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Ein Weltstar verlässt das Parkett

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Die dreimaligen Profi-Weltmeister Natascha Karabey und Domen Krapez bei ihrem Auftritt in der Royal Albert Hall. privat
Die dreimaligen Profi-Weltmeister Natascha Karabey und Domen Krapez bei ihrem Auftritt in der Royal Albert Hall. privat © Löffler / privat

In der Royal Albert Hall beendet Natascha Karabey nach 31 Jahren ihre Karriere

BAD HOMBURG - Die vielleicht erfolgreichste Bad Homburger Sportlerin aller Zeiten hat nach 31 Jahren auf dem Parkett ihre einzigartige aktive Karriere beendet. Verabschiedet hat sich Natascha Karabey standesgemäß: mit Gold. Nicht wie sonst als Medaille. Sondern als Farbe auf dem von ihr selbst extra für diesen bewegenden Moment mit entworfenen Tanzkleid, in dem sie sich an der Seite ihres Lebens- und Tanzpartners Domen Krapez an einem erlesenen Ort präsentierte. Unter dem Kuppeldach der berühmten Royal Albert Hall in London gab es nach einer großartigen Performance donnernden Applaus von 6000 begeisterten Besuchern. Die dreimaligen Profi-Weltmeister präsentierten noch einmal ihr großartiges Können. Zur Musik mit dem Titel „Smile“. Dieser sei für sie ein Symbol für Freundschaft und Frieden. „Und wir wollten damit sagen, dass wir das neue Leben nicht mit Tränen, sondern mit einem Lächeln beginnen wollen“, erklärte Natascha Karabey.

Die Idee, mit dem Tanzsport aufzuhören, kam das erste Mal im Januar auf, unmittelbar nach dem Sieg beim „United Kingdom Dance Championship“ in Bournemouth. Es sollte das letzte internationale Turnier sein, das die Champions getanzt haben. „Wir haben alle großen Titel gewonnen, die es zu gewinnen gibt. Sind Europameister, Kür-Weltmeister, Showtanz-Weltmeister, als erste Deutsche überhaupt Weltmeister bei der 1929 erstmals ausgetragen WM in den Standardtänzen. Wir siegten auch bei den British Open in Blackpool, dem Wimbledon der Tänzer. Mehr geht nicht“, sagte die Bad Homburgerin.

Warum der Abschied von der internationalen Bühne in der Royal Albert Hall sein sollte, erklärte wiederum Domen Krapez. „Wir überlegten, uns in Blackpool zu verabschieden. Ein magischer Ort. Für die Tänzer. Die Royal Albert Hall ist aber etwas Spezielles für die ganze Welt. Als ich an den Wänden Bilder von Dalai Lama, Frank Sinatra, Elton John, The Beatles oder Rolling Stones sah, die hier alle aufgetreten sind, wurde mir erst bewusst, wie richtig die Wahl des Ortes war.“

Das Tanzen wurde Natascha Karabey quasi in die Wiege gelegt. Ihre Eltern, Rüstem und Renate Karabey, einst erfolgreiche Turniertänzer, betrieben in Bad Homburg eine Tanzschule, in der die 1980 in Seeheim-Jugenheim geborene Natascha von klein an war. Sie übte heimlich die ersten Schritte, besuchte die von den Eltern organisierten Bälle.

Mit neun Jahren fing Natascha an, richtig das Tanzen zu erlernen. „Ich bin als Kind auch geritten. Das hat Spaß gemacht. Aber das Tanzen, das hat mich vom ersten Moment an fasziniert.“ Als Elfjährige begann sie, Turniere zu tanzen. Ihr erster Partner war der Frankfurter Mark Seibert, der heute ein bekannter Musical-Star (Jesus Christ Superstar, Elisabeth, Tanz der Vampire, Pretty Woman) ist.

Für den Vater einen Tanz einstudiert

Bald danach musste Rüstem Karabey ins Krankenhaus. Natascha und ihr zwei Jahre älterer Bruder Sascha wollten ihm eine Freunde machen und studierten für ihn als Überraschung einen gemeinsamen Tanz ein. Nicht nur der Vater war hingerissen. Und so starteten Sascha und Natascha Karabey eine Karriere als Tanzpaar. Tanzten zunächst Standard- wie Lateintänze. „1999 standen wir noch im Mai im Finale der Deutschen 10-Tänze-Meisterschaft, im November wurden wir dann Deutsche Meister in den Standardtänzen. Da beschlossen wir, uns auf unsere bessere Disziplin zu konzentrieren“, erinnert sich Natascha. 2005 wurden die Karabeys bei den Amateuren für den TC „Der Frankfurter Kreis“ WM-Zweite in den Standardtänzen.

Achtmal in Folge gewann das Geschwisterpaar die Deutsche Meisterschaft der Amateure. 2007 wechselten die Karabeys zum Deutschen Professional Tanzsportverband. Dort konnten sie von 2007 bis 2013 siebenmal hintereinander die deutsche Meisterschaft der Professionals in den Standardtänzen gewinnen.

Seit Ende 2014 trat Natascha Karabey mit ihrem Lebenspartner, dem Slowenen Domen Krapez, an. An den ersten gemeinsamen Auftritt erinnert sich Natascha noch genau: „Wir wurden 2015 nach nur drei Wochen Training auf Anhieb Vierte bei den UK Championship. Dem Turnier, das im Januar dieses Jahres auch unser letzter internationaler Auftritt war.“ Von 2015 bis September 2022 gewannen die beiden siebenmal in Folge die Deutsche Meisterschaft der Professionals in den Standardtänzen (2020 fand aufgrund der Corona-Pandemie keine Meisterschaft statt). Damit gelang es Natascha Karabey, 25 Deutsche Meisterschaften in 24 Jahren zu gewinnen.

Welcher ihrer Titel der wertvollste war, darin sind sich die Partner nicht ganz einig: Für Domen war es Blackpool, weil dort jeder starten durfte, während bei der WM bis vor kurzem lediglich zwei Paare pro Nation zugelassen wurden. „Blackpool war wunderschön, hat für viele Tänzer den höheren Stellenwert. Aber Weltmeister zu sein, das ist etwas, was jedem, nicht nur den Tänzern, etwas sagt“, meint hingegen Natascha Karabey.

Ihr Abschied bedeutet nicht, dass man das Paar nie mehr auf dem Parkett bewundern kann. „Wir werden verstärkt als Wertungsrichter arbeiten, werden als Trainer arbeiten und auch weltweit Shows tanzen. Nur der Wettkampf ist passé“, betont Natascha Karabey.

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