Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gefahren

Erhöhte Bruch- und Kippgefahr

  • Detlef Sundermann
    vonDetlef Sundermann
    schließen

Nassschnee und Dauerregen sorgen für Probleme in den Waldhöhenlagen des Vorspessarts. Wem im Wald ein Ast oder ein Baum auf den Kopf fällt, kann weder Forstamt noch Waldbesitzer zur Rechenschaft ziehen.

Buchen brechen mit einem trocken klingenden Knacks wie Glas, und dann rauscht zumeist ein schwerer Ast zu Boden. Mit einem oft sekundenlangen Knarzen und Knirschen kündigt hingegen etwa die Fichte abgängige Äste an. Noch vor gut einer Woche sorgten die großen Mengen nassen Schnees vor allem in den Höhenlagen des Vorspessarts für einem Märchenwinterwald und für Gefahr, die laut Forstamt nach dem Tauwetter immer noch besteht.

„Selbst wenn der Schnee schon lange weg ist, können noch Äste oder Kronen in den Wipfeln hängen und in den nächsten Tagen oder Wochen herunterfallen“, warnt Ralf Deckenbach, Revierförster im Bereich Linsengericht. Er und seine Waldarbeiter waren über Tage damit beschäftigt, die Verkehrssicherheit auf Wegen und Straßen wiederherzustellen. Der Gelnhäuser Stadtwald musste zeitweilig wegen Astbrüchen und umgekippter Bäume gesperrt werden, in Linsengericht ist dies teilweise erfolgt, berichtet Deckenbach. Das Entfernen von Bruchholz und umgefallenen Bäumen muss wegen möglicher Spannungen im Holz mit großer Vorsicht geschehen, heißt es. Zuletzt habe im Forst eine ähnliche Situation 2010 bestanden, damals waren die Schneemassen höher.

Die Besonderheit in diesem Winter sind die vorangegangenen Dürrejahre, die den Baumbestand geschwächt haben, heißt es. Manche hohe, alte Bäume haben nur noch einen wenige Meter großen Wurzelteller, weil viele Feinwurzeln etwa wegen der Trockenheit abgestorben sind. „Diese Bäume kippen bei Schneelast einfach um“, sagt Deckenbach. Hinzu komme, dass die Wurzeln anders als bei einem typischen Winter nicht in gefrorener Erde Halt finden können. Zusätzlich trage der vom langanhaltenden Regen tief aufgeweichte Waldboden zur Instabilität bei, auch ohne Last auf den Baumkronen.

Auf eigenes Risiko

Das Forstamt Hanau-Wolfgang, zu dem auch Deckenbachs Revier gehört, kümmert sich nicht bei besonderen Wetterlagen wie starkem Schneefall oder Sturm um die Verkehrssicherheit im Wald. Laut Forstamt seien erst jüngst die Beschäftigten in einem Lehrgang bei diesem Thema auf den neuesten Stand gebracht worden, auch hinsichtlich der Rechtslage, die ziemlich klar zu sein scheint.

Wem im Wald ein Ast oder ein Baum auf den Kopf fällt, kann offensichtlich weder Forstamt noch Waldbesitzer zur Rechenschaft ziehen. „Das Betreten des Waldes durch Waldbesucher geschieht immer auf eigene Gefahr“, heißt es aus dem Forstamt. Deckenbach hält wenig davon, dass man den Waldbesucher mit Schildern auf etwa auf plötzlich umfallende Bäume hinweist, wie es etwa auf bayerischer Seite bei Alzenau der Fall ist. „Solche Schilder weisen auf Gefahr hin, wo sie stehen und suggerieren eine scheinbare Sicherheit, wo sie nicht vorzufinden sind.“

In welchen Mengen Holz durch den Schneebruch zu Schaden gekommen ist, ist laut Deckenbach derzeit nicht schätzbar, weil manche Schäden in schwer zugänglichen Waldstücken liegen. Dass der Schnee und der viele Regen dem Wald helfen, steht hingegen außer Zweifel. Gleichwohl besagen die aktuellen Messwerte des Hessischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Geologie, dass die Grundwasserstände vielerorts im Kreis noch nicht das Normalniveau erreicht haben.

Bäume, die zuvor schon geschädigt waren, werden durch die Niederschläge nicht heilen, sagt Deckenbach. Allerdings könnten die vitalen Artgenossen nun genug Wasser speichern, um im Sommer mit ausreichender Harzproduktion Feindinsekten wie den Borkenkäfer Paroli zu bieten, denn den wird es auch 2021 genug geben. Das gegenwärtige Wetter juckt den Borkenkäfer nicht. „Auch die Käfer, die im Boden überwintern werden im Frühling putzmunter da sein“, sagt Deckenbach.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare