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Ein Stück Geschichte wird freigelegt

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In der Trauerhalle des Waldfriedhofs werden derzeit alte Malereien aus den 1920er Jahren rekonstruiert. Restauratorin Izabella Hoffmann widmet sich den Rauten. Konopatzki (2)
In der Trauerhalle des Waldfriedhofs werden derzeit alte Malereien aus den 1920er Jahren rekonstruiert. Restauratorin Izabella Hoffmann widmet sich den Rauten. Konopatzki (2) © hko

Trauerhalle des Waldfriedhofs bekommt seine alten Verzierungen zurück

bad homburg - Verglichen mit den anderen Begräbnisstätten der Kurstadt ist der Waldfriedhof ein echter Jungspund. Die große Anlage wurde 1920 eingeweiht, fast auf den Tag genau ein Jahr später konnte im September 1921 die Trauerhalle in Betrieb genommen werden. In den mittlerweile 101 Jahren wurde dort an Tausende Leben erinnert. Tausende Menschen wurden würdig verabschiedet, bevor sie auf dem weitläufigen und idyllisch gelegenen Areal zur letzten Ruhe gebettet wurden. So vergänglich das Leben ist, so vergänglich sind auch diese kurzen Akte des Erinnerns und Abschiednehmens.

Doch jede brennende und vor allem jede verlöschende Kerze hinterlässt ihre Spuren, ebenso wie Heizung und Staub den Raum verändern. Und so war das einst strahlende Weiß der Halle im Laufe der Zeit matt, stellenweise grau geworden.

Eigentlich wäre „nur“ ein neuer Anstrich fällig gewesen, doch die Apsis der in den 70er Jahren erweiterten Halle war nicht immer weiß gewesen. „Bereits 2005 gab es restauratorische Voruntersuchungen“, erinnert sich Andrea Frenzel, die sich intensiv mit dem Gebäude beschäftigt hat und bei den aktuellen Arbeiten als leitende Restauratorin fungiert. Damals wurde der Waldfriedhof für 1,5 Millionen Euro auf Vordermann gebracht. „Kunst unter dem Wandputz“, lautete damals eine Überschrift in der Zeitung.

Damals sei kein Geld da gewesen, um zu restaurieren, deswegen wurden die Malereien professionell abgedeckt und so gesichert, bevor neu gestrichen wurde, erklärt Frenzel.

Jetzt kam Bewegung in die Sache. Sie habe Anfang des Jahres die zuständige Denkmalpflegerin angesprochen. Diese habe sich die Berichte und Fotos angesehen und sich sehr interessiert gezeigt. Im September gab es dann die Freigabe - und 10 000 Euro für erste Arbeiten. „Das reicht zwar bei weitem nicht, um alles umzusetzen, aber man kann das auch in Etappen wiederherstellen“, so Frenzel.

Alte Fotos zeigen Sternenhimmel

Einen Eindruck, wie der Raum einst gewirkt hat, bekommen die Fachleute nicht nur durch die Überreste unter späteren Farbschichten. Es gibt auch Fotos, die den Raum in seiner ursprünglichen Gestaltung zeigen - allerdings in Schwarz-Weiß, so dass die Farbreste helfen, die richtigen Töne anzusetzen.

Das satte Grün gibt bereits einen Vorgeschmack auf den künftigen Raumeindruck. In einem kleinen Bereich der Halbkuppel haben Frenzel und Restauratorin Izabella Hoffmann bereits den ehemals dort befindlichen Sternenhimmel neu angelegt, der auf den alten Fotos zu sehen war.

Bei Dieter Baier, als Abteilungsleiter Grünpflege beim Betriebshof zuständig für die Friedhöfe, ist die Freude über die Umgestaltung groß - mittlerweile. „Ich hatte kurz vorher neue Stühle für alle Trauerhallen zu bestellen und dann Bedenken, ob die dunkelblaue Polsterung zum neuen Raumeindruck hier passt“, verrät er, wobei ihn Frenzel beruhigen kann: „Das passt.“ Baier lobt die „berührende Atmosphäre“, die die Trauerhalle durch die neue Gestaltung bekomme und Frenzel ergänzt: „Der Raum wird durch seine farbliche Ausmalung wieder architektonisch gegliedert.“ Auch an Details wird gearbeitet: Das Fries an der Wand wird rekonstruiert, Kapitelle an den Pilastern sind teilweise herausgearbeitet. Auch die Gurtbögen hätten, so sei es auf alten Bildern zu sehen, Friese mit Ornamenten aufgewiesen, die irgendwann wieder sichtbar sein sollen.

Weil die Trauerhalle letztlich ein Funktionsraum ist, steht der Mensch zu jeder Zeit im Vordergrund. „Die Arbeitseinsätze werden so zwischen die Trauerfeiern gelegt, dass immer aufgeräumt ist“ und nichts auf die Baustelle hindeute, betont Restauratorin Frenzel.

Das Kapitell zeigt typische Jugendstil-Elemente.
Das Kapitell zeigt typische Jugendstil-Elemente. © hko

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