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Claus Helmer mit seiner Frau Christine Glasner (vorn) in "Monsieur Claude und seine Töchter".

Fritz-Rémond-Theater und Komödie

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Tratsch, Affären, aber auch Organspende, Rassismus und Homophobie: Die Stücke, die das Fritz-Rémond-Theater und die Komödie in Frankfurt in der neuen Saison zeigen, strapazieren Herz, Hirn und Lachmuskeln.

Manchmal, sagt Claus Helmer, „fühle ich mich wie ein Psychiater des Volkes“. Die Menschen hätten Sorgen oder vielleicht etwas Trauriges erlebt – und gingen ins Theater, um sich abzulenken, dem tristen Trott zu entfliehen, mal wieder zu lachen. „Für mich ist es ein schönes Gefühl, ihnen wenigsten für zwei Stunden eine schöne Zeit zu bereiten.“ Der Theaterdirektor, Schauspieler und Regisseur, sitzt in seinem Büro am Schreibtisch und blättert in den Programm-Broschüren seiner beiden Bühnen. Sieben Stücke, davon eine Wiederaufnahme, haben es für die kommende Saison auf den Spielplan des Fritz-Rémond-Theaters geschafft, plus Gastspiel eines Clown-Duos.

In der Komödie stehen erst drei Stücke fest, da habe er sich noch etwas Freiheit für die Gestaltung lassen wollen, sagt Helmer, der selbst in einigen Inszenierungen mitspielt oder Regie führt.

Seit 1972 ist der 74-Jährige Direktor der Komödie in der Neuen Mainzer Straße unweit des Frankfurter Schauspiels und der Oper, 1995 übernahm er auch die Leitung des Fritz-Rémond-Theaters im Zoogesellschaftshaus und rettete das damals hoch verschuldete Haus vor der Schließung. Während die Komödie ein klassisches Boulevardtheater und der Name quasi Programm ist, zeigt das Fritz-Rémond-Theater neben Lustigem und Leichtem immer auch mal Ernsthaftes und Nachdenkliches. Und das mit Wirkung. Das Angebot der zwei Spielstätten werde rege genutzt, wohingegen andernorts gerade die kleinen Stadttheater zu knapsen hätten.

In der vergangenen Saison 2017/18 kamen 72 130 Gäste in die Vorstellungen der Komödie, was einer Auslastung von 78 Prozent entspricht, 63 714 Zuschauer besuchten das Fritz-Rémond-Theater am Zoo (76 Prozent Auslastung). Beide Häuser verzeichnen damit eine leichte Steigerung im Vergleich zur Saison 2016/2017. Außerdem: „Von vielen Städten werden wir darum beneidet“, sagt Helmer, „dass wir so viel junges Publikum haben“.

Ob jung oder alt: Auch 2018/2019 wird für jede Generation etwas Passendes dabei sein auf den Spielplänen.

Im Fritz-Rémond-Theater übernimmt den Saisonauftakt die Komödie „Tratsch im Treppenhaus“ von Jens Exler. Sie feiert am 6. September Premiere, Heidi Mahler spielt darin die Rolle der Klatschbase Meta Boldt, die tagein, tagaus ihre Nachbarn ausspioniert und mit allerlei Gerüchten und Halbwahrheiten für Unfrieden unter den Hausbewohnern sorgt.

Das zweite Stück im Zootheater ist eine Wiederaufnahme. „Wegen des großen Erfolgs“ wird der Londoner West-End-Hit „Chaos auf Schloss Haversham“ in der Regie von Helmer vom 18. Oktober bis 18. November erneut auf die Bühne gebracht.

Vom 22. November bis 31. Dezember stehen „Drei Männer im Schnee“ auf dem Plan. In der Familienkomödie von Erich Kästner schlüpft der steinreiche Unternehmer Tobler in die Rolle eines „Ottonormalbürgers mit dem knappen Geldbeutel“ und begibt sich mit seinem Diener Johann, der seinerseits einen Reederei-Millionär mimen soll, auf einen per Preisausschreiben gewonnen Winterurlaub.

Ein „sehr aktuelles Stück“, sagt Claus Helmer, ist die von Lutz Hübner und Sarah Nemitz stammende Komödie „Willkommen“, in der eine WG ein Zimmer an Flüchtlinge zwischenvermieten will. Während die Fotografin Sophie daraus gleich ein dokumentarisches Projekt machen will, hat Doro wenig Interesse an sozialen Experimenten. Der angehende Banker Benny hält die Idee an sich für gut, fürchtet aber den Lärm, und Anna, das WG-Nesthäkchen, ist schwanger. Premiere von „Willkommen“ ist am 4. Januar 2019.

Einem eher ernsten Thema, widmet sich das Stück „Die Niere“ von Stefan Vögel, das vom 14. Februar bis zum 24. März 2019 im Fritz-Rémond-Theater zu sehen ist. Obschon Komödie, geht es um Organspende und die Frage, was ein Mensch bereit ist, für einen anderen zu tun – und es geht im wahrsten Wortsinn an die Nieren. Aber auch ans Herz.

Ähnlich verhält es sich mit dem Stück „Zweifel“, nur, dass es in dem mit dem Pulitzer-Preis honorierten Drama von John Patrick Shanley nichts zu lachen gibt. „Zweifel“ spielt in einer kirchlichen Schule, in der die Leiterin Schwester Aloysius ein despotisches Regiment führt und nach Missbrauchs-Vorwürfen gegen den beliebten Lehrer Vater Flynn obsessiv nach Hinweisen sucht. Es ist ein Stück über Rassismus, den Missbrauch Schutzbefohlener, über Gleichberechtigung und Homophobie, über blindes Vertrauen und falsche Verdächtigungen. Aufgeführt wird es vom 28. März bis 5. Mai.

Die Termine vom 9. Mai bis 16. Juni 2019 widmet das Fritz-Rémond-Theater dem Komponisten Jacques Offenbach, dessen Geburtstag sich im nächsten Jahr zum 200. Mal jährt. Um das zu feiern, wird die musikalische Komödie „Geliebter Jacques... Offenbach, den kennen Sie doch“ auf die Bühne gebracht.

Musikalisch wird es auch zum Abschluss der Spielzeit 2018/2019 im Zoo, wenn die Musikkomiker Gogol und Mäx auf ihrer 25-Jahre-Jubiläumstour Station am Zoo machen. Vom 20. bis 23. Juni 2019 erheitern und verzaubern sie zum allerersten Mal in Frankfurt das Publikum mit Clownereien, Artistik und zwei Dutzend Instrumenten.

Die Komödie in der Stadtmitte startet am 8. September mit dem Stück „Fremde Verwandte“ von René Heinersdorff in die nächste Saison. Die Handlung dreht sich um sechs Menschen, die alle an einem Wendepunkt ihres Lebens stehen – und munter ins generationenübergreifende Beziehungschaos schlittern, bis irgendwann niemand mehr weiß, wer eigentlich Oma, Stiefmutter, Enkel oder Onkel ist.

Das zweite Stück ist eine Wiederaufnahme: Wegen der enormen Resonanz wird vom 1. November bis 2. Dezember erneut die Bühnenfassung der Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ nach dem gleichnamigen französischen Erfolgsfilm von Philippe de Chauveron und Guy Laurent gezeigt. Helmer selbst spielt den stockkonservativen und erzkatholischen Notar Claude, seine Frau Christine Glasner dessen Gattin Marie. Drei ihrer vier Töchter haben zu Papas Leidwesen nicht-christliche Männer geehelicht. Hoffnung keimt auf, als die jüngste Tochter endlich mit einem katholischen Franzosen um die Ecke kommt. Der allerdings ist schwarz.

Vor allem von Freundschaft handelt die Komödie „Das Blaue vom Himmel“ von Eric Assous. Bernard und Philippe sind beste Freunde - könnten unterschiedlicher aber kaum sein. Bernard ist gutaussehend, reich und intelligent, aber auch egoistisch, verlogen und untreu. Damit seine Frau nichts von der Geliebten erfährt, soll der nette, großzügige und ehrliche Philippe ihn decken. Wie das ausgeht, erfährt das Publikum vom 6. Dezember bis 20. Januar.

Claus Helmer lehnt sich entspannt im Schreibtischsessel zurück. „Ich lese jetzt im Urlaub ein paar Stücke und schau mal, was da noch kommt“, sagt er. Die nächste Spielzeit von Komödie und Fritz-Rémond-Theater kommt jedenfalls bestimmt. Nach der Sommerpause.

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