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Beim Praktikum kann getestet werden, ob die Arbeit Spaß macht.

Interview

Kennenlerntour von Firma zu Firma in Hessen

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Ein Start-up aus Fulda organisiert für Schulabgänger eine Kennenlerntour von Firma zu Firma.

Sie sind selbst noch Student, Auszubildender oder Abiturient. Drei junge Männer aus Fulda und Umgebung wissen, dass es nach der Schule gar nicht so einfach ist, sich für einen Beruf zu entscheiden – und haben daraus eine Geschäftsidee gemacht: Sie vermitteln Praktika. Was dabei der besondere Kniff ist, erklärt der 21-jährige Malte Bürger.

Herr Bürger, wer jetzt, in der zweiten Hälfte der Sommerferien noch keinen Praktikumsplatz gefunden hat, der wird auch keinen mehr finden, oder?
Das denke ich nicht. Bei uns ist man nicht an einen Starttermin wie 1. August oder 1. September gebunden, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Viele wollen sich nach der Schule ein bisschen ausprobieren, ein halbes Jahr in die USA oder durch Europa touren und dann immer noch den richtigen Beruf finden.

Und bei Ihnen funktioniert das so?
Ja, sicher.

Ihr Konzept sieht vor, dass man innerhalb eines Jahres jeweils zwei Monate in einem Betrieb bleibt und dann zum nächsten wechselt. Welche Idee steckt dahinter?
Zwei Monate sind genug Zeit, um sich gegenseitig kennenzulernen. Der Praktikant kann schon aktiv mitarbeiten und mehr erfahren, als wenn er nur zwei Wochen wie beim typischen Schülerpraktikum bleibt. Aber er kann auch in relativ kurzer Zeit Verschiedenes ausprobieren. Und auch die Betriebe haben die Gelegenheit, mehrere mögliche Auszubildende kennenzulernen. Die Praktikumsdauer kann aber auch zwischen einem Monat und drei Monaten variieren.

Praktikumsjahr.de bringt Schulabsolventen und Firmen zusammen und vermittelt Praktikumsplätze. Die Besonderheit dabei ist, dass die Praktikanten in der Regel innerhalb eines Jahres fünf bis sieben Betriebe kennenlernen. Die Plattform wurde 2018 mit dem Hessischen Gründerpreis ausgezeichnet.

Wie verbreitet ist es, dass Schulabgänger nicht wissen, was sie einmal arbeiten wollen?
Das ist ganz normal. Es gibt mittlerweile mehr als 300 Ausbildungsberufe und 20 000 Studiengänge, und dann ist ja auch keine Firma wie die andere. Das macht es schwierig, das Richtige zu finden. Bei unserem Praktikumsjahr kann man immerhin fünf, sechs oder sieben Firmen und Berufe kennenlernen, bevor man sich entscheidet.

Geben Sie vor, welche Betriebe ein Praktikant kennenlernt?
Wir nennen das geführte Berufsorientierung. Die Praktikanten wählen, wo ihre Interessen liegen, zum Beispiel Technisches oder im Büro, IT, Soziales oder im Holz- und Metallhandwerk. Wir schlagen dann mögliche Betriebe vor und stellen so das Praktikumsjahr zusammen.

Wie kriegen Sie die Firmen dazu, bei Ihrem Konzept mitzumachen?
Da müssen wir gar nicht so viel machen. Die Firmen wissen, wie schwierig es geworden ist, Auszubildende zu finden. Wir bieten den Betrieben einen Rundumservice, sie bekommen die interessierten Schulabgänger ja von uns frei Haus vermittelt.

Ein von Ihnen vermittelter Praktikant erhält mindestens 250 Euro im Monat. Wie aber finanzieren Sie sich als Plattform?
Wir erhalten einen bestimmten Betrag vom Betrieb, wenn wir einen Praktikanten vermitteln, dafür dass wir das Marketing machen, vermitteln und als Ansprechpartner bei Schwierigkeiten zur Verfügung stehen. Für die Praktikanten ist der Service kostenlos.

Wie geht es weiter mit Praktikumsjahr.de?
Wir haben ein kleines Team von fünf Personen aufgebaut und wollen expandieren. Von Fulda aus werden wir unseren Service als Nächstes in ganz Hessen und dann auch deutschlandweit anbieten. Das Problem, den richtigen Beruf beziehungsweise den richtigen Auszubildenden zu finden, gibt es ja nicht nur in der Gegend von Fulda, sondern überall.

Organisieren Sie ein Praktikumsjahr also auch für einen Schulabgänger oder eine Schulabgängerin aus Frankfurt, Offenbach oder Darmstadt?
Der Plan ist, unser Angebot vom Januar 2020 an auch auf das Rhein-Main-Gebiet auszuweiten. Anfragen von Schülerinnen und Schülern nehmen wir jetzt schon gerne an. Bis es im Januar losgeht, kann man dann ja noch mal nach Australien jetten.

Interview: Peter Hanack

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