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Fremde in der Wohnung: Waren Einbrecher da, ist das gute Gefühl weg.
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Fremde in der Wohnung: Waren Einbrecher da, ist das gute Gefühl weg.

Kriminalität in Hessen

Einbrecher scheitern immer öfter

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Mehr Tote und mehr Körperverletzungen in Hessen - Innenminister Peter Beuth (CDU) sieht in der Kriminalstatistik 2016 aber auch Erfreuliches. Die Statistik zeigt: Es gibt weniger Diebstähle und Einbrüche.

In Hessen haben Einbrecher immer seltener Erfolg. In 5569 Fällen gelang es Tätern im vorigen Jahr, in die Wohnung zu kommen. Das waren fast 950 Fälle weniger als 2015, ein Rückgang um fast 15 Prozent.

Seit 2010 waren Einbrecher in Hessen nicht mehr so erfolglos geblieben. In den fünf Jahren vor 2010 hatten die Zahlen jedoch noch niedriger gelegen als 2016.

„Fast jeder zweite versuchte Wohnungseinbruch blieb erfolglos“, freute sich Innenminister Peter Beuth (CDU), der in Wiesbaden die Kriminalstatistik für 2016 vorstellte. So hoch sei die Quote der abgebrochenen Delikte noch nie gewesen.

„Der Kampf gegen Wohnungseinbruchsdiebstahl ist ein Schwerpunkt dieser Landesregierung“, betonte der Minister. Denn nach einem Einbruch blieben oft „traumatisierte und verängstigte Bürger“ zurück, die sich in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlten.

Zumal die erfolgreichen Einbrüche oft nicht aufgeklärt werden können. Fast vier von fünf Fällen blieben ungelöst.

Ein Grund für die oft erfolglosen Einbruchsversuche besteht offenbar darin, dass die Menschen ihre Wohnungen besser sichern. Die Kriminalpolizei habe in 8000 Fällen Bürgerinnen und Bürger beraten, wie sie sich gut schützen können.

Ein weiterer Faktor sind die zunehmenden Fähigkeiten der Polizei, Einbruchsserien frühzeitig zu erkennen und zu stoppen. Dabei hilft ihnen eine Software, die nun auch als App auf die Handys von Beamten geladen werden kann. Sie zeigt, wo sich in jüngerer Zeit Einbruchsserien gehäuft haben.

Daraus lasse sich häufig schließen, wo Tätergruppen weitere Einbrüche begehen könnten, erläuterte die Präsidentin des Landeskriminalamts, Sabine Thurau. „Der Kollege musste sich früher vereinzelt mit uns in Verbindung setzen, um das Lagebild in Hessen zu erfahren“, sagte sie. Heute habe er es stets aktuell zur Hand. Das Prognosesystem werde in der nächsten dunklen Jahreszeit „in allen Polizeipräsidien zur Anwendung kommen“, kündigte Beuth an.

Insgesamt erfasste die Polizei 2016 gut 412 000 Straftaten. Das waren etwa 9000 mehr als im Jahr davor. Die scheinbare Steigerung geht allerdings allein auf den Anstieg von Verstößen gegen das Ausländerrecht zurück, die keine Bedrohung für Bürger darstellten. In diesem Bereich wurden sogar fast 15 000 Fälle mehr registriert als 2015. Ohne sie wäre die Summe der Vergehen sogar gesunken. Aufgeklärt wurden 62,7 Prozent der Delikte und damit ein so hoher Anteil wie noch nie. Die Quote hatte erst 2004 erstmals die 50-Prozent-Schwelle überschritten.

Neben den Erfolgen gegen Wohnungseinbrecher fällt auch der Rückgang an Diebstählen in der Statistik auf. Im Jahr 2016 zählten die Behörden mehr als 10 500 Diebstähle weniger als im Jahr davor. Insgesamt griffen die Diebe 141 000 Mal zu.

Das Landeskriminalamt nannte die „Festnahme von professionellen Tätern“ und die personelle Verstärkung von „Dienststellen mit täterorientiertem Ermittlungsansatz“ als Gründe für den erfreulichen Rückgang.

Ganz vorne in der Kriminalstatistik stehen stets die schwersten Delikte, bei denen Menschen getötet wurden. Deren Zahl stieg 2016 um elf Fälle auf 328 an. Meistens habe es sich um Beziehungstaten gehandelt. Als Morde wurden dabei 59 Taten eingeordnet, drei mehr als im Jahr 2015.

Einen Anstieg gab es auch bei Körperverletzungen: Mit 30 733 stieg deren Zahl um 1814 Fälle. Diese Fälle werden, ebenso wie die Morde, in der Regel aufgeklärt. Die Aufklärungsquote lag erneut über 90 Prozent.

Mehr Gewalt gegen Polizisten

Mit Sorge beobachten Minister Beuth und Landespolizeichef Udo Münch, dass Polizeibeamte immer häufiger selbst Opfer von Übergriffen werden. Im Jahr 2016 stieg die Zahl dieser Vorfälle von knapp 3100 auf fast 3500 an. Münch berichtete, meistens gehe es um Handgreiflichkeiten, wenn Polizisten jemanden festnehmen wollten oder einen ähnlichen Einsatz absolvierten. Man berücksichtige solche Erfahrungen in der Ausbildung und bei der Ausstattung der Beamten.

Beuth forderte, Angriffe auf Polizisten hart zu bestrafen. Am Freitag berät der Bundestag über ein entsprechendes Gesetz. Der Linken-Abgeordnete Hermann Schaus wandte sich dagegen. Er sieht keinen Grund, „warum Straftaten und Gewalt beispielsweise gegen wehrlose alte Menschen weniger hart bestraft werden sollte als Straftaten und Gewalt gegen Polizeibeamte“.

Die schwarz-grüne Koalition zeigte sich erfreut über die Zahlen, die Minister Beuth in der nächsten Woche auch in einer Regierungserklärung im Landtag vortragen will. Der Grünen-Innenpolitiker Jürgen Frömmrich verwies auf eine Umfrage, derzufolge sich die Hessinnen und Hessen ganz überwiegend sicher fühlen. „Das Gefühl trügt nicht“, sagte er. „Hessen ist ein sicheres Land.“

Selbst aus der Opposition kamen positive Reaktionen. Der FDP-Innenpolitiker Wolfgang Greilich sprach von „ersten Erfolgen gegen Einbruchsdelikte sowie die allgemeine Straßenkriminalität“, die erfreulich seien. Gerade die Wohnungseinbrüche könnten „das persönliche Wohl- und Sicherheitsempfinden“ beeinträchtigen.

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