Vom Eiskeller zum Bibliotheksmobiliar

Die wechselhafte Geschichte des Affenstein-Turms mitten auf dem Campus Westend

Das kleine Türmchen steht in einer Baugrube auf dem neuen Campus Westend der Frankfurter Goethe-Uni. Dort, wo es steht, steht es schon seit fast 600 Jahren. Auch künftig bleibt der Turm an seinem Standort, obwohl sich die Umgebung erheblich wandelt. Denn das Türmchen, der so genannte Affenstein, wird nicht mehr an der frischen Luft stehen, sondern mitten in der Bibliothek des Instituts für Gesellschaftswissenschaft. Die wird zur Zeit um den alten Turm herum gebaut.

Vom spätgotischen Wehrturm zur Windmühle, dann zum Eiskeller einer Irrenanstalt und jetzt zum Bibliotheksmobiliar - die alten Gemäuer des Affenstein haben eine wechselhafte Geschichte hinter sich.

Dabei wussten die städtischen Archäologen erst gar nicht, was sie da im vergangenen Jahr unter einem kleinen Hügel auf dem neuen Campus gefunden hatten. "Wir haben bei einer Voruntersuchung einen kleinen Turm freigelegt, etwa sechs Meter im Durchmesser", sagte die Leiterin des Denkmalamts, Andrea Hampel, bei einem Vortrag auf Einladung der "Freunde Bockenheims".

Im Inneren des Turms fanden die Archäologen jede Menge altes Porzellan. Und überhaupt gab der Fund große Rätsel auf. Eine Untersuchung der Mauern ergab, dass im Laufe der Jahrhunderte mehrfach etwas an dem Turm verändert wurde - zuletzt im späten 19. Jahrhundert. Wie kann es sein, dass der Turm in Vergessenheit geraten ist? Fast ein Jahr lang haben die Archäologen der Stadt den Turm untersucht und in den Archiven gestöbert - bis sie das Rätsel endlich gelöst hatten.

Der Turm lag vor rund 600 Jahren an der Stadtgrenze und wurde als Warte genutzt. Weil die Stadt im Laufe der Jahre jedoch immer größer wurde und sich die Außengrenzen verschoben hatten, war der Turm als Warte bald nicht mehr zu gebrauchen. Also wurde er zum Teil ab- und umgebaut. Aus dem unnützen Wachturm wurde eine kleine Windmühle mit vier Flügeln. Wie lange diese in Betrieb war, können die Archäologen nicht sagen. Fest steht jedoch, dass schon wenige Jahre später in der Nähe eine größere Mühle gebaut worden ist, die fortan die Mühle im Affenstein ersetzte.

Lange muss das Gebäude danach ungenutzt gewesen sein, bis im späten 19. Jahrhundert auf dem Gelände eine Irrenanstalt gebaut wurde. "Damals gab es noch keine Kühlschränke, also wurde der Turm erneut umgebaut und fortan als Eiskeller genutzt", erklärt Hampel.

Nun wird die Geschichte des Türmchens fortgeschrieben - als das Schmuckstück einer Bibliothek. (prpk)

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