1. Startseite
  2. Rhein-Main

Erika Steinbach hört 2017 auf

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Georg Leppert

Kommentare

Nach 27 Jahren im Deutschen Bundestag beendet Erika Steinbach 2017 ihre politische Karriere.
Nach 27 Jahren im Deutschen Bundestag beendet Erika Steinbach 2017 ihre politische Karriere. © dpa

In zwei Jahren ist Schluss: Die CDU-Politikerin Erika Steinbach will nicht erneut für den Bundestag kandidieren. Sie überrascht die Redaktion mit ihrer Entscheidung zum zweiten Mal innerhalb von kurzer Zeit.

Am Sonntag besuchte Erika Steinbach das Fest der Frankfurter Rundschau und gratulierte der Zeitung zu ihrem 70. Geburtstag. Damit hatte die Redaktion nicht unbedingt gerechnet. Denn die linksliberale FR und die stockkonservative CDU-Frau, die seit 1990 im Bundestag sitzt und 16 Jahre lang den Bund der Vertriebenen führte – das war nicht nur Liebe. Nun überrascht uns Steinbach schon wieder. 2017 wird sie aus dem Bundestag ausscheiden. Für eine weitere Amtszeit werde sie nicht mehr kandidieren, sagte die Politikerin.

In den vergangenen Jahren kümmerte sich Steinbach zwar eher um die Bundespolitik und erreichte mit grenzwertigen Tweets Aufmerksamkeit. Unter anderem spottete sie nach dem Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“, man dürfe ja wohl nur Katholiken kritisieren – alles andere sei lebensgefährlich.

Ohne ihre Erfahrungen in Frankfurt aber wäre sie nie in die Politik gegangen. So zumindest ergibt es sich aus ihrer Vita, die sie auf ihrer Homepage veröffentlicht hat. „Frankfurt am Main war Ende der sechziger Jahre nicht nur eine links regierte Stadt – in ihr tobte die Straßentyrannei der ,68er‘“, schreibt sie. Das konnte sie nicht dulden, zumal es sie zutiefst geärgert habe, wenn sie für den Heimweg von der Arbeit Stunden brauchte, wenn wegen einer Demonstration wieder einmal der „gesamte Straßenverkehr“ zusammengebrochen war. 1974 trat sie in die CDU ein.

13 Jahre – von 1977 bis 1990 – saß Steinbach in der Stadtverordnetenversammlung. Auch im Kreisverband engagierte sie sich, doch je länger die „Straßentyrannei der ,68er‘“ zurücklag, desto liberaler wurde die Frankfurter CDU. Vor allem in dem späteren Wissenschaftsminister Udo Corts hatte Steinbach einen mächtigen Gegenspieler. Schließlich setzte sich die Corts-Linie durch.

Am Ende stand sogar eine Koalition der CDU mit den Grünen, die es mit Erika Steinbach in verantwortlicher Position wohl kaum gegeben hätte. Dazu waren die Gräben zwischen ihr und einzelnen Grünen einfach zu tief. Der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour etwa nutzt seit Jahren jede Gelegenheit, Steinbach anzugreifen, weil er ihre Politik für integrationsfeindlich hält.

Als ihre wichtigsten Projekte im Bundestag nannte Steinbach den neuen Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung sowie die Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. „Das war mir eine Herzensangelegenheit“, betonte die 72-Jährige. mit dpa

Auch interessant

Kommentare