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Ein Tunnel für den Bahnhof

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An allen Ecken des Bahnhofs wird derzeit gearbeitet. Im Fokus steht der Abriss der alten Unterführung. priedemuth
An allen Ecken des Bahnhofs wird derzeit gearbeitet. Im Fokus steht der Abriss der alten Unterführung. priedemuth © jp

Mammutprojekt nimmt Gestalt an

friedrichsdorf - Die Zukunft hat bereits eine erste Duftmarke gesetzt. Zu besichtigen zwischen Gleis 1 und 2. Graue Pflastersteine, zur Mitte hin leicht abfallend wegen des Abflusses von Regenwasser, geriffeltes, weißes Band am Rand beim Einstiegsbereich. Die Leitstreifen, wie sie genannt werden, dienen als Orientierungshilfe für Blinde oder Sehbehinderte. Dass das Ganze noch teilweise mit schwarzem Fugensand bedeckt ist - Schwamm drüber.

Rund 170 Meter sind bei der kürzlichen Besichtigung auf diese Weise gestaltet. „Später werden drei von vier Bahnsteigen 210 Meter lang sein“, sagt Robert Sure von der Technischen Projektleitung von „Station und Service“. Dahinter verbirgt sich die Betreibergesellschaft der Verkehrsstationen am Streckennetz der Deutschen Bahn. Diese betreut von Frankfurt aus die Großbaustelle in Friedrichsdorf.

Alte Unterführung wird abgerissen

Die hat in den letzten Wochen sichtbar Fahrt aufgenommen, wie an vielen Arbeitern und den großen Maschinen zu sehen ist, die auf dem Areal im Einsatz sind. Das alles ist jedoch nur eine Art Vorspiel für den Hauptakt bei diesem ikonischen Projekt. Star des Umbaus, wenn man so will, ist die Unterführung. Am besten zu erkennen von der ersten Plattform der Gleisüberführung aus. Unten liegt die alte Unterführung respektive das aufgerissene Erdreich. Das Bauwerk werde als Nächstes abgebrochen, erklärt Sure. Heißt also Baugrube ausheben und die jetzige Treppe der Überführung, die dann im Weg ist, um etwa fünf Meter verrücken. Diese Woche haben die Abrissarbeiten begonnen.

Ein komplexer Teilabschnitt, der aus mehreren Elementen besteht. Besonders spektakulär: Nach dem Abbruch wird eine vorgefertigte Röhre für die neue Personenunterführung unter die Gleise geschoben. Ein rund 7,50 Meter langes Element. „Wie eine Tunnelröhre mit einem rechteckigen Querschnitt“, sagt Sure. Die neue Unterführung misst am Ende circa vier Meter in der Breite und 2,65 Meter in der Höhe.

Erste Vorbereitungen sind zu sehen in Gestalt von Stahlwänden, die vor dem Gleisbett in die Erde gelassen wurden. „Weil Züge fahren, müssen wir gewährleisten, dass das Erdreich nicht nachrutscht“, sagt Sure. Natürlich ruht der Verkehr in dem betroffenen Abschnitt (Gleis zwei) während der Arbeiten. Circa Anfang Juli will man damit fertig sein. Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Der nächste große Bauabschnitt beginnt Anfang Juli bis Anfang September. „Gleis 404 und 405 werden angegangen“, sagt Sure. Gleis 405 wird verschwenkt. Will heißen: Das Gleis rückt ein Stück nach außen, damit könne der Mittelbahnsteig erweitert werden. In den Sommerferien soll dieser Teil stattfinden und mehrere Wochen dauern. In dieser Zeit wird es zu Sperrungen kommen und der Verkehr auf Gleis 402 und 404 verlegt. Sure betont jedoch, dass während der ganzen Arbeiten drauf geachtet werde, dass immer ein Gleis befahrbar sei und „nicht der ganze Bahnhof stillsteht“.

Der Bahnsteig neben dem Treppenabgang wird aus Sicherheitsgründen verbreitert. „Bisher war das eine Engstelle“, sagt Sure. Die genaue Position lässt sich derzeit nur erahnen anhand einer asphaltierten rechteckigen Fläche kurz nach dem Abgang der Behelfsüberführung. Auf dem Mittelbahnsteig entsteht auch einer der beiden Aufzugstürme, was aber noch nicht das Finale des Umbaus ist. Wenn der Mittelteil fertig ist, folgt noch der Treppenaufgang inklusive einer neuen Rampe zur Park-&-Ride-Anlage auf der Römerhof-Seite. Schließlich zum Finale, wenn die Unterführung fertig ist, kann diese auch die als Stadtteilverbindung benutzt werden. Das heißt ein direkter Zugang zur Kernstadt. Für viele Friedrichsdorfer ein neues Gefühl jenseits des bisherigen dunklen Tunnels.

Fehlt noch das Nachspiel: Abbau der Überführung und Restarbeiten am Bahnsteig. Erwähnt werden soll auch ein Regenrückhaltebecken, das in Richtung Seulberg entsteht. Auch aus ökologischen Gesichtspunkten, um Starkregen aufzufangen, sagt Sure. Verschwinden wird auch die schiffsähnliche Konstruktion um die Pfeiler der Überführung. Sie wurde als Aufprallschutz für das fiktive Ereignis angelegt, dass ein Zug entgleist.

Bleibt die Frage, bis wann die Arbeiten über die Bühne sind. „Bis Ende des Jahres dauert die Umsetzung dieser Maßnahmen“, sagt Sure. Bisher war von Oktober 2023 als Fertigstellungstermin die Rede. Mit ein Grund für die marginale Verzögerung dürfte auch die extreme Witterung um den Jahreswechsel herum gewesen sein.

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