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Eltern und Kinder haben Angst vor Vater des Hanauer Attentäters

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Von: Yağmur Ekim Çay, Christian Spindler

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Der Vater des Hanau-Attentäters verbreitet vor der Heinrich-Heine-Schule Angst und Schrecken.
Der Vater des Hanau-Attentäters verbreitet vor der Heinrich-Heine-Schule Angst und Schrecken. © Patrick Scheiber

Vater des Hanauer Attentäters taucht mit seinem Hund mehrfach vor Grundschule auf

Der Vater des Attentäters vom 19. Februar 2020 ist nach einem Zwischenfall an der Heinrich-Heine-Schule einmal mehr in den Schlagzeilen – und er verbreitet weiter Angst. Am Mittwoch eskalierte eine Situation mit Kindern, die Aufregung ist groß. Nach der neuesten Entwicklung will Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) juristisch erwirken, dass der Attentätervater Hans-Gerd R. Schul- und Kita-Gelände nicht betreten darf.

Am Mittwochmorgen, während der ersten Schulpause, stand R. mit seinem Schäferhund angeblich am Zaun der Grundschule und sprach Kinder an. Er soll sich ihnen genähert und ihnen gesagt haben, sie sollten seinen Hund streicheln. Nachdem eines der Kinder ihn als den Vater des Attentäters erkannte und ihn beleidigte, sei R. wütend geworden und habe den Kindern gedroht, dass er um 13.15 Uhr zum Unterrichtsschluss wiederkomme und dass dann etwas Böses passieren wird. „Wir sehen uns nach der Schule“, habe er gesagt. Danach wartete er am Kurt-Schumacher-Platz, in der Nähe der Schule, wie Aufnahmen belegen, die der Frankfurter Rundschau vorliegen.

Wie die Polizei am Donnerstag auf FR-Anfrage mitteilte, sei sie am Mittwoch darüber informiert worden, dass es gegen 9.50 Uhr am Außengelände einer Schule im Stadtteil Kesselstadt zwischen Schülern und einem 75-jährigen Mann eine verbale Auseinandersetzung gegeben haben soll. In diesem Zusammenhang werde nun gegen den 75-Jährigen wegen des Verdachts der Beleidigung und Bedrohung ermittelt. „Die abschließende Bewertung einer strafrechtlichen Relevanz obliegt der Staatsanwaltschaft Hanau“, hieß es von der Polizei.

„Wir leben in der Angst, dass er vorbeikommt und schießt“, sagt eine Mutter besorgt. Ihr Kind geht in die Grundschule im Hanauer Stadtteil Kesselstadt – eine Schule, die nur wenige Meter vom zweiten Tatort der Hanauer Anschlagserie entfernt ist. „Ich schicke mein Kind vorerst nicht mehr zur Schule. Mein Kind hat Angst. Ich habe Angst. Meine Nerven sind am Ende“, erzählt die Mutter weiter. Der Anschlag habe sie und ihr Kind traumatisiert. Seine Noten hätten sich verschlechtert, es habe Angst bekommen, in die Schule zu gehen. Und jetzt nehme er den Vorfall mit dem Vater sehr ernst und wolle gar nicht mehr zur Schule gehen. Auch andere Eltern berichten der FR am Mittwochabend, die ihre Kinder zunächst ebenfalls nicht in die Schule schicken wollen, weil sie sich Sorgen machen, dass „es nicht genügend Sicherheitsmaßnahmen gibt“.

„Warum setzen sie sich nicht für uns ein? Es sind ja Menschen gestorben, die genauso aussahen wie wir. Ich möchte nicht mehr mit meinen Kindern durch die Gegend spazieren. Ich habe Angst“, sagt ein Vater. Seit dem Anschlag mache er sich ständig Sorgen, weil der Vater in Kesselstadt frei herumlaufe. Er möchte umziehen, aber das sei nicht so einfach. „Wir schicken unsere Kinder vorerst nicht mehr in die Schule, es muss erst etwas geschehen. Er muss weggesperrt werden. Er ist eine tickende Zeitbombe“, so der Vater.

„Wer gibt uns die Garantie, dass nichts passieren wird?“, fragt eine andere Mutter besorgt. „Wenn man als Mutter oder Vater sein Kind zur Schule schickt, möchte man ein gutes Gewissen dabei haben. Das haben wir nicht.“ Die Kinder an der Heinrich-Heine-Schule stammen aus der ganzen Welt, und dass Hans-Gerd R. auch rechtsextreme Gedanken habe, sei jedem bekannt. Nun wollen sie als Eltern und Anwohner:innen in Kesselstadt gegen den Vater des Attentäters vorgehen, damit er sie dort nicht weiter belästigen kann. Das müsse man jetzt tun, denn „die Polizei sowie die Schulleitung tun da nicht so viel“.

Die Familien wurden bereits am Mittwochnachmittag per Nachricht kontaktiert, dass die Situation geklärt werden konnte und es keinen Grund zur Sorge gebe, hieß es von der Schulleiterin. „Bitte besprechen Sie das mit Ihren Kindern und helfen Sie dabei, dass keine weiteren Gerüchte entstehen“, schrieb sie an die Eltern. Auf die Anfrage der FR wollte sich die Schule nicht äußern.

Nach Angaben der Eltern war das nicht der erste Vorfall. Auch am Halloween-Abend habe der Mann nahe der Schule gewartet und den Kindern mit seinem Schäferhund Angst gemacht. Auch mehrere Jugendliche aus Kesselstadt berichten, dass er sie mit seinem Hund verfolgt und provozieren wollte. Zuletzt suchte Hans-Gerd R. die Mutter von Ferhat Unvar mehrfach zu Hause auf, der bei dem rassistischen Anschlag in Hanau erschossen wurde, und bedrohte sie. Nach FR-Informationen hat der Vater des Attentäters das Kontakt- und Annäherungsverbot gebrochen, aus der Familie Unvar folgte eine weitere Anzeige.

Auch die Initiative 19. Februar macht auf den Vorfall aufmerksam. „Es kann nicht sein, dass Polizei und Behörden warten, bis dieser Rassist, der in Kesselstadt mit einem Schäferhund unterwegs ist, unmittelbar gewalttätig wird“, so die Initiative. Der Vater solle Kesselstadt und Hanau verlassen, damit die Betroffenen des Anschlags und die Nachbarschaft zur Ruhe kommen können.

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