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Liebevoll in Stand gesetzt: der Bauwagen von Marcus Balzereit.

Alternatives Wohnen

Marke Eigenbau

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Ein Feriendomizil im Grünen – das hat sich Marcus Balzereit schon als Kind gewünscht. Nun ist der Wunsch wahr geworden: Er hat sich selbst einen Bauwagen gezimmert.

Ein Feriendomizil im Grünen – das hat sich Marcus Balzereit schon als Kind gewünscht. Nun ist der Wunsch wahr geworden: Er hat sich selbst einen Bauwagen gezimmert.

Allein der Blick aus dem Panoramafenster auf grüne Wiesen, das Tal dahinter und die sanft geschwungenen Hügel ist die Mühe wert. Seit Marcus Balzereit, Dozent für Erziehungswissenschaften an der Uni Frankfurt, im vergangenen Sommer damit begann, sich in der Rhön einen Bauwagen auszubauen, hat er dieses Ziel stets vor Augen. Sogar auf den Winter freut er sich schon, wenn er gemütlich drinnen am warmen Ofen am Schreibtisch arbeiten kann und dabei nach draußen auf die schneebedeckte Landschaft blicken kann.

Den Wunsch nach einer eigenen Hütte hegte Marcus schon lange, bereits als Kind träumte er davon. Nachdem ihm ein guter Freund dann einen Stellplatz für einen Bauwagen anbot, sagte er zu und begann zunächst mit der Suche nach einem geeigneten Anhänger, wobei er ziemlich schnell feststellte, „dass das ein florierender Markt ist“. Knapp 700 Treffer ergibt allein die Eingabe auf der Internetseite von Ebay.

Zwischenzeitlich hatte er schließlich einen Bauwagen in der näheren Auswahl, der aber an der Ostsee stand. „Es gibt einen Menschen, der lebt davon, die Bauwagen mit 25 Stundenkilometern von A nach B quer durch die Bundesrepublik zu transportieren“, berichtet Marcus, „pro Kilometer kostet das einen Euro“. Da die Entfernung von Frankfurt bis zur Küste doch beträchtlich sei, komme da schon ein stattlicher Betrag zusammen.

Doch glücklicherweise hatte Marcus da schon ein geeignetes, aber leider recht verrottetes Modell auf einer nahe gelegenen Weide entdeckt, das bis dahin als Ziegenstall benutzt wurde. Da er sich mit dem Vorbesitzer schnell handelseinig wurde (bei einem Kaufpreis von 300 Euro), begannen kurz darauf bereits die Abrissarbeiten. Der vergammelte Aufbau musste weg. Am Ende blieb nur noch das Fahrgestell übrig, das Marcus Balzereit mit Hilfe von Freunden im vergangenen Sommer entrostete und lackierte.

In den vergangenen Monaten ging es dann Stück für Stück an den Wiederaufbau. Neben Foren im Internet, auf denen sich viele Informationen finden, berieten ihn dabei auch Bewohner vom Frankfurter Bauwagenplatz an der Borsigallee. „Ganz wichtig ist die Dampfsperre“, hat Marcus beispielsweise in diesen Gesprächen erfahren. Dabei handelt sich um eine Folie, die verhindert, dass Kondenswasser oder Küchendünste in die Holzwände eindringen und dort Schimmel bilden.

Während die Dampfsperre klar in den Bereich des Nützlichen gehört, stellt Marcus auf der anderen Seite gewisse Ansprüche an sein selbst gezimmertes Eigenheim. Sein persönliches Highlight – neben einer floralen Jugendstil-Tapete – ist für ihn definitiv das 1,50 mal 1,30 Meter große Panoramafenster im Schlafgemach, das er ebenfalls im Internet ersteigert hat. Muss der Wagen mal umgeparkt werden, wird das Fenster einfach ausgehängt. Das bedeutet doch ein Stück großer Freiheit, mit dem Wagen wie eine Schnecke mit ihrem Gehäuse einfach umziehen zu können? Doch Marcus ist nicht so naiv zu glauben, dass er mit seinem Projekt eine alternative Lebensform verwirkliche. Vielmehr sei es ein bequemer und nicht sehr teurer Weg, im Sommer der Gluthitze in der Stadt zu entkommen. „Für mich ist es ein Fluchtpunkt.“ Außerdem sei es einfach „nur ein schöner Ort, um konzentriert an Texten feilen zu können“. Durch das Gefühl, mit den eigenen Händen etwas zu erbauen, habe er erst bemerkt, wie sehr man sonst in einer entfremdeten Welt lebt. Seinem Freundeskreis jedenfalls gefällt die Aktion, viele haben sie auf Facebook „geliked“.

4000 Schrauben und 250 Winkel

„Allerdings ist das Vorhaben sehr wetterabhängig“, sagt Marcus. Wenn ein Schauer niedergeht, wird die Baustelle rasch mit einer großen Plane abgedeckt – und dann ist eine Pause angesagt, bis der Regen aufgehört hat. Mittlerweile hat Marcus 4000 Schrauben und 250 Winkel verbaut, die er direkt von einem Dorfbewohner bezog, der einen Schraubenhandel in seiner Garage hat. Nach zahlreichen Besuchen im örtlichen Baumarkt war es dann im Juli soweit: Mit seinen Helfern feierte er das Richtfest.

Die Wände sind nun mit Styropor und Steinwolle gedämmt, das halbrunde Dach besteht aus Hartfaserplatten und ist mit Teerpappe abgedichtet. Die Außenverschalung aus Kiefernholz ist auch schon fertig. „Ich freue mich schon, wenn die Treppe endlich fertig ist und ich nicht mehr mit der Leiter in den Wagen klettern muss.“ Und das Material für den Dielenboden fehlt noch. Am liebsten würde der „Holzfan“ Marcus Eiche für die 15 Quadratmeter große Fläche verwenden, doch das kostet einen Haufen Geld.

Ansonsten sei er ein Purist: ein Fernseher ist Tabu, außer dem Schreibtisch wird es noch eine kleine Küchenzeile geben – das ist alles.

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