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In der Kritik: Kunstrasen.

Sportplätze

Entwarnung von Hessens Regierung: Kunstrasen bleibt vorerst

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Hessens Umweltministerin Puttrich beruhigt die Vereine. Doch eine teure Umrüstung könnte in einigen Jahren kommen. Die SPD macht Vorschläge, um Vereine und Kommunen zu entlasten.

Die hessische Landesregierung beruhigt die Sportvereine, die aufgrund von Plänen der Europäischen Union (EU) eine kurzfristige Schließung von Kunstrasenplätzen befürchten. Die Europäische Kommission habe mitgeteilt, „dass kein Verbot von Kunstrasenplätzen geplant sei und auch nicht an einem solchen Verbot gearbeitet werde“, antwortete Europaministerin Lucia Puttrich (CDU) auf eine Anfrage von FDP-Abgeordneten im Landtag.

Die EU prüft derzeit, wie die Menge an Mikroplastik verringert werden kann, das in die Umwelt gelangt. Dabei geht es auch um das Granulat, das auf Kunstrasenplätzen als Füllstoff verwendet wird. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte die zuständigen EU-Kommissare angeschrieben und gebeten, die Interessen des Sports zu berücksichtigen.

In Hessen gibt es nach Angaben der Landesregierung 440 Kunstrasenplätze. Für den Bau von weiteren 20 solcher Spielfelder sei eine Förderung beantragt worden. Bundesweit sind nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 5000 Sportplätze mit Kunstrasen in Betrieb.

Die Beläge dieser Plätze halten nach Einschätzung der Landesregierung zehn bis 15 Jahre lang, „in Abhängigkeit von deren Pflege und Wartung“, wie Puttrich hinzufügt. Im Juli hatte die Ministerin im FR-Interview „einen angemessenen Übergangszeitraum“ gefordert. Es bestehe aber Einigkeit darüber, „dass Mikroplastik durch andere Dinge ersetzt werden muss“. Das Granulat der älteren Plätze sei eine Quelle für Mikroplastik, das der Umwelt schade, fügte die ehemalige Umweltministerin Puttrich hinzu.

Der Landessportbund Hessen und der Hessische Fußball-Verband bekennen sich in einem gemeinsamen Papier zu einem „zeitgemäßen Umweltschutz“.

Der wesentliche Vorteil von Kunststoffrasenplätzen besteht nach ihrer Ansicht in der „sehr intensiven Nutzbarkeit“ der Flächen. „Im Gegensatz zu Rasen-und Tennenspielfeldern könnenKunststoffrasenspielfelder nahezu immer bespielt werden“, auch im Winter und bei Nässe. pit

Derzeit ist nach ihrer Ansicht nicht absehbar, welche Kunstrasenplätze von einem möglichen Verbot betroffen sein könnten. Es werde erst im nächsten Frühjahr mit einer abschließenden Stellungnahme der Europäischen Chemikalienagentur ECHA gerechnet. Insofern könne der Spielbetrieb derzeit unverändert weitergehen.

Am Donnerstag vertagte der Innenausschuss die Beratungen über einen Antrag der SPD. Sie will die Landesregierung dazu auffordern, „die notwendigen Finanzmittel bereitzustellen, um die den Kommunen und Sportvereinen bei der Umgestaltung von Sportanlagen entstehenden Kosten zu übernehmen“.

Zunächst aber solle die Regierung prüfen, „bei welchen Sportanlagen in Hessen Kunststoffgranulat verwendet wird und welche Möglichkeiten bestehen, diese auf unbedenkliche Materialien umzustellen“. Dabei sollten auch die Kosten aufgeschlüsselt werden.

Experten rechnen für den Neubau eines Kunstrasenplatzes mit Kosten zwischen 500 000 und 700 000 Euro. Günstiger könnte es werden, wenn bestehende Plätze mit einer anderen Füllung bestückt würden.

Im Landtag wird erwogen, das Thema bei einer Anhörung breiter zu erörtern. Ein entsprechender Beschluss wurde aber noch nicht gefasst.

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