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Einbrecher sind oft Serientäter. Mit einer neuen Software will die Polizei ihnen jetzt besser auf die Schliche kommen.
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Einbrecher sind oft Serientäter. Mit einer neuen Software will die Polizei ihnen jetzt besser auf die Schliche kommen.

Rhein-Main

Dem Einbrecher zuvorkommen

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Die hessische Polizei setzt im Kampf gegen Einbrecher auf eine neue Prognose-Software. Betroffene Wohngebiete sollen besser geschützt werden.

Mit einer neuen Prognosesoftware will die hessische Polizei künftig Serieneinbrechern das Handwerk legen. Das Programm weist Wohnungseinbrüche in der jüngeren Vergangenheit auf und soll helfen zu erkennen, wo Einbrecherbanden oder Serientäter demnächst zuschlagen könnten. Die bisherigen Erfahrungen mit der Software „KLB-operativ“ seien vielversprechend, sagte der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) bei der Präsentation des Programms in Wiesbaden. KLB ist die Abkürzung für Kriminalitätslagebild.

Der Präsentation war eine mehrjährige Entwicklungsphase vorausgegangen. Als Vorreiter für präventive Polizeiarbeit mit einer Prognosesoftware gilt der Schweizer Kanton Basel-Land. Weil es dort mit 80 Einbrüchen pro Woche die höchste Quote in der Schweiz gab, suchten die dortigen Ermittler Hilfe beim Software-Programm Precops.

Polizisten füttern das Programm täglich mit aktuellen Daten, wo und wann auf welche Weise eingebrochen wird. Daraus ermittelt die Software dann die Wahrscheinlichkeit für weitere Einbrüche in der Region. Die Länder Bayern und Baden-Württemberg nutzen das Programm eines privaten Anbieters mittlerweile auch.

Hessen ging einen eigenen Weg, denn es war ohnehin schon vor etwa fünf Jahren dazu übergegangen, alle Daten über Wohnungseinbrüche in Hessen zentral zu sammeln. Diese Daten wollte das Land jetzt nicht einem privaten Anbieter zur Verfügung stellen, um die Auswertung dann für teures Geld zurückzukaufen.

Also entwickelte das Landeskriminalamt (LKA) in Zusammenarbeit mit Statistikern der Universität Gießen für etwa 350 000 Euro ein eigenes Softwareprogramm für Hessen. „KLB-operativ“ wurden zunächst in hessischen Regionen getestet, die von Wohnungseinbrüchen stark betroffen sind: Die Kreise Main-Taunus, Hochtaunus und Darmstadt-Dieburg sowie die Landeshauptstadt Wiesbaden.

Bei Tests im vergangenen Winter seien die Einbrüche in den Testregionen um 66 Prozent zurückgegangen.

Innenminister Beuth warnte allerdings vor überzogenen Erwartungen: „Die Software ist kein technisches Voodoo.“

Der Erfolg des Programms stützt sich auf zwei wesentliche kriminaltechnische Thesen: 50 Prozent aller Wohnungseinbrüche gehen auf Serientäter zurück und in der Nähe eines Einbruchs wird es bald einen weiteren geben. Die Software soll also ein Werkzeug für geeignete präventive Maßnahmen sein und den Beginn einer Einbruchserie erkennen.

Gibt es Hinweise auf eine Einbruchserie in einem bestimmten Wohngebiet, erhöht dort die Polizei die Präsenz, um potenzielle Einbrecher abzuschrecken. „Eine Tat, die nicht begangen wurde, ist schon eine Tat weniger in der Statistik“, verdeutlicht Christoph Lange vom LKA. Der Hauptkommissar hatte das Programm mitentwickelt und gehört nun beim LKA zu einem kleinen Team, das die Software täglich mit neuen Daten füttert.

Genutzt werden kann die Software ab sofort von allen Polizeidienststellen in Hessen. Bald soll es auch eine entsprechende App für die Polizisten geben, die sich mit Wohnungseinbrüchen befassen. Schon jetzt gibt es Lange zufolge 1500 Zugriffe am Tag. Die Software bietet den Ermittlern Luftaufnahmen, Straßenkarten und Lagebilder. Verzeichnet wird nicht nur die Anzahl der Einbrüche in einem Gebiet in den vergangenen zehn Tagen, sondern auch die Höhe des entstandenen Schadens. Allerdings, so räumt Lange ein, macht das Programm in dünn besiedelten Gebieten mit wenig Fallzahlen weniger Sinn.

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