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Solaranlagen sind ein Baustein, um die konventionelle Stromerzeugung zu ersetzen.

Umwelt

Energiewende geht voran

Der Strom kommt in einigen Kommunen vollständig aus erneuerbaren Quellen, doch die Wärme noch nicht.

Windräder am Horizont und Sonnenkollektoren auf dem Dorfgemeinschaftshaus – Kirchhain setzt bei der Energiewende auf den Mix. Das mittelhessische Städtchen hat es dadurch nach eigener Rechnung innerhalb weniger Jahre geschafft, den benötigten Strom komplett aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen. „Das ist nicht so schwer zu erreichen“, meint Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) – sofern man die Bürger mitnehme, Raum für Privatinitiativen schaffe und Fördermöglichkeiten nutze. Mittlerweile produzieren demnach auf städtischem Gebiet diverse Anlagen den Öko-Strom, insbesondere Windräder, aber auch Sonnenkollektoren oder Wasserkraftwerke.

Das Land Hessen will bis zum Jahr 2050 seinen Energiebedarf zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen gewinnen. Eine Etappe auf dem Weg dorthin: Bis 2019 soll im Stromsektor der Öko-Anteil 25 Prozent betragen. Ob das Ziel wie geplant erreicht worden ist, wird sich nach Angaben des Wirtschaftsministeriums voraussichtlich erst im Frühjahr sagen lassen, wenn alle Daten vorliegen. Vor einem Monat zeigte sich Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) zuversichtlich, dass Hessen dem Ziel „zumindest sehr nahe“ kommt.

Landesweit gehen Kommunen, Investoren und private Initiativen diverse Projekte an, um vor Ort die Energiewende umzusetzen. Windräder – gegen die allerdings häufig Naturschützer und Bürger Sturm laufen – spielen dabei eine wichtige Rolle. Hinzu kommen zahlreiche Photovoltaikanlagen, die Sonnenkraft nutzen, oder Biomassekraftwerke.

Solche Anlagen versorgen hier und dort bereits ganze Ortschaften, die sich dann gerne „Bioenergiedörfer“ nennen. Getragen, geplant und umgesetzt werden diese Vorhaben meist von engagierten Bürgern und Genossenschaften, zum Beispiel in Cölbe-Schönstadt (Kreis Marburg-Biedenkopf), Alsfeld-Lingelbach (Vogelsbergkreis) oder Willingshausen-Wasenberg (Schwalm-Eder-Kreis). Auch in Kirchhain wurden in mehreren Ortsteilen Genossenschaften ins Leben gerufen, um Nahwärme aus Biogasanlagen zu gewinnen.

Die Kommune unterstützt zudem sogenannte Bürgersonnenkraftwerke. Rathauschef Hausmann erklärt die Idee dahinter: Die Stadt stellt Dachflächen öffentlicher Gebäude wie Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshäuser zur Verfügung, auf denen Photovoltaikanlagen installiert werden. Bürger können dann Sonnenmodule kaufen oder mieten, um die Umsetzung kümmert sich ein Verein.

Das Projekt sei ein Erfolg, die Nachfrage größer als die zur Verfügung stehenden Dachflächen – auch dank des lokalen Bezugs und der Identifikation mit dem eigenen Wohnort. „Das ist etwas, wo wir die Bürger mitnehmen können“, meint Hausmann. Diese könnten so an der Energiewende im eigenen Stadtteil teilhaben und hätten einen direkten Nutzen davon. Die wichtigste Quelle zur Erzeugung von Öko-Strom sei aber die Windenergie. Für die Anlagen hat die Stadt ein eigenes Areal ausgewiesen.

Angesichts knapper Kassen kann Kirchhain nach den Worten von Bürgermeister Hausmann vielfach nur Rahmenbedingungen und Anreize für die Energiewende schaffen – so dass dann private Investoren oder Initiativen Projekte wie die „Bürgersonnenkraftwerke“ und Windparks umsetzen. Wichtig für die Kommune sei zudem, vorhandene Fördertöpfe zu nutzen. „Das Invest der Stadt Kirchhain ist immer sehr stark davon abhängig, welche Fördermittel es gibt.“

Jede Kommune gehe bei der Umstellung auf regenerative Energien ihren Weg, heißt es beim Hessischen Städtetag. Die Städte seien dabei, die Energiewende mit verschiedenen Maßnahmen mit voranzutreiben, sagt Jürgen Dieter, der Direktor des kommunalen Spitzenverbandes. „Da gibt es keine Abwehrhaltung.“ Die Position des Städtetages sei dabei: „Wir möchten die dezentrale Energieversorgung forcieren.“ Ein weiteres Anliegen sei, die Ansiedlung von erneuerbaren Energien zu erleichtern.

Es bleibt noch viel zu tun, das zeigt auch der Stand der Energiewende in Kirchhain: Zwar werden im Stadtgebiet rechnerisch 100 Prozent des Strombedarfs regenerativ erzeugt, doch bei der Wärmegewinnung sei man noch nicht so weit, berichtet Bürgermeister Hausmann. „Da ist, glaube ich, der Weg für die Kommunen noch relativ weit. Das Ziel ist noch lange nicht erreicht.“ (dpa)

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