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Skigebiete in Hessen: Energie sparen auf der Piste

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Noch grasen am Ettelsberg bei Willingen die Schafe, aber die Planungen für den Winter laufen längst. David Inderlied/dpa (3)
Noch grasen am Ettelsberg bei Willingen die Schafe, aber die Planungen für den Winter laufen längst. © David Inderlied/dpa

Hessens Skigebiete in Willingen und in der Rhön bereiten sich auf einen schwierigen Winter vor. Naturschützer kritisieren die Pistenbetreiber.

Willingen/Wasserkuppe - Langsamere Lifte, effizientere Beschneiung: In Hessens Skigebieten laufen die Planungen, wie angesichts der drohenden Energiekrise im Winter Energie eingespart werden kann. „Das wird ein wirtschaftlich schwieriger Winter“, sagt Jörg Wilke, Sprecher des größten hessischen Skigebiets in Willingen (Kreis Waldeck-Frankenberg). „Wir müssen sparen und noch effizienter werden.“

Die größten Energiefresser seien die bis zu 1500 Meter langen Seilbahnen. „Sie sind hinsichtlich effizienter Energienutzung und -einsparung schon gut aufgestellt“, sagt Wilke. Dennoch sieht er Einsparpotenzial – vor allem bei der Geschwindigkeit der Lifte. Die werde in diesem Winter gedrosselt. „Für die Kunden ist das kaum spürbar, aber für uns macht da eine geringe Anpassung relativ viel aus.“ Auch die Sitzheizungen stehen auf Wilkes Liste. Sie hätten in Nordhessen ohnehin eher nur einen Werbeeffekt. „Wir würden sie in diesem Winter nur anmachen, wenn es bitterkalt wird.“

Eine Schneekanone wartet auf ihren Einsatz im nächsten Winter. Die größten Energiefresser in Willingen sind aber die Seilbahnen.
Eine Schneekanone wartet auf ihren Einsatz im nächsten Winter. Die größten Energiefresser in Willingen sind aber die Seilbahnen. © David Inderlied/dpa

Skigebiete in Hessen: „Wir leben von Weihnachten bis März vom Wintersport“

Naturschützer kritisieren wegen des Energie- und Wasserverbrauchs auch immer wieder die Beschneiung der Pisten. In Willingen gibt es Wilke zufolge rund 120 Schneekanonen. Sie seien im Schnitt nicht mehr als 250 Stunden jährlich in Betrieb. „Die Grundbeschneiung der 65 beschneiten Pistenkilometer im gesamten Sauerland verbraucht so viel Energie wie ein mit 250 Personen besetztes Flugzeug auf dem Hin- und Rückflug von Frankfurt in die Karibik“, rechnet Wilke vor.

Das sei ein hoher Energieverbrauch in kurzer Zeit, den man aber in Relation zum Nutzen sehen müsse. „Bis zu 19 Millionen Menschen im Umland haben damit Wintersport vor der Tür“, betont er. Zudem werde für die Beschneiung überwiegend die Nachtzeit genutzt, wenn Strom gut verfügbar sei. Auf die Schneekanonen verzichten könne man nicht. In Willingen sei ein regelmäßiger Skibetrieb sonst nicht möglich. Und der sei nicht nur für die Seilbahnbetreiber wichtig, sondern für die ganze Region. „Wir leben von Weihnachten bis März vom Wintersport. Daran hängen viele Arbeitsplätze“, sagt Wilke.

Wirtschaftsfaktor Wintersport

Der Energiebedarf pro Gast an einem Skitag mit Seilbahn und Pistenpräparierung, aber ohne Anreise liegt nach Angaben des Verbands Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS) im Schnitt bei 16 Kilowattstunden. Das entspreche dem Energiebedarf eines Mittelklassewagens mit einem Durchschnittsverbrauch von sieben Litern für eine Strecke von 22 Kilometern.

Der VDS betont die wirtschaftliche Bedeutung der Seilbahnen. Sie leisteten besonders in strukturschwachen Gebieten einen unersetzlichen Beitrag für sichere und nachhaltige Arbeitsplätze. So schaffe beziehungsweise sichere ein Arbeitsplatz bei der Seilbahn insgesamt 5,1 Arbeitsplätze in der Region.

In Deutschland sind nach Angaben des VDS 187 Seilschwebebahnen, 20 Standseilbahnen, rund 1240 Schlepplifte und vier Zahnradbahnen in Betrieb. In Hessen laufen im Winter acht Seilschwebebahnen, fünf Standseilbahnen und 63 Schlepplifte. dpa

Skigebiete in Hessen brauchen immer öfter Schneekanonen

Auch auf der Wasserkuppe in der Rhön ist man auf die Beschneiung angewiesen. „Ohne künstlichen Schnee hätten wir in der vergangenen Saison 20 Tage Betrieb gehabt, mit waren über 90 Tage möglich“ sagt Jeremias Kümpel, Referent der Geschäftsführung der Wiegand Erlebnisberge GmbH.

Zwei stromsparende Schneekanonen und eine Teichkühlung habe man bereits angeschafft. Und auch sonst investiere man schon seit langem in Energieeffizienz, betont Kümpel. Die aktuellen Kostensteigerungen könnten damit aber nicht ausgeglichen werden. „Wir müssen deshalb in dieser Saison unsere Ticketpreise um zehn bis zwölf Prozent anheben.“ Das sei angesichts der Situation noch sehr moderat.

Im Sommer nutzen Mountainbiker mit ihren Rädern den Lift auf den Ettelsberg.
Im Sommer nutzen Mountainbiker mit ihren Rädern den Lift auf den Ettelsberg. © David Inderlied/dpa

Flutlichtfahren in Willingen hängt von Nachfrage und Beschneiung ab

In beiden Skigebieten soll das Angebot möglichst in vollem Umfang aufrecht erhalten werden. „Wenn wir einige Lifte oder Pisten schließen würden, hätte das enorme Wartezeiten für unsere Kunden zur Folge“, erklärt Kümpel. Ob das Nachtskifahren auf der Wasserkuppe wieder möglich sein wird, hänge von der weiteren Entwicklung ab. Auch in Willingen sei noch offen, ob das Flutlichtfahren im gleichen Umfang wie zuvor angeboten werden könne, sagt Wilke. „Wir machen das auch von der Nachfrage und der Beschneiung abhängig.“

Wie hart es die Skigebiete am Ende treffen wird, hänge ebenfalls von den weiteren Entwicklungen ab. „Der schlimmste Fall wäre, wenn der Strom für Freizeitaktivitäten abgestellt würde oder die Saison verspätet starten müsste“, sagt Kümpel. „Wir machen uns Gedanken und bereiten uns auf die Situation vor, hängen aber auch von politischen Entscheidungen ab, die wir einfach akzeptieren müssen.“

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