Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Von einem, der auszog

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
    schließen

Der junge Nils Kahnwald übernimmt im Schauspiel die Hauptrolle in "Roter Ritter Parzival"

Bevor er ankam, hielt er Frankfurt "für eine der hässlichsten Städte der Welt". Er lacht und guckt durch die Panoramascheibe raus aus der Kantine des Schauspiels. Über die Neue Mainzer schiebt sich ein Stau. "Anzüge, Kälte, die Hochhäuser", das fiel Nils Kahnwald damals zur Bankenstadt ein. Nun wohnt er seit August hier, "Nordend/Ecke Bornheim", und er ist "total positiv überrascht".

Zum Beispiel von den Mainufern, an denen er entlangläuft, um sich fit zu halten. Okay, "richtig Tanzen" war er noch nicht. Kennt kaum Clubs. Und er will unbedingt ins Städel.

Der 25-jährige kommt direkt von der Universität der Künste in Berlin, hat gerade sein Studium abgeschlossen, ist der jüngste Mann im Ensemble des Schauspiels Frankfurt. Vor fünf Jahren verließ er seine Heimatstadt Marburg. Seine erste Hauptrolle in Frankfurt, der Königssohn Parzival, lässt ihn "die eigene Kindheit reflektieren". Er fühlte sich "sehr geborgen" damals. Eine "Verkleidungskiste" taucht in seinen Erinnerungen auf, in denen der kleine Nils schon damals Hüte und Schals und andere Utensilien fand, mit denen sich trefflich spielen ließ.

"Ich war eine Maus"

Mit sechs Jahren stand er zum ersten Mal auf der Bühne, in einem Stück, das um zehn Mäuse und eine Katze kreiste: "Ich war eine Maus." Mit acht spielte er fürs Hessische Landestheater und er wusste als Schüler: "Das möchte ich unbedingt."

Parzival, der Königssohn, verlässt eines Tages seine Mutter Herzeloide und zieht in die Welt hinaus. Er lässt sein behütetes Leben hinter sich und beginnt die Suche nach dem Gral. Nils Kahnwald ging nach Berlin zum Studium, weg von der Kindertheatertruppe in Marburg. Er war 19 Jahre alt. Schon während des Studiums bekam er Gastrollen am Deutschen Theater in Berlin, wo Oliver Reese Dramaturg war. Heute ist Reese Schauspiel-Intendant in Frankfurt. Kahnwald ist seiner Einladung ins Ensemble gefolgt. "Oliver ist nicht jemand, der sich im Büro einschließt, von oben herab alles diktiert - er hat einen sehr direkten Kontakt zu seinen Schauspielern." Kahnwald hat sich ganz bewusst für das Theater entschieden, für ein festes Engagement und gegen gelegentliche Gastspiele: "Was nutzt es mir nach der Schauspielschule, wenn ich fünf Mal den Baum hinten rechts spiele?" Er hat die Welt des Films links liegen lassen. Ganz bewusst. Mit 15 Jahren hatte er vor der Kamera gestanden für die ARD in Frankfurt mit namhaften Kollegen wie Michael Fitz. "Es war ein Familienfilm, der hieß: ,Es muss Liebe sein´". Er muss lachen. Obwohl die Welt des Films ihn natürlich faszinierte. "Ich hatte mit 15 schon einen Fahrer."

Film ist "viel schnelllebiger" als das Theater. Kahnwald liebt es, sich auf der Bühne bei den Proben "langsam gemeinsam auf die Suche zu begeben". Das Schauspiel kündigt "Roter Ritter Parzival" als "Familienstück" an für Besucher ab acht Jahre. Der Schauspieler respektiert ein Kinder-Publikum: "Stücke, die Kinder nicht ernst nehmen, finde ich zum Kotzen - Kinder sind nicht dumm."

Eine Emanzipation

Auf der Suche nach dem Gral wird Parzival erwachsen, "es ist die Geschichte einer Emanzipation". Kahnwald ertappte sich kürzlich bei dem Gedanken, "was in zehn Jahren sein wird". Er hat sich überlegt: "Will ich mal Familie haben? Was ist, wenn ich keine habe?" Er kennt die alten Kollegen, "die abends lange in der Kantine sitzen und Angst haben, nach Hause zu gehen". Und dann schob Kahnwald diese Gedanken "schnell zur Seite geschoben". Das Leben, glaubt er, "ist nicht planbar". Er hofft, dass es in zehn Jahren "noch das subventionierte Theater in Deutschland gibt - und dass es nicht immer nur um Höher, Schneller, Weiter geht".

Roter Ritter Parzival, 14.11., 16 Uhr (Premiere), Schauspiel Frankfurt, Willy-Brandt-Platz, 069/1 34 0400, weitere Termine 15., 19., 22.,23., 29., 30.11. und im Dezember

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare