Wohnen

Ehemalige US-Siedlung in Hanau darf kein Wohngebiet werden

  • Detlef Sundermann
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Land hält Lärm- und Geruchsbelastung für ehemalige US-Siedlung „Sportsfield Housing“ in Hanau Wolfgang für zu hoch.

Eigentlich wähnte sich die Stadt auf der Zielgeraden, die ehemalige US-Wohnsiedlung „Sportsfield Housing“ im Hanauer Stadtteil Wolfgang als künftiges Wohngebiet nutzen zu können. Die 22 Wohnblocks mit 400 Wohneinheiten, die bis 2008 von Angehörigen der Armee belegt worden sind, sollen saniert und zu günstigen Mieten auf den Markt gebracht werden – wäre da nicht der Nachbar, der Reifenhersteller Goodyear-Dunlop, mit seinen Lärm- und Geruchsimmissionen. Das für Wohnen zuständige Hessische Wirtschaftsministerium hat nun in einer Kleinen Anfrage der FDP im Landtag erneut klargestellt, dass nach der gegenwärtigen Rechtslage dort kein allgemeines Wohnen zulässig ist.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) signalisierte im April jedoch der Stadt, dass der Konflikt beim Immissionsschutz lösbar sei. Zuvor hatte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) schriftlich an Schulze appelliert, mit einer planungsrechtlichen Experimentierklausel die Grenzwerte für Lärm und Gerüche im Entwurf zum „Gesetz zur Mobilisierung von Bauland“ flexibel auszulegen. Gegen dieses Vorhaben wehrt sich das Ministerium von Al-Wazir nicht. Das Ministerium sei in der Arbeitsgruppe der Umweltminister- und der Bauministerkonferenz vertreten und „hat dort insbesondere die Einführung einer Experimentierklausel unterstützt“, antwortet Al-Wazir auf die Landtagsanfrage. In den nächsten Tagen werde die Arbeitsgruppe ihren Abschlussbericht vorlegen, der auch Vorschläge zur Experimentierklausel enthalte, heißt es.

Al-Wazir hebt jedoch hervor, dass gegenwärtig eine Bauleitplanung für die „Sportsfield“ als Wohngebiet angesichts der aktuellen Immissionsbelastungen vor hohen Hürden stehe. Bei der Lärmbelastung sei selbst mit aufwendigen Maßnahmen des aktiven und passiven Schallschutzes keine vollständige Konfliktlösung zu erreichen, die den Standort der Dunlop sichere.

Nach der derzeit laufenden Sanierung des Werkes werde der Lärmpegel voraussichtlich 45 Dezibel (A) betragen, unter Hinzurechnung der anderen Betriebe steige der Gesamtpegel auf 49 Dezibel (A). Dieser Wert überschreite die Grenze für gesunde Wohnverhältnisse, so Al-Wazir. Laut der TA Lärm gilt für Wohngebiete nachts ein Wert von 40 Dezibel (A). Noch schwerwiegender sind die Gerüche, die den Grenzwert der Geruchsimmissions-Richtlinie (Girl) mehr als um das Dreifache überschreiten und damit außerhalb des „bauplantechnischen Abwägungsspielraums liegt“. Ob die Grenzwerte nach der Modernisierung des Werks eingehalten würden, müsse mit neuen Gutachten belegt werden, heißt es.

Al-Wazir sieht auch die Umwidmung der „Sportsfield“ in die Kategorie „Urbanes Gebiet“ als nicht zielführend an, weil die Weiternutzung der Gebäude „ohne größere Umbauten“ erfolgen solle.

Die Stadt Hanau teilt auf Anfrage mit, die städtische Baugesellschaft werde die Häuser energetisch und schalltechnisch ertüchtigen. Ein Problem sei aber, dass bei Gewerbelärm laut TA Lärm ein passiver Schallschutz nicht zulässig sei. In diesem Fall gelte nämlich das Verursacherprinzip. Hinsichtlich der Geruchsbelastung „gibt es keine denkbaren Schutzmaßnahmen“, heißt es. „Vor diesem Hintergrund kann der Vorwurf des hessischen Wirtschaftsministers irreführend wirken“, so die Stadt.

Von Dunlop heißt es auf Anfrage, dass zurzeit 73 Millionen Euro in den Standort Hanau für mehr Automatisierung gesteckt werden. „Dazu gehören auch die laufenden Investitionen in die Lärm- und Geruchsminderung“, heißt es, ohne dass konkrete Angaben gemacht werden.

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