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Eine Schleife für mehr Solidarität

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Von: Anna Laura Müller

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Bei der Aktion „Schleife tragen, Danke sagen“ in Wiesbaden wird für mehr Rückendeckung für Einsatzkräfte geworben.
Bei der Aktion „Schleife tragen, Danke sagen“ in Wiesbaden wird für mehr Rückendeckung für Einsatzkräfte geworben. © Michael Schick

Es kommt vermehrt zu Angriffen auf Einsatzkräfte. Dazu gibt es nun eine Aktion vor dem und eine Debatte im Landtag.

In Wiesbaden, nur wenige Schritte vom Landtag entfernt, steht eine ganze Kolonne Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei. Die wurden jedoch nicht wegen einer Notlage alarmiert, sondern zu einer Solidaritätsaktion des Hessischen Innenministeriums geladen. Mit dem Verteilen von „Schutzschleifen“ soll Unterstützung für ihre Arbeit sichtbar werden. Zeitgleich bringt die CDU-Fraktion im Parlament eine Debatte zum Schutz der Einsatzkräfte ein.

„Ich persönlich habe noch nie Angriffe im Einsatz erlebt“, sagt eine 64-Jährige vom Roten Kreuz Wiesbaden, die bei der Aktion am Schlossplatz vor Ort ist. 47 Jahre sei sie schon im Rettungsdienst tätig. Eine gewisse Neugierde von Leuten, die an Einsatzorten vorbeikommen, sei „menschlich“, sagt sie. Die helfe, dass sie aufmerksam seien und dann auch wüssten, an wen sie sich wenden können, wenn sie Hilfe benötigen. Nur „aufdringlich“ sollten sie nicht werden. „Leute, die gaffen, gab es ja schon immer. Das Filmen mit Smartphones ist jetzt eben neu.“

Die Erfahrungen mit Übergriffen seien sowieso sehr individuell, schiebt ihre 25 Jahre alte Kollegin ein. Sie selbst hat noch keine Übergriffe erlebt und ist überzeugt, dass viel Deeskalationsarbeit vonseiten der Rettungskräfte geleistet werden könne. „In Ruhe mit den Leuten zu reden, kann schon viel bewirken.“

Schutzschleife

Blau, rot und weiß ist die Schleife, die es als Anstecknadel oder Aufkleber gibt. Sie gilt seit 2015 als Symbol für Solidarität mit Einsatzkräften der Polizei, von Feuerwehr und Rettungsdiensten in Hessen. 150 000 sind laut Landesregierung schon verteilt worden.

Bestellungen von Schutzschleifen sind möglich unter: www.schutzschleife.de. alm

Oliver Amelang aus dem Polizeirevier Frankfurt-Höchst berichtet vor allem von psychischen Angriffen im Dienst. Von Beleidigungen bis Morddrohung sei einiges schon dabei gewesen. Der 27-Jährige empfinde dies als sehr belastend. Er mache seinen Beruf ja, um Menschen zu helfen.

Norbert Fischer, Präsident des Landesfeuerwehrverbands, erzählt von einem Einsatz in Rüdesheim, bei dem die Kolleg:innen versucht hatten, eine Reanimation mit Sichtschutz zu verdecken, und dabei von Gaffern angegriffen wurden.

Unterdessen läuft im Landtag die Debatte weiter: „Wir dulden keine Gewalt, egal ob psychisch, verbal oder physisch“, stellt Alexander Bauer (CDU) klar. Die übrigen Fraktionen schlagen ähnliche Töne der Solidarität an. Nur Torsten Felstehausen (Linke) äußert sich auch sehr kritisch. Seine Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Einsatzkräfte, sondern gegen das hessische Polizeisystem. Dieses sei von Skandalen geprägt, deren Ursprung er auf der Führungsebene sieht. „Staatsminister Beuth muss den Laden endlich in den Griff bekommen“, so Felstehausen. Er fordert bessere Arbeitsbedingungen statt Schutzschleifen. Damit stößt er auf Widerstand: Eva Goldbach von den Grünen sieht im Beitrag der Linken eine Verrohung der Debatte, und Innenminister Peter Beuth (CDU) wirft ihnen eine „maximale Distanz zu Einsatzkräften“ vor. Was diese aber bräuchten, wäre vielmehr ein gesamtgesellschaftlicher Ausdruck der Solidarität.

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