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Ein Dreieicher Unternehmen hat eine Tracking-App entwickelt, die Infektionsketten nachvollziehen kann (Symbolbild).

Dreieich

Eine App aus Dreieich im Kampf gegen das Virus

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Ein Dreieicher Unternehmen hat eine Tracking-App entwickelt, die Infektionsketten anonymisiert nachvollziehen kann.

Ein Dreieicher Unternehmen hat zusammen mit Partnern eine Tracking-App entwickelt, die Bewegungsprofile ihrer Nutzer aufzeichnet und mit Bewegungsdaten anderer Nutzer abgleicht. Die Software ist kostenlos und kann im Kampf gegen Corona zum Einsatz kommen, weil damit Infektionsketten nachvollzogen werden können. Die Daten sind laut Firma anonymisiert.

Das Dreieicher Unternehmen Mainblau entwickelt normalerweise Lösungen für die Publishing-Industrie und bietet Schulungs-Software an. Die Firma kreierte die App schon vor knapp zwei Jahren, damit sich im Ausland Erkrankte in eine Videosprechstunde bei den Krankenkassen einwählen können und erfahren, wo der nächste Arzt ist, der Deutsch oder Englisch spricht. Sie hatte schon 270 000 Nutzer. Mainblau modifiziert diese App nun. Man habe zusammen mit Partnern verschiedene Einzellösungen aus anderen Projekten intelligent miteinander verbunden, sagt Geschäftsführer Florian Bläsing.

App zeichnet automatisch Bewegungsdaten auf

Die Nutzung der Corona-App sei „komplett selbstbestimmt“, sagt er. Die Anwendung ist einfach: Der User lädt sich im App- Store von Apple oder im Google- Play-Store die App herunter und trägt seinen Infektionsstatus ein. „Dieser Status kann jederzeit geändert werden, wenn der User beispielsweise merkt, dass er sich angesteckt hat“, sagt Bläsing.

Die App zeichnet automatisch die Bewegungsdaten auf und sendet diese anonymisiert einmal täglich an einen Server, der sie mit den Daten der anderen User abgleicht. War der Nutzer an einem Ort, an dem sich ein oder mehrere Corona-Infizierte mit der gleichen App auf dem Handy aufgehalten haben, erhält er am nächsten Tag einen Warnhinweis, sich untersuchen zu lassen und sich auf jeden Fall bis zur Klärung in Quarantäne zu begeben. Die kostenlose App bietet auch die Möglichkeit, sich mit einem Arzt zu einer Video Sprechstunde zu verbinden oder direkt den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 anzuwählen.

„Wir erschaffen keine Live-App, mit der man durch die Gegend läuft und in Echtzeit sieht, wer Corona-positiv getestet ist. Das ist aus unserer Sicht moralisch verwerflich“, sagt Bläsing. Deswegen hat er auch auf die Bluetooth-Technologie verzichtet, die in anderen Tracking-Apps zum Einsatz kommen soll. Bluetooth sei nicht komplett sicher und sei angreifbar, laufe auf vielen Handys aber dauerhaft.

Trackingdaten sind komplett anonymisiert

Die App von Mainblau beruht laut Bläsing auf den Tracking-Daten, die der Nutzer bei seiner Anmeldung im Apple-Store oder im Google-Play-Store sowieso freigibt. Mithilfe dieser Standard-GPS-Daten werde dann sein Bewegungsprofil aufgezeichnet – „ähnlich, wie wenn sich der Nutzer bei Google Maps anmeldet.“ Die Tracking-Daten der App seien jedoch komplett anonymisiert; ihnen sei nicht die Telefonnummer zugeordnet, sondern nur das Handy. „Wir wissen also nur, dass ein infiziertes Handy an einem bestimmten Ort war, wissen aber nicht, wem es gehört“, sagt Bläsing. Es sei „unmöglich“, die persönlichen Daten eines Users auszulesen.

Je mehr Bürger die App benutzen, desto effektiver werde sie, sagt der Mainblau-Geschäftsführer. „Wenn nur zehn Leute mitmachen, hilft das keinem.“ Wie die App heißen wird, ist aber noch nicht klar. Man müsse erst noch prüfen, ob Urheberrechte auf möglichen Namen liegen. Sie soll gleich nach Ostern in den App-Stores erhältlich sein.

Von Annette Schlegl

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