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Hügellandschaft, der Dirt-Bike-Park an der Friedensstraße ist am Samstag offiziell fertig geworden.

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Flugmomente über Erdhügeln in Erlensee

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Der Dirt-Bike-Park wird nach zehn Jahren offiziell eröffnet. Nach Rückschlag und Neuanfang ist die von Jugendlichen gebaute Anlage nun perfekt.

Die Anlage ist extrem gut, richtig professionell gestaltet“, lautet das Urteil des 19-jährigen Luca, der seit drei Monaten in der Stadt wohnt und mit der Dirt-Bike-Arena gleich seine Sportstätte gefunden hat. Der neben ihm stehende Jason stimmt der Einschätzung zu. „Ich bin schon öfter gefahren. Hier werden Rampen für anspruchsvolle Fahrer und Anfänger geboten“, sagt der 15-Jährige Langenselbolder, der es auch toll findet, dass die anderen Parcoursnutzer bei einem Schaden am Spezialfahrrad beim Reparieren helfen. Das Projekt wurde vor zehn Jahren gestartet, seit 2011 besteht der „Dirt-Park“, doch erst am Samstag wurde er offiziell eröffnet. Der feierliche Akt der Freigabe sollte bereits 2013 sein. Daraus wurde nur eine notdürftige Eröffnung.

„Die ganze Fläche war nach starkem Regen ein See“, sagt Robin Pries, der zu den jugendlichen Machern der erste Stunde zählt und mittlerweile 26 Jahre alt ist. Ein Foto dokumentiert die schlammfarbene Wasserfläche. Alle Mulden waren voll gelaufen, die zum Teil mannshohen Erd-rampen standen wie Inseln hervor. „Danach haben wir alles plattgemacht und wieder aufgebaut“, sagt Pries. Eine besondere Herausforderung, denn die Jugendlichen sollten ihre Anlage auch weitgehend selbst bauen. Finanziert wurde das Projekt aus dem Bundesprogramm „Jugend bewegt Stadt“. Mit der Zusage konnten mehrere Jugendprojekte angegangen werden, die Dirt-Bike-Bahn wurde zum „Masterprojekt“, das ein beteiligter Jugendlicher in Berlin vorstellte, so Pries.

Der notdürftige Wiederaufbau lockte jedoch immer weniger Jugendliche. 2015 wurde quasi auf Neustart gedrückt, der erst schleppend anlief und dann – wie von einem Nachbrenner getrieben – beschleunigte. Marc Pauli, seinerzeit Leiter der städtischen Kinder- und Jugendarbeit, setzte 2016 die Manpower des Internationalen Workcamps mit Jugendlichen aus aller Welt auf den Dirt-Park an. „Das war der Startschuss für den Endspurt“, sagt Pries.

Eineinhalb Jahre betreute Pauli das Projekt, bei dem viele junge Leute mit Schippe und Kleinbagger viel Erde bewegten. Die Finanzierung erfolgte nun vor allem aus einem neuen Fördertopf, aus „Demokratie leben!“. Der Bürgerverein Soziales Erlensee begleitet das Vorhaben etwa in Sachen Förderung, in persona von Anita Losch, die im Verein für Projekte zuständig ist. Zudem hat jüngst die Turn- und Sportgemeinde die Dirt-Biker unter ihre Fittiche genommen. Unter diesem Dach besteht für die Nutzer etwa auch ein Versicherungsschutz.

Dirt-Park ist keineswegs nur eine Freizeitstätte

Der Dirt-Park sei keineswegs nur eine Freizeitstätte. „Der Bau, die Unterhaltung haben stark zur Entwicklung von Verantwortung und sozialer Kompetenz beigetragen“, sagt sie. Als Beispiel nennt Losch das Miteinander mit den Anwohnern. Es musste ein Lärm- und stellenweise ein Sichtschutz sowie eine einvernehmliche Regelung bei den Nutzungszeiten geschaffen werden. Außerdem ist ein Dirt-Park niemals fertig. Immer wieder müssen die Nutzer gemeinsam die „Lines“ instand halten oder, wenn einzelne Elemente langweilig geworden sind, neue bauen, sagt Losch.

Das hat den harten Kern aus gut einem halben Dutzend junger Leute mittlerweile zu erfahrenen Streckenbauern gemacht. Beraten und begutachtet wurde die Arbeit von Diddie Schneider, ein renommierten Streckendesigner. Der hatte nicht allein die sportive Herausforderungen der Lines, sondern ebenso die Sicherheit im Blick. Eine Tüv-Abnahme wie bei Spielplätzen ist bei einem Dirt-Park nicht möglich, sagt Pries. Es gebe keine Verordnung für eine solche Anlage.

Mit einer Benutzungsordnung wird versucht, Unfällen vorzubeugen. Helm auf dem Kopf ist Pflicht. „Wir empfehlen auch Protektoren, wo es nötig ist“, sagt Pries. Ohne Dirt-Bike darf nur auf der leichten „Line“ für Anfänger gefahren werden, die aus einigen fiesen Hubbeln besteht. „Auch nur, um mal den Sport auszuprobieren.“ Drei Schwierigkeitsstufen bietet der Park.

Dirt-Bikes haben sehr stabile, niedrig geschnittene Rahmen, um genug Freiheit für Tricks auf den Rampen zu lassen. Die sehr breiten Reifen geben zudem einen besseren Griff auf dem rutschigen Untergrund. Für die Könner gibt es vier bis sechs Meter hohe Starttürme, damit der Biker ordentlich Tempo für die hohen und steilen Rampen bekommt, denn nur in die Pedale zu treten würde nicht reichen.

Während der Öffnungszeit ist immer ein „Parkranger“ zugegen. Zurzeit wechseln sich hierbei vier Jugendliche ab. Die Verantwortung der Macher lobt denn auch Bürgermeister Stefan Erb (SPD) bei der Eröffnung am Samstag. „Es war damals eine richtige Entscheidung gewesen zu sagen: Lass‘ die Jugendlichen das mal machen.“

Der Dirt-Bike-Park liegt an der verlängerten Friedensstraße. Feste Öffnungszeit ist mittwochs von 15.30 Uhr an. Weitere Zeiten sind auf Instagram unter „DirtPark-Erlensee“ zu erfahren

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