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Hoch zu Ross hieß es auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt zumindest für die jungen Besucher.

Weihnachtsmarkt Hanau

Erfolg mit langer Einkaufsnacht

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Die Beschicker des Weihnachtsmarktes in Hanau sind mit dem Umsatz zufrieden. An einer Verlängerung der Veranstaltung besteht kaum Interesse.

Den vierten Advent hat der Hanauer Weihnachtsmarkt knapp verpasst. Am Samstag floss aus den mehrere Liter fassenden Einkochern der letzte Glühwein, auf den Brätern wurden noch einmal flink Würstchen oder Buletten gewendet und Appetit anregend duftend den Kunden weitergereicht oder allerlei Dinge zum Advent und zum Weihnachtsfest verkauft. Gestern, am vierten Advent, wurden die Buden abgebaut, während am Sonntag etwa die Marktkollegen auf dem Weihnachtsmarkt in Aschaffenburg noch Umsatz machen konnten. Einige Hanauer hätten den Sonntag gerne noch mitgenommen, für die anderen steht hingegen fest: „Es reicht.“

„Nach vier Wochen ist genug. Wir müssen den Stand ja auch noch abbauen“, sagt Elke Döring. Sie steht in der Verkaufshütte der Erlenseer Imkerei Ullmann. Die Regale füllen Honig in allen erdenklichen Variationen und Nebenprodukte der Honiggewinnung von Kerzen bis Kosmetika. Mit dem Umsatz ist Döring zufrieden. Kerzen und Geschenkpäckchen mit allerlei Imkereiprodukten gingen in dieser Saison besonders gut, erzählt sie. Doch das Geschäft lebe von den Stammkunden, die zum Teil sogar den Weg aus Frankfurt oder Fulda auf sich nehmen. Nur das regnerische Wetter an manchen Tagen habe potenzielle Kunden von einem Besuch abgehalten.

Wolfgang Eisloh, der seit 2005 auf dem Hanauer Weihnachtsmarkt vor allem Popkorn in großer Geschmacksvielfalt und Schokoküsse verschiedener Sorten verkauft, hadert ebenfalls mit dem Wetter. Auch er habe regnerische Tage nach Marktschluss am Abend beim Abrechnen des Tagesumsatzes zu spüren bekommen. Unter dem Strich habe sich jedoch für ihn der Stand auf dem Marktplatz wieder gelohnt. So sieht es ebenfalls Alexander Hollenbach, der mit Suppenbrote und Glühwein das Publikum verköstigte. „Besonders die lange Einkaufsnacht am Samstag vor dem dritten Advent hatte für uns einen sehr positiven Effekt“, sagt er. Seine Verkaufsbude ist ein Familienprojekt, alle helfen, bereiten Speisen zu und verkaufen. Sein Wirtshaus in Karlstein hat Hollenbach über die vier Wochen während des Weihnachtsmarktes weitgehend geschlossen. So hält er es seit 18 Jahren.

Weihnachtsmarkt, das liegt bei Hollenbach Verwandtschaft ebenfalls im Blut – etwa bei seinem Bruder Heinrich. Er betreibt den Stand mit Advents- und Christbaumdekoration. „Seit 1984 betreibe ich den Stand, davor waren es meine Oma und meine Mutter“, erzählt er. Im Gegensatz zu früheren Zeit liegen heute seine Waren scharf in Konkurrenz zu Angeboten der Discounter und Baumärkte. „Ich habe rechtzeitig das Sortiment umgestellt, auf Spezielles, das anderswo nicht zu finden ist“, sagt Hollenbach. So bietet er mehr als zwei Dutzend gläserne Christbaumspitzen an. „Bei mir bekommen die Leute auch noch Ersatzteile beispielsweise für Lichterketten“, sagt er. Mehr als 40 verschiedene Ersatzbirnchen für die leuchten Baumgirlanden hält er auf Vorrat. „Bei den großen Lichterketten sind die Glühbirnchen wegen ihres warmen Farbtons immer noch sehr beliebt“, sagt Hollenbach, der in diesem Jahr mit dem Abschluss „ganz zufrieden“ ist. Die Frau an dem Stand mit Mützen und Hüten berichtet unterdessen „es geht“. Nicht nur das Wetter habe an einigen Tagen für weniger Marktbesucher gesorgt, auch die gelegentlich übertriebenen Kommentierungen zu meteorologische Prognosen, meint sie. „Bei minus ein Grad Celsius herrscht doch kein eisiges Wetter, wie einem das Radio erzählen will“, so die Frau, die ihren Namen nicht gedruckt sehen möchte. Sie hätte auch ein paar Markttage mehr mitgemacht. „Ein vierter Advent ohne Weihnachtsmarkt?“

Karl-Heinz Eberhardt, dessen Familienname nach eigenen Angaben seit rund 100 Jahren auf Hanauer Märkten bekannt ist, macht es nichts aus, wenn seine mit bis zu fünf Leuten besetzte „Wurst-Braterei“ am 22. Dezember letztmalig die Brater anheizen. „Ich finde einen frühen Anfang besser, gleich nach Totensonntag wie es diesmal gemacht worden ist“, sagt er. Wenn die Stadt sich dafür entscheidet, dann ist es klug, wenn sie die diesjährige Terminierung auch für die kommenden Jahre beibehält, gleich ob Heiligabend dicht am vierten Advent liegt oder nicht. „Ein ständiger Wechsel ist nicht gut. Ein festes Datum behalten die Leute einfach besser im Kopf.“ Eberhardt ist nicht nur mit dem Verkauf zufrieden, der „sehr gut gelaufen ist“, er lobt auch das vielschichtige Publikum und die Atmosphäre auf dem Weihnachtsmarkt. „Wir hatten zudem ein tolles Programm auf der Bühne. Das war besser als in Frankfurt“, sagt er ohne zu zögern mit einem Schmunzeln.

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