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Eine Baustelle zum Staunen

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An Schaubildern erklären Melanie Hampl (M.) und Sabine Heinz, was bisher auf der Sprudelhof-Baustelle passiert ist, links LBIH-Pressesprecher Alexander Hoffmann. von prosch © Hanna von Prosch

Mitzuerleben, Was sich im Bad Nauheimer Sprudelhof tut wünschen sich viele. Am Sonntag erfahren die ersten 80 Interessierten bei vier Baustellenführungen, wie komplex die Maßnahme ist. Vorab gab es eine Presseführung.

Festes Schuhwerk, Warnweste und Helm, einen Baustellenausweis und zwei Unterschriften, das ist Pflicht, bevor man die Baustelle betreten darf. Die zuständige Projektmanagerin des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH), Melanie Hampl, macht deutlich, dass die Anlage in ihrer Einmaligkeit sowohl Kultur- als auch Industriedenkmal sei, das behutsam behandelt werden müsse. In 110 Jahren sei manches verändert oder angepasst worden. Es gelte, entweder den ursprünglichen Zustand herzustellen oder unter Bewahrung der baulichen Gegebenheiten neu zu gestalten. „Das bedeutet eine tägliche Herausforderung und sehr enge Abstimmung mit der Denkmalpflege“, betont sie. Zunächst greifen vier Projektabschnitte ineinander: Die Sanierung von Badehaus 5 zur Nutzung durch die Pflegeakademie, Badehaus 2, Badehaus 7 und die Verwaltungsgebäude. Alles will abgestimmt sein, auch mit Therme und der Extramaßnahme Großer Sprudel - logistisch wie zeitlich. Dabei geht es um die koordinierte Anfahrt der Lastwagen zum Teil über Stahlplatten und extra befestigten Boden, um Materialzulieferung, das Ausheben der 16 historischen Solebehälter aus Badehaus 2, um die Lagerung des Baumaterials, aber auch um die sichere Aufbewahrung von Fenstern, Türen und anderen Gegenständen.

Allein 300 Tonnen belasteten Materials aus den Kellern durch die frühere Nutzung wurden abtransportiert. Das Entfernen von Asbest, Teer oder Radionuklid, das sich durch das Sprudelwasser an den Rohren abgelagert hat, wird Ende des Jahres abgeschlossen sein. Es geht aber auch um Rücksichtnahme auf die Mieter.

Für alle, die den Hecken nachtrauern, erklärt Frank Thielmann von der Stiftung Sprudelhof, dass der Denkmalschutz am Ende entscheiden werde, ob die Flächen denkmalpflegerisch wiederhergestellt oder so gestaltet werden, wie es Erbauer Wilhelm Jost geplant habe. „Wir haben alle Randsteine ausgegraben, nummeriert und katalogisiert, um sie exakt an der gleichen Stelle wieder einzubauen“, bestätigt Hampl.

Für Badehaus 5 ist Sabine Heinz Projektleiterin. Hier ist der Innenausbau im Gange. Der ehemalige Behälterraum wurde entkernt. Hinter der historischen Fassade entstehen Schulungsräume. Wände und Decken sind mit dicken Holzbalken abgestützt. Viele wurden verstärkt. In den Gängen liegen auf den Originalfliesen Holzplatten. Alte Versorgungsrohre mussten entwirrt und zugeordnet, neue verlegt werden. Der Altbau mit den Badezellen wurde räumlich dem Bedarf angepasst, aber komplett erhalten, sodass im Schmuckhof und im Foyer schöne Aufenthaltsräume entstehen. Die Fenster werden instand gesetzt und bekommen eine Vorverglasung.

Die Baugrube am Badehaus 2 ist gewaltig. Vier Behälter werden restauriert und vom Saunaraum als Industriedenkmal zu sehen sein. „Der Denkmalschutz spricht in jedem Detail mit. Je roter es hier auf dem Plan aussieht, desto wichtiger ist er. Aber unsere intensive Vorarbeit zahlt sich aus. Wir haben Wichtiges über den Umgang mit den alten Materialien erfahren, können viel schützen und haben wenig Verlust“, sagt die Projektmanagerin. Sie macht deutlich, dass pro Badehaus etwa 30 bis 60 Gewerke eingebunden sind. Die Bautafel am Parkdeck werde sich nach und nach mit Namen füllen.

Eine Baustelle, bei der man über Jahre nicht aus dem Staunen herauskommen wird. Immer, wenn es etwas Sehenswertes gibt, sollen Interessierte nun informiert werden, nicht zuletzt durch das aktualisierte Wissen der Gästeführer. Bildtafeln mit QR-Code auf dem Banner am Bauzaun Ludwigstraße, das in Kürze installiert werden soll, gibt es auch. Der Bauzaun im Park wird durch einen Schulwettbewerb gestaltet.

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