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Eine Million Tonnen Abbruchmaterial

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Von: Annette Schlegl

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Gegen die Deponierung des Abbruchmaterials in Büttelborn gibt es massiven Widerstand.
Gegen die Deponierung des Abbruchmaterials in Büttelborn gibt es massiven Widerstand. © Renate Hoyer

Wir beantworten Fragen zum Rückbau des AKW und zur Freimessung von Abfällen.

Wann wurde das Atomkraftwerk Biblis stillgelegt?

2011 beschloss die Bundesregierung den Atomausstieg, im November 2015 begann die Entsorgung der Kernbrennstoffe aus dem Atomkraftwerk (AKW) Biblis. Am 1. Juni 2017 startete der Rückbau. 2019 war das Kraftwerk frei von Kernbrennstoffen – als zweites deutsches Atomkraftwerk nach Unterweser.

Wo sind die hochradioaktiven Kernbrennstäbe hingekommen?

In einer Halle auf dem AKW-Gelände, die der Bundes-Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) gehört, sind 108 gefüllte Castorbehälter eingelagert.

Wie viel Abbruchmaterial fällt beim Rückbau des AKW an?

Der Abbau passiert von innen nach außen. Die Abbruchmasse wird auf eine Million Tonnen geschätzt. 66 Prozent davon stammen aus dem Außenbereich und sind nie mit Radioaktivität in Berührung gekommen. Der Rest kommt aus dem Kontrollbereich und ist schwach- bis mittelradioaktiv.

Was passiert aktuell auf dem AKW-Gelände?

Im Block A des AKW Biblis ist eine Rückbaufabrik aufgebaut worden, in der nicht mehr benötigte Sicherheitssysteme, Behälter und Großkomponenten zerstückelt, zerlegt oder zerkleinert werden, gereinigt und dekontaminiert sowie radiologisch beprobt. Das Material wird in kleine Transportvollwandboxen, Kunststoff-Bigpacks oder Betonfässer gefüllt und wandert dann in eine Freimessanlage.

Was heißt freimessen?

Jedes Abbruchteil aus dem Kontrollbereich wird nach der Dekontamination final unter behördlicher Kontrolle auf Strahlung gemessen. Alles, was den gesetzlich definierten Grenzwert von jährlich zehn Mikrosievert pro Person nicht überschreitet, wird freigegeben.

Wohin wandert der Abraum und Abfall aus dem Kernkraftwerk?

Zu rund 90 Prozent handelt es sich beim Abbruchmaterial um Beton, Glas, Schrott oder Kunststoff. Für diese Abfälle gilt, was auch für Abfälle aus Privathaushalten gilt: Was recycelt werden kann, wird recycelt, der Rest wird ganz normal entsorgt. Für die Materialien aus dem Kontrollbereich gibt es zwei Wege: Nach uneingeschränkter Freigabe werden sie recycelt beziehungsweise konventionell entsorgt. Abfälle mit spezifischer Freigabe, die nach der Dekontaminierung noch eine minimale Strahlenbelastung von bis zu zehn Mikrosievert aufweisen, werden verbrannt oder deponiert.

Um welche radioaktiven Stoffe handelt es sich?

In erster Linie um Kobalt-60 mit einer Halbwertszeit von 5,27 Jahren sowie um Cäsium-137.

Was genau soll auf der Deponie Büttelborn abgeladen werden?

3200 Tonnen spezifisch freigemessener Bauschutt, der noch bis zu zehn Mikrosievert Radioaktivität aufweist.

Warum wird der minimal strahlende Bauschutt nicht auf dem AKW-Gelände gelagert?

200 Tonnen Bauschutt lagern derzeit auf sogenannten Pufferflächen auf dem AKW-Gelände. Für die Lagerung der gesamten Menge ist dort zu wenig Platz.

Wann ist das AKW Biblis abgebaut?

Die Anlage soll bis zum Jahr 2032 aus dem Atomgesetz entlassen sein. Dann stehen nur noch die Gebäudehüllen.

Zusammengestellt von Annette schlegl

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