Akten, die häufig nicht die Wahrheit erzählten.
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Akten, die häufig nicht die Wahrheit erzählten.

Nationalsozialismus

Erinnerungsstücke aus Hadamar gesucht

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Die Ausstellung in der hessischen Gedenkstätte zu den „Euthanasie“-Morden sammelt Objekte zur eigenen Geschichte. FR-Leserinnen und -Leser können Objekte beisteuern.

Die Gedenkstätte Hadamar sucht Fotos, Unterlagen und Gegenstände, die etwas über die Geschichte und das Gelände der Landesheil- und Tötungsanstalt erzählen, in der die Nationalsozialisten Tausende von Menschen ermordeten. Die Objekte sollen für die Neugestaltung der Gedenkstätte und ihrer Dauerausstellung genutzt werden.

„Wir interessieren uns für Tagebücher, Briefe, amtliche Schreiben und Stadtpläne“, erklärt Esther Abel, wissenschaftliche Dokumentarin der Gedenkstätte. Auch Einrichtungsgegenstände, Kleidung, Fotos und Postkarten seien von Interesse, ebenso wie Dokumente zu den Angestellten oder Patienten. „Auch die kleinen, vermeintlich unbedeutenden Dinge können wertvolle Zeugnisse der Vergangenheit sein“, sagt Abel. Gesucht würden auch Unterlagen und Gegenstände aus den psychiatrischen Einrichtungen, die in Hadamar nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnet wurden.

Mit solchen Schaubildern diskriminierten die Nazis Menschen.

Zur aktuellen Sammlung gehören eine Decke mit der Aufschrift „Heilanstalt Hadamar“, eine Wandtafel aus dem Jahr 1937 mit dem Titel „Ahnentafel eines Asozialen“ und ein Rollstuhl aus dem 19. Jahrhundert. Auch die Originalausgabe des Buchs „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ von Binding/Hoche aus dem Jahr 1920, das in einem Londoner Antiquariat erworben wurde, kann in Hadamar angesehen werden.

Besichtigt werden kann die Gedenkstätte aktuell nur von Einzelbesuchern nach vorheriger telefonischer Anmeldung unter 064 33 / 91 71 72. 


Führungen und Veranstaltungen finden zurzeit nicht statt.

Gedenkstätte Hadamar, Mönchberg 8, Hadamar. Mehr Informationen unter gedenkstaette-hadamar@lwv- hessen.de. pgh

Die Geschichte der Anstalt ist lang und wechselhaft. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden auf dem Mönchberg in Hadamar erstmals Menschen mit seelischen Erkrankungen behandelt. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude zum Reservelazarett der Wehrmacht. Ende 1940 wurde Hadamar dann zu einer Tötungsanstalt umgebaut und Teil der systematischen Erfassung und Ermordung von Patientinnen und Patienten von Heil- und Pflegeanstalten, den sogenannten Euthanasie-Morden.

Von Januar bis August 1941 wurden dort mehr als 10 000 Menschen in einer als Duschraum getarnten Gaskammer ermordet. Bis Kriegsende töteten die Nazis mindestens weitere 5000 Menschen, viele von diesen verhungerten. Noch 1945 wurde die Landesheilanstalt wiedereröffnet, seit 1983 gibt es die Gedenkstätte.

Die neue Dauerausstellung soll sich im Schwerpunkt mit der Geschichte der Tötungsanstalt Hadamar als zentrale „Euthanasie“-Mordstätte beschäftigen und besonders die Biografien der Ermordeten in den Mittelpunkt rücken.

Wer dazu etwas beisteuern möchte, kann sich schriftlich oder telefonisch an die Dokumentarin Esther Abel unter esther.abel@lwv-hessen.de oder an die wissenschaftliche Mitarbeiterin Laura Miete unter laura.miete@lwv-hessen.de wenden, Telefon 064 33 / 91 71 72.

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