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Reformationstag

"Ein wirklicher Gewinn"

  • Peter Hanack
    VonPeter Hanack
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Kirchenpräsident Volker Jung zieht eine Bilanz des Jubiläumsjahrs.

Herr Kirchenpräsident, sind Sie froh, dass der ganze Rummel nun vorbei ist?
Was die Arbeitsbelastung angeht, schon. Aber ich bin auch etwas traurig.

Warum das?
Weil die Feierlichkeiten und zahlreichen Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum auch eine Menge Freude gemacht haben.

Gerade am Reformationstag selbst, aber auch schon in den Monaten davor waren ja allenthalben die Reformation und Martin Luther präsent, ob nun in Gottesdiensten, bei Gemeindefeiern, Musicals, Tanzpartys oder im Fernsehen. Sie haben selbst einmal von rund 10 000 Veranstaltungen gesprochen. Haben Sie keine Angst, dass die Beteiligten, ob ehrenamtliche oder hauptamtliche, jetzt erst einmal erschöpft in ein tiefes Loch fallen?
Das glaube ich nicht. Es kommt eher ein Durchatmen, das aber auch ein Luftholen für das ist, was als Nächstes kommt. Die Veranstaltungen haben in den allermeisten Fällen einen großen Motivationsschub gebracht. Vor allem ist es gelungen, das Reformationsjahr ökumenisch zu begehen. Es hat Protestanten und Katholiken wirklich nähergebracht. Das war überhaupt nicht selbstverständlich. Und es löst in den Gemeinden den berechtigten Wunsch aus: Lasst uns jetzt nicht aufhören, diese Nähe weiter zu intensivieren. Das ist ein wirklicher Gewinn. 

Es gibt auch Kritik, etwa von Theologen wie Friedrich Schorlemmer und Christian Wolff. Die sagen, Kirche ist in der Krise, sie erlebt in der Gesellschaft einen fortschreitenden Bedeutungsverlust. Jetzt habe man zwar eine große Party gefeiert, damit aber nichts wirklich gelöst. Hätte man mehr tun können, um Menschen für die Kirche zu gewinnen? 
Es gab in der Tat ein unglaublich buntes und kreatives Angebot, sich mit der Reformation zu beschäftigen. Ich habe beobachtet, dass es dabei ganz viel Ernsthaftigkeit und Nachdenklichkeit gab – viele Nachfragen, warum die Reformation überhaupt auf den Weg gekommen ist. Diese Tiefe war an ganz vielen Stellen zu spüren. Wir wollten ein vielfältiges Gedenken anstoßen, das nicht nur aus Feiern besteht, sondern Menschen anspricht und für die Reformation interessiert. Ich bin überzeugt, dass das auch gelungen ist. 

Verbinden Sie damit denn auch die Hoffnung, dass Kirche wieder eine größere gesellschaftliche Relevanz bekommt? Oder ist Ihnen das gar nicht so wichtig?
Mir ist es wichtig, dass Menschen für sich selbst fragen: Was glaube ich? Was bedeutet mir Gott? Wenn das dazu führt, dass mehr Menschen dabei entdecken: Der christliche Glaube ist eine sehr wertvolle und gute Tradition, die Orientierung gibt und in der man sich geborgen fühlen kann, dann wäre das natürlich wunderbar. 

Was würden Sie beim nächsten Reformationsjubiläum anders machen?
Ich würde jedenfalls wieder darauf setzen, ein Beteiligungsjubiläum zu feiern, bei dem ganz viele mitmachen können. Kritisch überlegen müsste man, ob eine Weltausstellung wie in Wittenberg, die insgesamt sehr gut war, nicht überdimensioniert war. Da haben wir vielleicht etwas zu viel gewollt. 

Was steht denn als Nächstes an?
In der guten Tradition unseres Kirchenjahres gibt es wichtige Festtage. Und bald auch wieder Weihnachten. Ein nächster großer Zielpunkt ist sicher der Ökumenische Kirchentag 2021 in Frankfurt, auf den wir nun hinarbeiten. Mir persönlich geht es aktuell darum, dass wir gute Wege finden, uns mit den tiefgreifenden Veränderungen ernsthaft auseinanderzusetzen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Das betrifft das Arbeiten, die Mobilität, die Pflege und Medizin, nahezu alle Bereiche des Lebens. Dazu gehören aber auch die Vermittlung des Glaubens und das kirchliche Leben. 

Interview: Peter Hanack

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