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Elke Cezanne verabschiedet sich nach 33 Jahren aus der Landespolitik.

Gut gebrüllt

Grüne Vermittlerin

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Ein wandelndes Lexikon der Landespolitik nimmt Abschied. Die Kolumne aus dem Landtag.

Es ist schon eine „schwierige und kräftezehrende Aufgabe“, Journalisten komplizierte Dinge zu verklickern und dafür ständig erreichbar zu sein. Das haben Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und sein Stellvertreter Tarek Al-Wazir (Grüne) völlig richtig festgestellt.

Künftig müssen sie auf die Unterstützung einer Frau verzichten, die das gut verstand – auch dank langer Erfahrung. Als Elke Cezanne die landespolitische Bühne betrat, hieß der Umweltminister Joschka Fischer – und Tarek Al-Wazir war gerade erst 15 Jahre alt. Lange her ist das.

Volker Bouffier war damals ein ehrgeiziger junger CDU-Landtagsabgeordneter, und als Grüne hätte sich Cezanne sicher nicht vorstellen können, dass sie einmal von diesem Bouffier in der Staatskanzlei verabschiedet werden würde. Aber so kommt es am Dienstag – und der grüne Minister Al-Wazir ist als Vizeregierungschef dabei. Cezanne, die stellvertretende Regierungssprecherin, verabschiedet sich mit 60 Jahren in den Ruhestand – oder genauer: in die Freistellungsphase vor dem Ruhestand.

33 Jahre lang hat die Grüne aus Mörfelden-Walldorf alle Wirren und Wendungen in Wiesbaden miterlebt und -erlitten. Erst eine rot-grüne Regierung, dann die Opposition, dann wieder Rot-Grün und wieder lange Jahre der Opposition. Cezanne war im Jahr 2008 dabei, als Rot-Grün mit Duldung der Linken greifbar nahe schien, bis vier SPD-Abgeordnete das Bündnis platzen ließen, bevor es begonnen hatte. Und schließlich folgte, nachdem Al-Wazir die „Ausschließeritis“ von Bündnisoptionen zur Krankheit erklärt hatte, mit Schwarz-Grün eine ganz neue Kombination.

Kinder, was waren das für Zeiten, als sie die aufmüpfigen Grünen in Wiesbaden unterstützte. Joschka Fischer, Priska Hinz, Iris Blaul, Rupert von Plottnitz, Daniela Wagner – das waren einige der Abgeordneten, die 1987 in der Grünen-Fraktion saßen. Cezanne begann dort als Pressereferentin, nachdem sie seit 1986 Erfahrungen im Ministerium des ersten grünen Umweltministers Joschka Fischer gesammelt hatte. Als die Grünen nach der Landtagswahl 1991 wieder in die Regierung einzogen, stieg Cezanne zur Pressesprecherin der Fraktion auf – und das blieb sie 23 Jahre lang.

Sie war aber nicht nur Sprecherin, sondern auch ein wandelndes Lexikon der Landespolitik. Wir Journalisten wussten das zu schätzen, ebenso wie ihre freundliche Art auch in politisch verbissenen Zeiten. Dabei werden die wenigsten Leserinnen und Leser Elke Cezanne kennen – sie hat sich nie selbst in die Öffentlichkeit gedrängt.

Als 2014 erstmals Schwarz-Grün zustande kam, war klar, dass die erfahrene Politikvermittlerin als Pendant zu den Schwarzen in die Staatskanzlei einziehen würde. Es ist üblich, dass die stellvertretende Regierungssprecherin vom kleineren Koalitionspartner gestellt wird – wenn sie auch in der Landespolitik, anders als in der Bundesregierung, nicht häufig nach außen in Erscheinung tritt. Das tun eher die Sprecher der Ministerien.

Einer von ihnen folgt dem Urgestein nun in die Staatskanzlei. Marco Kreuter, 40-jähriger ehemaliger Fernsehjournalist beim Hessischen Rundfunk, kommt aus dem Ministerium von Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Und als solcher weiß er nur zu gut, dass er es mit einer schwierigen und kräftezehrenden Aufgabe zu tun bekommt.

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