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Eltern aus Bulgarien und China lernen mit ihren Kindern die Kita der Caritas kennen.

Betreuung

Bad Homburg: Mit den Eltern in die Kita 

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Manche Kinder rutschen durch das System der öffentlichen Kinderbetreuung. Um sie zu erreichen, haben Stadt und Caritas nun eine „Willkommensgruppe“ eingerichtet.

Das neue Angebot richtet sich vor allem an Flüchtlingsfamilien, die aus ihren Heimatländern eine öffentliche Kinderbetreuung nicht kennen – aber nicht nur. Auch darüber hinaus gebe es in Bad Homburg immer noch Eltern, die ihre Sprösslinge nicht in einer Kita angemeldet haben, bedauert Sozialdezernentin Lucia Lewalter-Schoor (SPD). Und das, obwohl in der Kurstadt das Ganztagsangebot schon seit Jahren gebührenfrei ist.

Wie viele Kinder pro Jahrgang auf diese Weise „durchs System rutschen“, könne sie nicht genau beziffern, sagt die stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Jugend, Soziales und Wohnen im Rathaus, Sabine Junghahn. „Aber es sind oft diejenigen, die am meisten von einer Kita profitieren würden.“ Deshalb hat die Stadt nun gemeinsam mit der Caritas eine „Willkommensgruppe“ ins Leben gerufen, die den Übergang in die bestehenden Einrichtungen erleichtern soll. Dabei gehe es auch darum, den Eltern die Scheu davor zu nehmen, ihre Kinder fremden Menschen zur Betreuung zu überlassen.

Deshalb können die Eltern auf Wunsch einfach in die „Willkommensgruppe“ mitkommen. So wüssten die Kinder, Mama und Papa seien da, während sie gleichzeitig neue Beziehungen zu den anderen Kindern und den Erzieherinnen aufbauen könnten, erläutert Heike Werschnitzky, die Projektkoordinatorin des Caritas-Verbands.

 Die „Willkommensgruppe“richtet sich an Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, die in Bad Homburg leben und bislang noch nicht in einer Kindertagesstätte betreut werden.

Wegen der großen Nachfragehat die Caritas bereits zwei Gruppen eingerichtet, die sich an jeweils zwei Vormittagen (Dienstag und Donnerstag oder Mittwoch und Freitag) von 9 bis 12 Uhr in der Louisenstraße 31 treffen.

Interessentenkönnen sich bei Koordinatorin Heike Werschnitzky melden, Telefon 0151/50611015. twe

Um auf das Angebot aufmerksam zu machen, haben alle infrage kommenden Familien, deren Adressen bekannt waren, Einladungen in ihrer jeweiligen Muttersprache erhalten. Mit Erfolg. Es hätten sich inzwischen sogar zwei Familien gemeldet, die nur durch Mund-zu-Mund-Propaganda von der „Willkommensgruppe“ erfahren haben, sagt Werschnitzky.

Insgesamt tummeln sich bereits 17 Kinder aus acht Nationen in dem Raum an der Louisenstraße, den die Caritas dafür angemietet hat. Dabei sei man erst vor anderthalb Wochen dort eingezogen, sagt Caritas-Geschäftsführer Ludger Engelhardt-Zühlsdorff. Potenzial ist in dem Raum im ersten Stock für zwei Gruppen á 15 Kinder. Mittelfristig sei vorgesehen, auch eine U3-Gruppe anzubieten, kündigt die Einrichtungsleiterin Andrea Beutner an. Außerdem ist eine Kooperation mit der städtischen Kindertagesstätte Brandenburger Straße vereinbart. Dort werde man regelmäßig zu Besuchen vorbeischauen, sagt Beutner, etwa um zusammen zu frühstücken. Im Sommer soll es zudem eine gemeinsame Projektwoche geben.

Ziel sei aber, dass die Kinder aus der „Willkommensgruppe“ möglichst zeitnah in eine der vorhandenen Kindertagesstätten wechseln, betont Eugenie Riffel, die bei der Caritas den Bereich Kinder, Familien und soziale Hilfen leitet. „Dort gibt es mehr Möglichkeiten.“

Aber auch in der Louisenstraße werden die Kinder von einer ausgebildeten Erzieherin und mehreren studentischen Hilfskräften betreut. 150 000 Euro kostet die neue „Willkommensgruppe“ pro Jahr. Finanziert wird sie vor allem über das Programm „Brücken bauen in frühe Bildung“ des Bundesfamilienministeriums, die Stadt steuert rund zehn Prozent bei.

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