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Ein Jahr der Extreme

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Für Wanderer war 2022 ein gutes Jahr - viel Sonne, wenig Regen und milde Temperaturen schon im Frühjahr. Hier blicken zwei vom Brunhildisfelsen weit gen Norden über den Taunus.
Für Wanderer war 2022 ein gutes Jahr - viel Sonne, wenig Regen und milde Temperaturen schon im Frühjahr. Hier blicken zwei vom Brunhildisfelsen weit gen Norden über den Taunus. Pieren © Pieren

Oberurseler Wetter-Experte misst Temperaturrekord / Lange Trockenperiode

HOCHTAUNUS - Am letzten Tag des Jahres hat sich Wetter-Fachmann André Schröder mit der Familie bei 15 Grad auf den Weg in den Winterurlaub gemacht. „Das ist für einen Silvestertag erneut ein absoluter Rekordwert für Oberursel, seit ich zu Hause im Jahre 2005 meine Wetterstation installiert habe“, sagte Schröder und fasst die wesentlichen Trends für 2022 zusammen: „Im gerade zu Ende gegangenen Jahr gab es weitere Temperaturrekorde zu vermelden, und das Niederschlagsdefizit im Taunus wächst weiter an.“

Schröder erhebt in seiner Wetterstation in Oberursel kontinuierlich Daten und hat so einen wissenschaftlich fundierten Überblick von der Wetterentwicklung der vergangenen Jahre.

250 Sonnenstunden im März

Mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 12,4 Grad war es 2022 in Oberursel nochmals um 0,2 Grad wärmer als im bisherigen Rekordjahr 2018 und somit das wärmste Jahr seit Beginn von Schröders Wetteraufzeichnungen. „In jedem der zwölf Monate lagen die Werte über dem bisherigen Temperaturmittel“, bilanziert Schröder. „Im August waren es sogar 5,9 Grad mehr, im Juni vier Grad und im Februar und Oktober 3,8.“

Zwar lag die Durchschnittstemperatur im März „nur“ 1,8 Grad über dem Mittel - doch mit 250 Sonnenstunden verzeichnet der Monat dennoch einen Rekord: Die Sonnenscheindauer lag gar 80 Prozent über dem Schnitt. „Für Betreiber von Photovoltaikanlagen war das gewiss ein gutes Jahr“, sagt Schröder.

Die Kehrseite: Der Trend hin zu weniger Regenfällen hat sich besonders im Sommer deutlich verstärkt. Gleich in sieben Monaten war 2022 die Niederschlagsmenge geringer als der jeweilige Durchschnitt der Vergleichsmonate der vergangenen 17 Jahre. „Mit insgesamt nur 613 Litern Regenwasser wurde die drittniedrigste Menge seit 2005 gemessen“, so Schröder. Nur im Jahr 2015 (522 Liter) und 2020 (564 Liter) sei es in Oberursel trockener gewesen. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 summierten sich die Niederschläge noch auf stolze 810 Liter - die durchschnittliche Regenmenge seit 2005 liegt bei 785 Litern. Einzig der September lieferte mit stolzen 122 Litern sogar ein Plus von 68 Litern als Durchschnitt. Im Oktober lag das Plus auf den Monat verteilt bei elf Litern, im Februar waren es zehn, im Januar und April vier beziehungsweise drei Liter. „Im Januar und Februar war es deutlich zu mild, aber recht stürmisch und feucht. Der März war mit 16 Litern extrem trocken - nur 2014 hatte es mit 14 Litern noch weniger geregnet.“ Das vergangene Jahr toppte die Trockenjahre 2018/19/20 in puncto Dürrephase, die länger andauerte. „Während für die Anwuchs- und Wachstumszeit noch genügend Wasser im April und teilweise Mai aus den Böden gezogen werden konnte, fehlten im Juli und August in einer noch nie verzeichneten Trockenheit das wertvolle Nass von oben. Insgesamt fielen nur 54 Liter Regen in den drei Sommermonaten.“

Nach dem heißen und trockenen August mit gerade mal sechs Litern Niederschlag und dem 6. August als heißestem Tag, an dem eine Höchsttemperatur von 38,5 Grad gemessen wurde, endete die Hitzeperiode am 7. September. Dann gab es endlich Abkühlung, und der so dringend ersehnte Regen zog über den Taunus.

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