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Ein Prosit auf den Papst: Bruder Alberto, Biker Yilmaz Cakici und Bruder Maurizio (v.l.) mit selbstgebrautem Klosterbier. Claudia Kabel

Auf Mission

Eine Harley aus Darmstadt-Dieburg für den Papst

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Der Schaafheimer Motorradclub „Jesus Biker“ will dem Heiligen Vater ein Motorrad schenken. In ihrer Hauskapelle haben sie jetzt den Segen für ihre Tour empfangen.

Jesus Christus ist ihr Präsident, der Heilige Geist ihr Roadcaptain und die Kutte ihr Bekenntnis und Gebet: Die „Jesus Biker International“, ein christlicher Motorradclub mit Sitz in Schaafheim (Kreis Darmstadt-Dieburg) feiern an diesem Samstag ihr fünfjähriges Bestehen. Doch ein ganz anderer Termin ist den etwa 40 Mitgliedern derzeit viel wichtiger: Sie werden Ende Juni auf eine Friedensfahrt nach Rom aufbrechen und Papst Franziskus eine Harley Davidson schenken. Die Maschine wird ein Unikat sein, gefertigt und gesponsert von Christoph Repp, dem Inhaber von Harley Davidson Würzburg Village.

Am 7. Juli wollen die Biker aus Südhessen auf dem Petersplatz vorfahren und die Maschine übergeben. Ob der Heilige Vater selbst darüber schon Bescheid weiß, kann Vize-Clubsprecher Thomas Stadler nicht sagen. Eine Zusage habe man noch nicht, aber „er sollte schon dabei sein“, sagt Stadler, denn geplant ist, dass der Papst die Maschine signiert. Danach soll sie über das Auktionshaus Sotheby’s für einen guten Zweck versteigert werden. 

Anlassen: Jesus Biker hört man schon von weitem. Claudia Kabel

Die Biker rechnen mit einem Erlös von bis zu 300 000 Euro, der für Waisenkinder in Uganda gespendet werden soll. In den Kreisen des Vatikans sei die geplante Aktion schon bekannt, sagt Stadler. Kein Wunder: Nicht nur in Motorradmagazinen und der Regionalpresse macht die geplante Aktion derzeit ihre Runde, auch christliche Medien wie das Kölner Dom-Radio oder das multimediale Kompetenzzentrum der Evangelische Kirche in Deutschland „evangelisch.de“ haben über die Mission der „Jesus Biker“ berichtet. „Vatican News“ schrieb kürzlich auf Facebook in einem Porträt über den Motorradclub: „Sie leben die Ökumene an der Basis wie kaum jemand sonst.“

50 Teilnehmer haben sich für die Tour bisher angemeldet, wie Clubmitglied Jürgen sagt. Unterwegs wollten sich noch andere Motorradfahrer anschließen. Jürgen ist für die Hotelreservierungen zuständig und wirbt, es seien noch Plätze frei. Jeder sei willkommen. Der „Peace Ride“ wird von einem Laster „Klosterbier“ begleitet. Das von der Franziskanischen Gemeinschaft von Betanien entwickelte Bier soll an den einzelnen Stationen der Reise verkauft werden und der Erlös an ein Waisenhaus in Brasilien gehen. Mönche des vor 35 Jahren in Italien gegründeten Ordens leben seit sechs im ehemaligen Kapuzinerkloster in Aschaffenburg, berichten Bruder Alberto und Bruder Maurizio, die kürzlich zur Bierprobe ins 15 Kilometer entfernte Schaafheim gereist sind.

Der „Peace Ride“startet am 29. Juni in Schaafheim und führt die Biker zuerst nach Würzburg, wo sie die Harley Davidson für den Papst abholen. Fahren wird sie der 23-jährige Tom Draxler. Ab hier können offiziell Mitfahrer dazustoßen. Es geht weiter über Altötting und von dort auf weitere Stationen in Österreich und Italien. Am 7. Juli nehmen die Biker um 10 Uhr an der Heiligen Messe im Petersdom und um 12 Uhr am Angelusgebet teil. Danach überreichen sie die Maschine.

Mitfahrermelden sich für eine Zimmerreservierung an bei Jürgen unter Telefon 0152 / 015 882 21.

Infos zur Tourunter www.peace-ride.eu. Über den Club informiert die Website http://s156604091.online.de/ Jesusbiker/index.html. cka

Startpunkt der Tour wird das Clubhaus am Ortsrand von Schaafheim sein. Dort haben die „Jesus Biker“ eine hauseigene Kapelle, in der sie vergangenen Dienstag den Segen für ihre Tour erbeten haben. Der Raum im Keller ist üppig hergerichtet mit Altar und vielen Heiligenbildern und -figuren. Die Kapelle werde häufig genutzt, sagt Clubgründer Thomas Draxler. Hier feiern Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Freikirchler und Christen ohne Kirchenzugehörigkeit gemeinsam Gottesdienst, halten Andachten ab und zelebrieren die Aufnahme neuer Mitglieder. Das Vater Unser sprechen sie dabei nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Aramäisch. Andere christliche Clubs seien meist freikirchlich ausgerichtet, sagt Draxler. Für Katholiken sei es da schwer heimisch zu werden. Draxlers Eltern, Heimatvertriebene aus dem Sudetenland, haben nach dem Krieg in Schaafheim die katholische Kirche mit aufgebaut. „Wir sind vom Bischof in Mainz beauftragt, dort Wort-Gottes-Feiern abzuhalten“, sagt Draxler, der beruflich Unternehmen in Gesundheit und Prävention berät und ein Bewegungssystem anbietet, bei dem Tugenden in Körperbewegung übersetzt werden.

Wichtig ist den „Jesus Bikern“, dass sie offen für alle sind. „Wir sind die einzige christliche Gruppe, in der alle Konfessionen gleichberechtigt sind“, schwärmt „Berti“. Er trägt wie die anderen die schwarze Lederkutte, auf deren Rückseite nicht der Clubname in großen weißen Lettern steht, sondern „Jesus Christus“. Darunter prangen das Konstantinische Kreuz und die Worte Weg, Wahrheit, Leben. Die vier Kardinaltugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung tragen die Rocker auf der rechten Brust. Viele haben eine eigene Bibel dabei. Doch darum, andere zu bekehren, gehe es nicht. „Sie betonen: „Wir sind einfach Christen, die gerne Motorradfahren.“

Für die Friedensfahrt hat Mitglied Stefan Stumpf einen Song geschrieben: „Peace Ride to Rome“. Vor sechs Wochen ist der Musiker wegen des Clubs von Kaiserslautern nach Schaafheim gezogen: „Hier Christ zu sein, ist viel einfacher“, sagt der 53-Jährige. Die meisten Mitglieder kommen aus der Gegend, einige aus Regensburg, Freiburg und Hockenheim. Ihre Altersspanne reicht von 23 bis 70.

Thomas Stadler und Stefan Stumpf zum Beispiel traten bei, nachdem der Club vor zwei Jahren für einen Krebskranken eine Tour zum Marbach-Stausee organisierte, weil dies sein letzter Wunsch gewesen sei. Hunderte Biker verschiedener Clubs nahmen daran Teil. „Bruno gab das so einen Auftrieb, dass er noch ein Jahr lebte“, erinnern sie sich. Daraufhin traten sie dem Club bei.

Ihr fünfjähriges Bestehenfeiern die „Jesus Biker“ mit einem Gottesdienst in der Osternacht, Samstag, 20. April, Katholische Kirche in 64850 Mosbach. Beginn 20.30 Uhr.   Die Jesus Bikerwerden gemeinsam mit anderen Clubs am Bikergottesdienst an Pfingstmontag, 10. Juni, auf der Burg Frankenstein in Mühltal teilnehmen.

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