Architekt Christian Möller (links) und Pächter Thomas Dröscher im Frühstücksraum der Villa Grunewald.
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Architekt Christian Möller (links) und Pächter Thomas Dröscher im Frühstücksraum der Villa Grunewald.

Bad Nauheim

Das Elvis-Presley-Hotel hat wieder geöffnet

  • Andreas Groth
    vonAndreas Groth
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In der Villa Grunewald in Bad Nauheim wohnte einst Elvis Presley während seiner Militärzeit. Das Gebäude aus der Gründerzeit ist aufwendig saniert worden. Seit August herrscht wieder Betrieb.

Das Haus an der Terrassenstraße in Bad Nauheim, vis-à-vis dem Kurpark, ist ein Hingucker. 1888 im Stil der Gründerzeit erbaut, ist die Fassade reich an Zierelementen. Gusseiserne Balkongeländer und 130 Jahre alte Eichenholzfenster sind im Original erhalten. Das Dach ist mit Naturschiefer gedeckt. Die Villa Grunewald ist seit langem ein Kulturdenkmal. Das hat sie jedoch nicht allein der repräsentativen Architektur zu verdanken, sondern vor allem ihrem berühmtesten Gast. Elvis Presley wohnte während seiner Militärzeit (im benachbarten Friedberg) fast vier Monate in der Villa. Gemeinsam mit Großmutter Minnie Mae, Vater Vernon, Sekretärin Elisabeth Stefaniak und den zwei Leibwächtern nahm der King of Rock’n’Roll die zweite Etage des Hotels in Beschlag.

Rund sechs Jahre stand das Gebäude leer, nachdem es schon von den 1920er Jahren bis 2007 als Hotel genutzt worden war. Seit August beherbergt es wieder ein Hotel. Thomas Dröscher heißt der neue Pächter. Der 50-jährige Hotelier arbeitete mehr als 20 Jahre als Direktor in großen Häusern, sein kleinstes hatte 120 Zimmer. „Sie sind so weit weg vom Gast in großen Hotels“, sagt der gebürtige Göttinger. Dröscher zog es in die Selbstständigkeit. Der Kontakt zu den Eigentümern der Villa Grunewald, den Bad Nauheimer Architekten Alfred Möller und Sohn Christian Möller, kam durch einen Verwandten von Dröschers Ehefrau zustande.

Die Möllers haben das Haus Ende 2014 von der inzwischen verstorbenen ehemaligen Eigentümerin gekauft. Zusammen mit ihrem Ehemann hatte diese das Hotel bis 2007 geführt. Über den Preis möchten die Architekten nicht reden. Nur so viel: Es sei kein Renditeobjekt, sagt Alfred Möller. Ein Jahr lang ließen die neuen Besitzer das Gebäude von Grund auf sanieren – innen wie außen. Die Fassade aus Muschelkalk, Putz und Holz wurde erneuert, das Dach erhielt moderne Gauben. Die gesamte Haustechnik ist neu – und vieles mehr.

Ihren Charme hat die Villa dadurch nicht verloren. Sobald man das Hotel betreten hat, sieht man, warum. Große Teile der ursprünglichen Einrichtung sind bis heute erhalten und mit Liebe zum Detail restauriert worden. Im Frühstücksraum lässt sich speisen wie zu Kaisers Zeiten. Die cremeweißen Tapeten mit goldenen Ornamenten sind ebenso Originale wie die Kronleuchter, die massiven, dunkelbraunen Buffetschränke und der Stuck an den hohen Decken. Auch der edle Parkettboden ist noch der erste. Er stammt aus einer Zeit, als das Rauchen noch gepflegt wurde. Hier und da hat er kleine Brandlöcher. „Wir haben das komplette Inventar übernommen“, sagt Alfred Möller. „Die Denkmalpflege hat zum Teil bis zu den Möbeln mitgesprochen.“

Elvis Presley zog im Oktober 1958 in der Villa Grunewald. Weil er berühmt war, blieb ihm das Kasernenbett in Friedberg erspart. Er schlief im Zimmer Nummer 10, bis er wegen Beschwerden anderer Hotelgäste über Lärm und diverse Streiche seiner Leibwächter eine andere Bleibe in der Wetterauer Kurstadt suchen musste. So sei überliefert, dass die Bodyguards Papier angezündet und es unter Zimmertüren hindurchgesteckt hätten, erzählt Alfred Möller. Während ihr Chef in den Ray Barracks in Friedberg seinen Dienst versah, sei ihnen langweilig gewesen.

Viele Jahre war das Zimmer nur für Führungen geöffnet. Seit die Villa Grunewald wieder ein Hotel ist, können Fans der Rock’n’Roll-Legende wieder in demselben Bett schlafen, in dem schon ihr Idol genächtigt hat. Sie können auf dem schwarzen Toilettensitz Platz nehmen, den Elvis eigens aus den USA einfliegen ließ. „Er mochte wohl die damals gängigen weißen Toilettensitze nicht, so wurde es mir übermittelt“, sagt Dröscher. Viel von der Originaleinrichtung des Zimmers ist geblieben. Dazu zählt ein Handtuchwärmer über der Badewanne. „Da fließt warmes Wasser durch“, erklärt der Hotelier.

Die Nummer 10 ist das teuerste der 16 Zimmer. 268 Euro kostet es pro Nacht. Trotzdem ist es bei den Gästen beliebt. „Das nächste Mal ist das Elvis-Zimmer Ende Januar frei“, sagt Dröscher. Andere Zimmer sind da erschwinglicher. Je nach Saison und Buchungszeitpunkt gibt es die Nacht schon für 67 Euro. Neun Zimmer haben zudem eine kleine Küchenzeile, um sich selbst zu verpflegen. Wer während des European Elvis Festivals, das jedes Jahr im August in Bad Nauheim stattfindet, in der Villa Grunewald unterkommen will, muss besonders früh dran sein. 2018 und 2019 sei man da schon ausgebucht, sagt Dröscher.

Er erinnert sich an das Festival in diesem Jahr. Täglich seien mehrere Hundert Menschen ins Hotel gekommen, um Fotos zu machen. Das grüne Sofa gleich neben dem Eingang, auf dem Elvis gerne Zeitung las, habe er abgesperrt; es würde dem Andrang wohl nicht standhalten. Auch den mit Wasser betriebenen, im Inneren mit Holz ausgekleideten Aufzug von 1912 können die Elvis-Jünger dann nur in Augenschein nehmen. Der TÜV hat es untersagt, ihn zu nutzen. Stattdessen befördert nun ein moderner Glasaufzug gleich nebenan die Besucher nach oben. „Wir haben ihn dennoch erhalten, um das Ambiente im Hotel zu unterstreichen“, sagt Christian Möller. Wie die Denkmalbehörde mitgeteilt habe, gebe es in Europa nur zwei Aufzüge dieser Art.

Priscilla Presley, die mit Elvis über sechs Jahre verheiratet war und ihren späteren Ehemann 1959 in Bad Nauheim kennenlernte, hat die Villa Grunewald im Oktober 2016 für eine Fernsehsendung besucht. Die Sanierung des Hauses war seinerzeit in vollem Gange. „Sie hat sich ins Gästebuch eingetragen“, erzählt Dröscher. Das nächste Mal, wenn sie wieder da sei, werde sie ein Zimmer in der Villa beziehen, soll sie versprochen haben.

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