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Viele antike Stücke sind zu bewundern.
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Viele antike Stücke sind zu bewundern.

Senioren-Freizeitpark

Elvis und die Terracotta-Armee

Der erste Freizeitpark für Senioren setzt vor allem auf Nostalgie. Die Besucher können in „Graceland“ einem Elvis-Presley-Imitator lauschen, im Weihnachtscafé Kekse knabbern und mental nach China reisen.

Von Timo Lindemann

Nach dem Ritt durch mehrere Tausend Jahre Geschichte muss sich Dieter Bartsch erst einmal hinsetzen. „Ob man das hier gebraucht hätte, weiß ich nicht“, sagt der Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Borken in Nordhessen. Der 68-Jährige hat als einer der ersten den neuen – nach eigenen Angaben bundesweit ersten – sogenannten Senioren-Freizeitpark besucht, der an diesem Sonntag (3. August) in Borken eröffnet wird. Die Ausstellung sei allein wegen ihres Umfangs beeindruckend.

In der Tat: Die rund 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche – das ist fast so groß wie eineinhalb Fußballfelder – sind eher eine nostalgische und zum Teil wirre Zeitreise. „Man soll sich an seine Jugendzeit erinnern“, sagt Geschäftsführer und Initiator Richard Rode. Er hat die rund 20.000 Exponate in Jahrzehnten vor allem auf Flohmärkten zusammengesucht.

Unzählige Sammlerstücke

Zu jedem Thema gibt es unzählige Sammlerstücke. Los geht es im sogenannten Historischen Sportmuseum mit Medaillen, Urkunden und Zeitungsartikeln. Dann steht man plötzlich in einem Weihnachtscafé. „Das kommt überraschend und macht Spaß“, argumentiert Rode. Dort gebe es das ganze Jahr Weihnachtsgebäck. Der Erste und der Zweite Weltkrieg werden schnell abgehakt, auch wenn ungeöffnete Care-Pakete zu sehen sind. Es folgen die 60er, 70er und 80er Jahre mit dem Mord an US-Präsident John F. Kennedy und einer Hommage an die D-Mark.

Einen großen Teil nimmt die China-Ausstellung ein, hier stehen ein mehrere Meter hoher lachender Buddha, ein goldener Thron und 300 Kopien von Kriegern der Terracotta-Armee. „Die Senioren sagen: „Ich komme nicht mehr nach China. Toll, dass ich es mir hier anschauen kann“, sagt Rode. Als Unterhaltungsprogramm gib es unter anderem die Disco „Graceland“ mit Elvis-Presley-Imitator oder ein Oldie-Wunschkonzert. Draußen soll Boccia möglich sein. „Das war wie ein Kurzurlaub“, sagt Susanne Norwig von der Stadt Borken. Sie hofft auf neue Touristenströme. Auch der 78 Jahre alte Werner Fuhrmann ist begeistert. „Es ist kein Freizeitpark, aber man kann hier Freizeit verbringen. Das ist kein Kitsch, der hier steht.“ Er wolle mit seinem Enkel wiederkommen, erzählt er.

Kritik der ersten Besucher

Für Klaus Völker (65) bietet der Park dagegen zu wenig Aktivitäten. „Das ist viel zu museal“, sagt der ehemalige Vorsitzende der Kommission „Jugend und Freizeit und Alterssport“ der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Grundsätzlich sei es sinnvoll, Ältere zu berücksichtigen, „besser allerdings in Mehrgenerationen-Angeboten“. Das sieht auch der Sozialverband VdK so. „Angebote für Senioren sollten nach Möglichkeit kostenlos sein und einen generationenübergreifenden Aspekt haben“, fordert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher.

Völker betonte, er habe Sorge, dass die Senioren dort nur „passiv konsumieren“. Stattdessen sei aber ein Parkour mit Balance-Übungen oder einem Geschicklichkeitsspiel denkbar. Vergleichbar wäre dies mit Senioren-Spielplätzen, die es bundesweit schon an vielen Orten gibt. Mit einem Senioren-Spielplatz hat das Ganze aber bewusst wenig zu tun. „Hier gibt’s keinen Rummel, alles ist ruhig und gemütlich“, betont Rode. Ob das das ist, was Senioren wollen? Rode ist sicher. „Ich weiß das, denn ich bin selbst ein Senior“, sagt der 72-Jährige. (dpa)

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