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Überwiegend Citybahn-Befürworter nutzen das Angebot einer Informationsfahrt mit der Mainzelbahn.

Wiesbaden

Engagement für Wiesbadener Citybahn

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Das Bündnis Verkehrswende wirbt intensiv für die Citybahn. Und hat zu einer kostenlosen Info-Fahrt auf dem geplanten Kurs eingeladen.

Der Wiesbadener Schienentraum ist knapp 14 Kilometer lang. Mit Mainzer Hilfe schon rund 25 Kilometer, und wenn irgendwann Bad Schwalbach noch dazu kommt, 34 Kilometer. Trambahn statt Busverkehr, interkommunale Verbindung auf Gleisen mit Spurbreite 1000 Millimeter, um auf beiden Rhein-Seiten kompatibel zu sein. Mehr Fahrgast-Kapazität, weniger Lärm und umweltfreundlicher soll die Bahn natürlich auch sein.

Eine Citybahn-Projektgesellschaft soll den Traum befördern, das „Bündnis Verkehrswende Wiesbaden“ setzt sich massiv für seine Verwirklichung auf dem Boden der Landeshauptstadt ein. Zuletzt am Samstag mit einer kostenlosen Info-Fahrt auf dem geplanten Kurs. Auf der ersten Etappe mit Gelenkbus vom Hauptbahnhof Wiesbaden zum Nachbar-Hauptbahnhof Mainz, von dort mit der Mainzelbahn weiter zum Lerchenberg, um zu zeigen, wie schön Straßenbahnfahren sein kann.

Auf den ersten Kilometern einer möglichen Trassen-Variante formiert sich Widerstand. „Nein zur Citybahn! Bürgerentscheid jetzt!“ fordern die Anlieger, die in großen Bürgerhäusern an der Biebricher Allee wohnen. Auf großen professionell gedruckten Protestplakaten, die an Zäune und Mauern geheftet sind. Die Citybahn, so sieht es die aktuelle Planung vor, soll nicht auf der Strecke fahren, die Pendler zwischen den Landeshauptstädten mit der Buslinie 6 nach Mainz und zurück bringt. Einen Ausführungsplan gibt es aber noch nicht, auch Streckenvarianten sind weiter im Gespräch. Etwa um Wohngebiete Biebrichs besser anzubinden. Straßennamen zirkulieren, Breslauer Straße, Dyckerhoffstraße, Kasteler Straße. „Wir sind in der Vorplanung“, sagt Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne), „belastbare Aussagen“ zur Streckenführung erwartet er Anfang April, wenn Sondierungsgespräche mit dem Ortsbeirat Biebrich anstehen.

Die Einführung des schienengebundenen Nahverkehrs wie in alten Wiesbadener Tagen vor vielen Jahrzehnten ist seit einem Jahr im Auftrag der städtischen Gremien im Gespräch. Die schwarz-rot-grüne Koalition will den an den Grenzen der Leistungsfähigkeit angekommenen Busverkehr entlasten, die Schiene soll auf einer Achse zwischen der Hochschule RheinMain und Mainz zur Alternative werden. Und dort an das erfolgreiche Projekt Mainzelbahn andocken. Vier Jahre ist es geplant worden, zweieinhalb Jahre wurden gebaut, seit 2016 entlastet es den Busverkehr zwischen Hauptbahnhof, Universität und Lerchenberg. Für die 2,4 Kilometer zwischen Theodor-Heuss-Brücke und Mainzelbahn-Anknüpfpunkt wäre die Nachbarstadt zuständig.

Bei der Info-Fahrt sind weitgehend Pro-Citybahn-Menschen an Bord, den Skeptikern geht es eher um technische Details wie Spurbreite, Notwendigkeit von Oberleitungen, Barrierefreiheit, Lärmbelästigung, Breite des Fahrgastraumes und mögliche Baumfällungen für die Verwirklichung des Projekts. Müssen die Bäume in der Biebricher Allee weichen, wie es die dort wohnenden Menschen befürchten und schon anklagen? „Hier und da werden Bäume fallen müssen“, sagt Verkehrsdezernent Kowol vorsichtig. Die Prognose sei aber „sehr positv“, die Zahl der Bäume, die weichen müssten, „wohl sehr gering“. In der Biebricher Lindenallee etwa nur dort, wo Haltestellen eingerichtet werden sollen. Da würden 70 Meter am Stück gebraucht. Ohne Bäume.

„Man muss über ein modernes Verkehrssystem nachdenken und sich damit beschäftigen“, sagen die Schwestern Doris Müller-Hübel und Therese Müller, die „alles mitmachen, was der Information dient“. Beide haben ein Auto, fahren aber regelmäßig mit Jahresticket Bus und Bahn, weil sie vom öffentlichen Nahverkehr als Zukunftsoption überzeugt sind.

Und wenn es einen Bürgerentscheid gibt? „Natürlich Ja“, kommt die Antwort schnell und gleichzeitig. Interessierter Mitfahrer ist auch der Wiesbadener Jens Wieberneit, der sich als Umweltingenieur mit der „Mobilität von Morgen“ beschäftigt. Die geplante Citybahn ist für ihn eine „grundsätzlich gute Idee“.

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