Strafanzeige gestellt.

Kerckhoff-Klinik kooperiert

Nach Angaben Spielers wurden daraufhin umfangreiche Patientenakten beschlagnahmt. Anfang November habe die Kommission noch ausstehende Unterlagen eingereicht. Nun seien die Berichte vollständig. Am Freitag habe die Kerckhoff-Klinik ein 400 Seiten starkes externes Gutachten an die Staatsanwaltschaft Gießen übergeben. „Die Kerckhoff-Klinik kooperiert in diesem Sinne“, sagte Spieler.

Thomas Schwarz steht der Prüfungskommission vor, die gemeinsam mit der Überwachungskommission die Vorwürfe gegen die Kerckhoff-Klinik erhoben hat.

Bis auf zwei hätten alle geprüften Patienten ein neues Herz bekommen, sagte er. Die Frage sei nun, ob die Transplantation nur deshalb vorgenommen wurde, weil vorher die Werte manipuliert worden waren. „Ich kann aus unseren Aufzeichnungen keine Kausalität feststellen, dass Manipulationen unmittelbar zur Zuteilung eines Organs geführt hätten. Das ist allerdings nicht auszuschließen.“

Fehlerhafte Meldungen für die Transplantations-Warteliste gebe es immer mal wieder, sagte Schwarz. Das geschehe dann aber wegen Unverständnis oder Unachtsamkeit. Es gebe Fälle, in denen Patienten deswegen ein Organ zugeteilt bekämen. Allerdings seien das keine Fehler, die systemisch und mit Vorsatz gemacht würden. „Insoweit ist die Kerckhoff-Klinik seit dem Prüfungszeitraum die einzige der geprüften Transplantationszentren in Deutschland, die in dieser Art und Weise aufgefallen ist.“ Er gehe davon aus, dass sich die Situation inzwischen deutlich verbessert habe.

Die Kerckhoff-Klinik hatte die Vorwürfe zurückgewiesen: „Die Patienten wurden jederzeit auf höchstem medizinischen Niveau behandelt und es wurde kein Patient gefährdet“, sagte der Ärztliche Geschäftsführer Ardeschir Ghofrani. „Die Dokumentation der Behandlungen ließ allerdings missverständliche Interpretationen zu, die jedoch nicht der Realität entsprechen.“ Die Kerckhoff-Klinik ist nach eigenen Angaben das einzige Zentrum in Hessen für die Transplantation von Erwachsenenherzen.

In dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht der Prüfungs- und Überwachungskommission der Transplantationsmedizin heißt es, von 27 überprüften Patienten zwischen 2013 und 2015 hätten sich „in sämtlichen Prüfungen systematische Manipulationen ergeben“. Dabei seien die Dosierungen von Herzmedikamenten „ohne begründende medizinische Notwendigkeit kontinuierlich erhöht“ worden, allein um zum Zeitpunkt der geplanten Dringlichkeitsmeldung (High Urgency, HU) für Eurotransplant den dafür erforderlichen Schwellenwert zu erreichen. (mit epd)

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