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Erdumrundung, letzter Stopp Egelsbach

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Von: Annette Schlegl

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Freude über das große Medieninteresse beim letzten Zwischenstopp in Egelsbach.
Zara Rutherford freute sich über das große Medieninteresse beim letzten Zwischenstopp in Egelsbach. © Peter Jülich

Die 19-jährige Rekordjägerin Zara Rutherford landet ihren Ultraleichtflieger trotz Regen und Wind sicher auf dem Flugplatz Egelsbach.

Das Medieninteresse ist groß, die Verspätung noch größer: Zwei Stunden später als angekündigt ist die 19-jährige Weltrekordjägerin Zara Rutherford am Mittwochnachmittag mit ihrem Ultraleichtflugzeug auf dem Flugplatz Egelsbach gelandet. Kurz vor Zielankunft hatte es zu regnen begonnen, Wind kam auf, die Landung sei deshalb etwas rumpelig gewesen, stellte sie vor zahlreichen Fernsehkameras fest. Es war der letzte Zwischenstopp ihrer Erdumrundung, die sie als jüngste Einzelfliegerin der Welt gewagt hat. Am Donnerstag kehrt sie ins belgische Kortrijk zurück, wo ihre Reise am 18. August 2021 begann. Ein Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde ist ihr dann sicher.

Ein Wasserbogen der Feuerwehr zu Ehren von Zara Rutherford

Der Empfang von Rutherford war gebührend: Zwei Cirrus-Kleinflugzeuge starteten vom Flugplatz Egelsbach, um sie ab Aschaffenburg in der Luft zu eskortieren. Von der Flugsicherung Langen tönte gleich danach ein „Well done!“ für ihre Flugleistung über den Funk sowie der Wunsch „Have a good landing“. Auf dem Flugfeld waren zwei Feuerwehrautos angerückt, die einen Wasserbogen spritzten, unter dem die junge Pilotin mit ihrem 650 Kilogramm „leichten“ Flugzeug nach der Landung durchrollte. Beim Ausstieg bekam sie auf der Tragfläche Blumen überreicht, im Hangar war eine Bühne mit Stehpult für sie errichtet worden.

Um 14.49 Uhr setzte die junge Pilotin mit ihrer Shark Aero auf der Landebahn in Egelsbach auf. Die Sicht sei bei ihrem Abflug in der Nähe von Prag (Tschechien) zu spät aufgeklart, entschuldigte sie ihre Verspätung vor laufenden Kameras.

Gegenwind und schlechte Sicht während des Flugs nach Egelsbach

Über Nürnberg musste sie auch noch eine Extrarunde drehen, weil zu viel Luftverkehr herrschte und sie deshalb nicht sofort eine Durchfluggenehmigung durch den Luftraum erhielt. Mit einem „Hallo! Schön, dass ich da sein darf“ entstieg sie im braunen Fliegeroverall mit weißem Käppi ihrem Flugzeug.

Zwei Stunden dauerte der Flug von Benesov südlich von Prag nach Egelsbach, den mehrere Journalisten per Flightradar auf dem Handy verfolgten. Die junge Pilotin sei mit ihrem Ultraleichtflugzeug mit 150 Knoten unterwegs – das sind etwa 270 Stundenkilometer –, habe aber Gegenwind von 35 Stundenkilometern, erklärte Roland Otto, Geschäftsführer der Motorflugschule Egelsbach. Außerdem sei die Sichtweite ein Problem; sie brauche „eine Mindestsichtweite von 1,5 Kilometern im unteren Luftraum“. Rutherford gelang es trotzdem, ihr „kleines Geschoss“, wie sich Otto ausdrückte, sicher aufzusetzen.

Mehrmals Verschiebung des Zwischenstopps in Egelsbach

Die belgisch-britische Pilotin hatte ihre Landung zweimal verschoben. Eigentlich hätte sie schon vor einer Woche den Flugplatz Egelsbach anfliegen sollen – nach Stationen in Saudi-Arabien, Ägypten und Griechenland. Dann verzögerte sich die Landung in Egelsbach aber wegen schlechten Wetters auf Sonntag – und musste wegen nebligem Wetter kurzfristig erneut abgesagt werden. Rutherford flog nämlich auf Sicht.

Am Sonntag war dann auf ihrer Internetseite zu lesen, dass es nach Zwischenstopps in Bulgarien, der Slowakei und Tschechien im Direktflug nach Belgien gehen, Egelsbach also nicht mehr angeflogen werden sollte. „Dann hat sie mitbekommen, dass wir hier einen Riesenaufriss gemacht haben“, sagte Nina Lamprecht, Sprecherin des Flugplatzes Egelsbach. Deshalb führte sie der letzte Zwischenstopp am Mittwoch doch noch ins Rhein-Main-Gebiet.

Rutherford hat bei Weltumrundung Botschaft für junge Frauen

Überhaupt war der Weltrekordversuch der 19-Jährigen von Verspätungen und Verschiebungen geprägt. Statt geplanter drei Monate brauchte sie fünf Monate für ihre Erdumrundung, mit der sie mehr Mädchen für Naturwissenschaften und Luftverkehr begeistern will. Sie wolle junge Frauen motivieren, ihren Traum zu leben und etwas Verrücktes zu machen, erklärte sie, gab aber im gleichen Atemzug zu, dass sie „so etwas nicht noch einmal machen würde“ – auch wenn sie von ihrem Flug über Island und ihrer Landung auf dem John F. Kennedy-Flughafen New York schwärmte. Stundenlang über Sibirien zu fliegen, fernab jedes Flughafens, habe sie aber Nerven gekostet. Nun freue sie sich auf daheim, ihre Eltern, die Katzen und „eine Woche schlafen“.

Ein Wasserbogen für die herausragende Leistung der jungen Pilotin.
Ein Wasserbogen für die herausragende Leistung der jungen Pilotin. © Peter Jülich
Anflug auf den Flughafen Egelsbach als letztem Zwischenstopp vor der Ankunft im heimischen Belgien.
Anflug auf den Flughafen Egelsbach als letztem Zwischenstopp vor der Ankunft im heimischen Belgien. © Peter Jülich
Das Ultraleichtflugzeug von Zara Rutherford ist klein und wiegt nur 650 Kilo.
Das Ultraleichtflugzeug von Zara Rutherford ist sehr klein und wiegt nur 650 Kilo. © Peter Jülich

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