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Im Falkenhof auf dem Feldberg kommen Vogelfreunde auf ihre Kosten. Ein Großteil der Vögel sind Exoten. Sie teilen sich ihr Refugium mit einem geschuppten Verwandten ohne Gliedmaßen.

Ferien zu Hause

Falkenhof Feldberg: Einen Karakara auf dem Handschuh

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Seit 54 Jahren bietet der Falkenhof auf dem Feldberg faszinierende Begegnungen mit den Greifvögeln dieser Welt.

Zwei Kohlmeisen sind im Kasten, hilfsbedürftig. Abgegeben bei Falkner Christian Wick, soll das geflügelte Duo in der auf 881 Höhenmetern angesiedelten Auffangstation hochgepäppelt und schließlich wieder ausgewildert werden. Keine typische Klientel für den Inhaber des Feldberg-Falkenhofs.

Wer hier die Szenerie prägt, zeigt sich hinterm Eingangstor. Das Empfangskomitee trägt Namen wie „Sara“, „Heidi“ und „Lea“, „Bonnie“ und „Pablo“, bevölkert auf eindrucksvolle Weise die so genannte Flugdraht-Anlage: Wüsten- und Rotschwanzbussard, Lanner- , Ger- und Aplomadofalke. Seit 1965 lebt die älteste und höchstgelegene Greifvogelstation Hessens vom wilden und unzähmbaren Element.

Ein Lachender Hans sitzt auf einem Ast in einer Volliere.

Heute gehören knapp drei Dutzend Greife zum Bestand des mit Innen- und Außenvolieren bestückten Tierhofs. „Plus Dohlen, Eisvögel, Schlangen und Frettchen“, sagt Christian Wick, der vor zwei Jahren die Nachfolge von Burkhard Dinger angetreten und den Betrieb in neue Bahnen gelenkt hat. Nicht alleine, dass baulich aufgestockt wurde und bald eine Flugtribüne entstehen soll – auch die gefiederte Belegschaft erhält Zuwachs. Gerade eingetroffen sind zwei Rotmilane, es werden zudem Weißkopfseeadler und die „schwierig zu bekommenden“ Geier auf dem Gipfelplateau erwartet. „Alle aus Zuchtbeständen.“

Derzeit – bei täglicher Öffnung während der Sommersaison – wird die Entdeckerfreude bereits reichlich angestachelt: Neben einer Adler-Art präsentieren sich drei verschiedene Bussarde, vier Eulen-Variationen und fünf Falken-Familien. „98 Prozent sind Exoten“, so Wick, der mit Falknerin Ursula Zieten eine weitere Fachkraft an der Seite hat. Weil die Wissensvermittlung im Vordergrund der Falkenhof-Pädagogik steht, die Greifvögel in all ihren lebensweltlichen Facetten gezeigt werden sollen, bleibt es nicht bei den täglich angebotenen Vorträgen und Führungen.

Der Falkenhof    auf dem Großen Feldberg ist während der Sommersaison bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zwischen November und 31. März sind Besuche nur freitags, samstags und sonntags (10 bis 16 Uhr) möglich.

Die Flugvorführungen    mit ausgewählten Greifvögeln sind im Sommer täglich ab 14 Uhr zu erleben – jedoch nur bei passenden Wetterverhältnissen (kein Regen, nicht zu heiß).

Angeboten werden    auch Vorträge mit Führungen, der „Falkner-Tag“ und „Kindergeburtstag auf dem Falkenhof“. Voranmeldungen und Terminabsprachen sind erforderlich unter info@falkenhof-feldberg.de oder per Telefon (06174 / 7545).

Weitere Informationenunter www.falknerei-feldberg.de.

Bis zu einer dreiviertel Stunde können die – wetterabhängigen – jeweils ab 14 Uhr stattfindenden Flugvorführungen von Bussard, Falke oder Karakara dauern. Ein Schauspiel von besonderem Reiz, wenn sich ein stolzer Jäger vom Lederhandschuh des Falkners in die Lüfte verabschiedet, um nach geraumer Zeit wieder dort zu landen – „und belohnt wird“. Wer möchte daran zweifeln, dass ständiges Training vonnöten ist? Meister Wick – immerhin mit 27 Jahren der jüngste Falknerei-Eigner in deutschen Landen – will weitere seiner Raubvögel ausbilden – besonders die jüngeren „lassen sich besser konditionieren“.

Das, was in Meyers Konversations-Lexikon von 1889 als „kräftig gebaute Tiere mit großem Kopf, starkem, gekrümmtem Schnabel, stark bekrallten Sitzfüßen und langen, spitzen Flügeln“ charakterisiert wird, stößt auf Interesse auch internationaler Besucher. Da reicht die Bandbreite von Familien und Schulklassen über Motorradclubs bis zu Senioren- und Jugendgruppen. „Unser Terminkalender ist gut gefüllt“, sagt Christian Wick.

Pro Woche würden beispielsweise bis zu drei „Falkner-Tage“ durchgeführt. Teilnehmer können sich von 11 bis 17 Uhr in das umfassende Thema einarbeiten, am Ende sogar einen der Greife auf dem Handschuh „abtragen“. Patenschaften für einzelne Falkenhof-Bewohner dürfen gerne übernommen werden – „damit finanzieren wir unsere Aufzuchtstation“.

Es ist eine fremde, faszinierende Welt. Da brütet versteckt die Schnee-Eule „Hedwig“, während Königsrauhfußbussard „Maja“ in stiller Wachsamkeit verharrt. Eine im Terrarium geborgene Hornviper – „das giftigste Reptil Europas“ – ist Beispiel für die evolutionsgeschichtliche Verwandtschaft von Vögeln und Schlangen. Und aus dem südlichen Afrika stammt ein Winzling von 65 Gramm Körpergewicht: Mit seiner leuchtend weißen Brust, dem grau-schwarzen Federkleid ist der Halsband-Zwergfalke dennoch ein Prachtexemplar. Eine geballte Ladung an Individualisten. Nur der immerzu nervöse, blitzschnelle Habicht fehlt im flügelschwingenden Rund.

Ein Sinnbild all dessen, was hier seit langem geschieht, findet sich an einem Haken im abseitigen Winkel: Der Handschuh des Falkners, auf den nächsten Einsatz wartend, das dicke Rauleder von ungezählten Krallen zerschrammt und abgewetzt.

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