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Die einmotorige Propellermaschine war eine Epic E1000. An der Absturzstelle in Erzhausen gehen die Untersuchungen weiter.

Flugzeugabsturz bei Egelsbach

Egelsbach: Diffizile Suche nach Absturz-Ursache

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Am Tag nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs nahe Egelsbach bergen Experten die drei Leichen und untersuchen den Absturzort.

Mitten auf einem Acker nordwestlich der Gemeinde Erzhausen und östlich der Autobahn 5 liegt das ausgebrannte Flugzeugwrack auf einem Spargelfeld. Zwei Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ziehen sich ihre weißen Schutzanzüge an, um die Maschine, die am Sonntagnachmittag beim Landeanflug auf den Egelsbacher Flugplatz abgestürzt ist, zu inspizieren. 

Ein älterer Mann kommt mit einem Fahrrad einen Feldweg entlang und beobachtet, wie die Männer, die Atemschutzmasken tragen, zwischen Erdhaufen stehen, die mit Plastikbahnen abgedeckt sind.

Die Männer in den Schutzanzügen breiten ihre Arme aus und lassen sich von Feuerwehrleuten aus Erzhausen helfen, ihre blauen Gummihandschuhe anzuziehen. Die Ermittler der BFU, die ihren Sitz in Braunschweig hat, haben den Auftrag, alle Unfälle und Störungen in der zivilen Luftfahrt in Deutschland zu untersuchen.

Flugzeugabsturz bei Egelsbach: Suche nach der Absturzursache

Nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs in Erzhausen, nahe des Flugplatzes Egelsbach, suchen Beamte nach der Absturzursache.
Nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs in Erzhausen, nahe des Flugplatzes Egelsbach, suchen Beamte nach der Absturzursache. © Monika Müller
Die Maschine des Typs Epic E1000 stürzte auf ein Spargelfeld in Erzhausen und brannte vollständig aus. Drei Menschen starben.
Die Maschine des Typs Epic E1000 stürzte auf ein Spargelfeld in Erzhausen und brannte vollständig aus. Drei Menschen starben. © Monika Müller
Ein Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung lässt sich von Feuerwehrleuten aus Erzhausen in die Schutzkleidung helfen.
Ein Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung lässt sich von Feuerwehrleuten aus Erzhausen in die Schutzkleidung helfen. © Monika Müller
Die Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung prüfen zivile Flugunfälle in Deutschland.
Die Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung prüfen zivile Flugunfälle in Deutschland. © Monika Müller
Ermittler haben die Absturzstelle vermessen und das Wrack fotografiert.
Ermittler haben die Absturzstelle vermessen und das Wrack fotografiert. © Monika Müller
Die Ursache des Unglücks ist noch unklar.
Die Ursache des Unglücks ist noch unklar. © Monika Müller

Absturz zwischen Erzhausen und Egelsbach: Ursache gibt Rätsel auf 

Auch einen Tag nach dem tragischen Absturz einer Epic E1000 mit drei Toten ist die Unfallursache noch völlig unklar. Wie ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS) erklärte, habe sich der Pilot am Sonntag um 15.22 Uhr bei der Flugsicherung abgemeldet. Bis zu diesem Zeitpunkt war er nach Instrumentenflugregeln geflogen.

Wie Nina Lamprecht, Sprecherin des Flugplatzes in Egelsbach, bestätigte, habe er sich umgehend beim Tower gemeldet, um die Landung nach Sichtflugregeln vorzunehmen.

Natalija Filjowa kam bei dem Flugzeugabsturz ums Leben.

Nach Angaben von Lamprecht habe zu diesem Zeitpunkt bestes Frühlingswetter geherrscht. Die Epic E1000 sei aus Richtung Westen angeflogen, um dann auf der Bahn 08 zu landen. Zwischen 15.22 Uhr und 15.30 Uhr sei dann „der Kontakt abgerissen“, so DFS-Sprecher Hoppe. Sowohl Hoppe als auch Lamprecht lehnten Spekulationen über die Unfallursache ab. Die Maschine war, nachdem sie in das Spargelfeld stürzte, sofort ausgebrannt.

Die Deutsche Presseagentur meldete am Montag, Experten aus Moskau seien zur Unglücksstelle gereist, um den deutschen Kollegen bei der Suche nach der Absturzursache zu helfen. Das sagte der stellvertretende Leiter des russischen Zwischenstaatlichen Luftverkehrskomitees (MAK), Sergej Sajko, der Agentur Tass in Moskau. Laut Polizei waren mindestens zwei der Opfer russische Staatsangehörige.

Untersuchung zu Absturz-Ursache könnte viele Wochen dauern 

An der Absturzstelle begann in der Zwischenzeit die Bergung der Leichen. In der Nacht sei dies wegen der Dunkelheit nicht möglich gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Die Kriminaltechniker und Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vermaßen die Absturzstelle und fotografierten das Wrack. Bis es einen ersten Zwischenbericht gibt, werden voraussichtlich „sechs bis acht Wochen“ vergehen, sagte der Pressesprecher der Bundesstelle, Germout Freitag.

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„Der Staat, dessen Flugzeug abgestürzt ist, ist immer an der Zusammensetzung der Untersuchungskommission beteiligt“, sagte der stellvertretende Leiter des MAK. „Sollte es notwendig sein, sind wir bereit, beratend zu helfen und Hilfe zu leisten bei der Auswertung der Flugschreiber, sollten diese gefunden werden.“ Nach Darstellung des MAK waren Flugschreiber bei dem abgestürzten Flugzeugtyp nicht zwingend vorgeschrieben. Es sei unklar, ob es in der Maschine einen Flugschreiber gegeben habe.

Bei dem Absturz war unter anderem die prominente russische Geschäftsfrau Natalija Filjowa ums Leben gekommen. Die Miteigentümerin der S7-Fluggesellschaft starb im Alter von 55 Jahren, wie das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Filjowa galt als eine der reichsten Frauen Russlands. Sie war russischen Medien zufolge mit ihrem Vater an Bord. Auch der Pilot soll bei dem Absturz getötet worden sein. Auch er soll nach Angaben von Moskauer Medien russischer Herkunft sein.

Beamte der Kriminalpolizei und Luftfahrtexperten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung nehmen am Montagmorgen das Flugzeugwrack unter die Lupe

Die Staatsanwaltschaft erhofft sich von der gerichtsmedizinischen Untersuchung weitere Erkenntnisse. Sie will klären, ob es sich bei den beiden anderen Toten tatsächlich um den Vater von Natalija Filjowa und einen russischen Piloten handelt.

Nachdem rund um den Egelsbacher Flughafen immer wieder Maschinen abgestürzt sind und es Tote gegeben hat, ist der Flugplatz, der von vielen Geschäftsreisenden genutzt wird, als „Todesflugplatz“ ins Gerede gekommen. Der Flugplatzbetreiber Netjets ist mit 87 Prozent der Mehrheitseigentümer der Betreibergesellschaft Hessische Flugplatz GmbH Egelsbach. Die Gemeinde Egelsbach ist mit 6,61 Prozent Gesellschafter, die Stadt Langen mit 5,66 Prozent. „Unsere Anteile werden immer weniger“, sagt Langens Erster Stadtrat Stefan Löbig (Grüne). Weil sich die Stadt nicht an Investitionen und Kapitalerhöhungen beteiligt, reduziere sich der Prozentsatz immer mehr. (mit dpa)

Der Flugplatz Egelsbach

Der größte regionale Flugplatz in Deutschland, der nur zehn Kilometer südöstlich vom Frankfurter Flughafen liegt, gehört seit 2009 mehrheitlich dem Unternehmen Netjets, hinter dem der US-amerikanische Investor Warren Buffett steht.

Der Flugplatzbetreiber gibt die Zahl der jährlichen Starts und Landungen mit bis zu 80.000 an. (jjo)

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