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Im Stil des Künstlers Peter Roehr: Kinder kleben Collagen.

Aktivspielplatz "Merianplatz"

Erbsen im Mund

Im Nordend lernen Grundschüler, dass moderne Kunst nicht einfach nur komisch ist. Der Aktivspielplatz "Merianplatz" steht als Organisator hinter dem Ganzen. Von D. Backonja und M. Lüderwaldt

Von D. Backonja und M. Lüderwaldt

Kinderlachen erfüllt den Hinterhof der Burgstraße 11. Vor dem Caritas-Hort "Feuerwache" freuen sich die Kleinen über das sonnige Wetter. Sie spielen Ball oder fahren mit dem Einrad. Es ist aber nur eine kurze Pause - denn drinnen wird fleißig gearbeitet: Es ist Kinderkulturtag, organisiert hat ihn der Aktivspielplatz "Merianplatz". Es geht um moderne Kunst.

"Moderne Kunst erschließt sich nicht jedem", erklärt Noemi Barrawasser. Die Sozialpädagogin leitet seit fünf Jahren die Kinderkulturtage, und hat schon alles Mögliche mit den teilnehmenden Jungen und Mädchen gemacht: Film, Radio und Kunst. Dieses Mal hat sie einen besonders ambitionierten Leitsatz: "Auch kleine Kinder können die Prinzipien moderner Kunst verstehen und damit arbeiten." Zu diesem Zweck haben 13 Kinder aus dem Hort "Feuerwache" und der benachbarten Merianschule das Museum für Moderne Kunst besucht, um die Werke des bekannten Frankfurter Künstlers Peter Roehr zu bestaunen: "Die Bilder waren echt super", sagt der zehn Jahre alte Timm fasziniert. Das Prinzip von Roehrs Werken hat er schnell erfasst: " Viele kleine identische Bilder ergeben ein Großes, echt toll!" Nach dem einstündigen Museumsbesuch sollen die Kinder nun Roehrs Kunststil selbst erproben. Am Nachmittag quellen drei Räume des Hortes vor Arbeitsmaterial über.

Auf den Tischen findet sich kein freier Quadratzentimeter. Ausgeschnittene Werbung, Deckel von Getränkeflaschen, Tortenspitzen -alles ist dabei. Der Geruch von Klebstoff hängt in der Luft. Die Kinder sind konzentriert am Basteln. Mara schaut zwar etwas schüchtern drein, ist aber voll dabei: "Hat echt Spaß gemacht, ich will noch nicht nach Hause", sagt sie. Sie war schon mal beim Kinderkulturtag dabei: "Damals haben wir eine CD aufgenommen", erzählt sie. Die positive Erfahrung ließ keinen Zweifel an ihrer Entscheidung aufkommen, wieder mitzumachen.

Am Nachmittag kommen die Eltern, um ihre Kinder abzuholen und die Werke zu bestaunen. Die Tische im Erdgeschoss sind schnell mit allerlei Kunstwerken gefüllt. Weitere Stühle komplettieren neben vollgestellten Tischen die Ausstellungsfläche. Eine Mutter bestaunt eine Collage - sie enthält 16 Mal einen offenen Mund voller Erbsen, gekrönt mit dem Schriftzug "Woyzeck". Andere Kinder haben Bierdeckel, Streichhölzer und Korken auf Pappe geklebt. Peter Roehrs Stil hat ohne Zweifel Fans gefunden.

Nach diesem produktiven Tag dürfen die Kinder ihre Werke zur Erinnerung mit nach Hause nehmen. Projektleiterin Barrawasser ist sehr stolz und fotografiert jede Collage nochmal: " Damit machen wir später Flyer", sagt sie "als Werbung und Erinnerung". Sie freut sich offensichtlich auch auf den nächsten Kinderkulturtag. Der wird am 11. April stattfinden - passend zum Beginn der Luminale.

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