Gut gebrüllt

Hessischer Landtag: Echt cool

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Ob Fächer oder Ventilator – Hauptsache Luft. Die Kolumne aus dem hessischen Landtag.

Sommerferien! Auch im Hessischen Landtag lautet eine der meistgestellte Fragen dieser Tage: Wo geht der Urlaub hin? Vor der großen Sommerpause standen in dieser Woche noch wichtige Termine auf dem Programm der Minister und Abgeordneten: Bilanz der Nassauischen Heimstätte, zum Beispiel. Geschäftsbericht des Landes. Oder: Weihnachtsessen der Grünen.

Sie lesen richtig. Nein, hier ist kein Malheur mit der Rechtschreibprüfung passiert. Bei den Grünen findet die Weihnachtsfeier stets im Sommer statt, und das soll keine Mahnung vor dem Klimawandel sein. Schon vor Jahren hat die Fraktion mit dieser Praxis angefangen, weil im Dezember sämtliche Terminkalender rappelvoll sind. Und so fiel die Weihnachtsfeier 2018 (oder 2019?) auf vergangenen Mittwoch, den heißesten Tag des Jahres. Mit Spargelsalat statt Rotkraut und Kräuterpolenta statt Gans. Mit so vielen Abgeordneten, dass in ein größeres Restaurant gewechselt werden musste. Die Fraktion hat sich mit 29 Leuten ja verdoppelt. Viele neue Gesichter sind dazugekommen, die sich an das Leben als Berufspolitiker erst gewöhnen müssen. Ihre Lieblingsrezepte verraten sie übrigens in einer Broschüre mit dem Titel „Grüne Erfolgsrezepte“. Und die sind keinesfalls nur vegan.

Noch viel brauchbarer in diesen heißen Tagen ist das zweite neue Werbematerial der hessischen Grünen: Ein Fächer aus Karton in Form einer halben Sonnenblume. Darauf Texte zu den Ressorts der vier Minister: Verkehrswende, Klimaschutz, Antidiskriminierung, Forschung. Das fünfte gelbe Blütenblatt trägt den Slogan: „Wir haben was gegen heiße Luft.“

Die Zeiten, als Parteien die Eiskratzer aus den Händen gerissen wurde, sind passé. Selbst die Staatskanzlei hat angesichts der Klimaerwärmung aufgerüstet. Bei einem Barbecue in der Dienstvilla des Ministerpräsidenten verteilte das Protokoll schwarze (!) Fächer mit grauem (!) Hessen-Logo an die Gäste. Ohne einen einzigen grünen Einsprengsel. Da besteht noch Optimierungsbedarf.

Das gilt auch für die Technik des Landtags. Nicht in allen Räumlichkeiten schafft sie es, die tropische Hitze auf angenehme Arbeitstemperaturen herunterzukühlen. Frauen können Sommerkleider anziehen. Doch Männer haben es ungleich schwieriger, einen kühlen Kopf zu bewahren. Es gibt tatsächlich Politiker, die ganz tapfer gnadenlos bei geschätzten 35 Grad weder das Jackett ablegen noch den Schlips. Eine dreieinhalbstündige Sitzung des Innenausschusses ist da gewiss eine Qual. Selbst hemdsärmelig lässt sich so etwas nur mit sehr viel Mineralwasser-Nachschub durchstehen. Zwei CDU-Abgeordnete trumpften übrigens ganz groß auf und zogen neidische Blicke auf sich: Jeder stellte zum Sitzungsbeginn einen Miniventilator vor sich auf den Tisch. Echt cool.

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